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Sick Of It All – Dragon Fire Tour

Irgendwie ist es schon fast Tradition von Sick Of It All, wenn sie nach Europa kommen, gleich mehrfach hier aufschlagen. Im Frühjahr erst mit der Persistence Tour unterwegs, waren sie im Sommer unter anderem auf dem Hellfest zu finden. Nun in ganz eigener Sache, quasi zum Jahresabschluss geben sich die Herren aus New York einmal mehr die Ehre. Kommen erneut auf einen Sprung über den großen Teich. Auch diesmal mit großem Bahnhof, gleich drei Vorbands waren mit im Schlepptau und durften für die Hardcore Legende die Anheizer spielen. Am 14.11 war, wie schon so oft, das Münchner Backstage im Zentrum des Geschehens.

Als europäischer Support durften This Means War aus Belgien den Abend eröffnen. Mit ihrem Streetpunk fielen sie soundtechnisch zwar etwas aus dem Rahmen, waren aber für die langsam eintreffenden Gäste ein idealer Sound für den Einstieg in einen geschmeidigen Abend. Mit gutem, straighten Sound und gefälligen Melodien schafften die fünf sympathischen Belgier eine gute Stimmung. Irgendwie lief an diesem Donnerstag aber alles etwas schleppender. Das Konzert war – unerwarteterweise – nicht ausverkauft. Die Gäste trudelten nur langsam in die Location. Nichts desto trotz waren This Means War souverän genug und gaben ihr Bestes, um die Stimmung anzuheizen. Für mich war die Band definitiv ein großartige Entdeckung. Wer This Means War verpasst hat oder sie erneut sehen möchte, hat auf der Persistence Tour im Januar 2020 eine gute Gelegenheit sie zu erleben.

Nach einer kurzen Umbaupause schlug der Abend dann mit Hardcore und den Cancer Bats in die richtige Kerbe. Die vier Jungs aus Toronto machten einfach Laune. Mit ihrer explosiven Mischung aus Hardcore, Southern Rock und Punkrock überzeugten sie von Anfang an. Dank der großen Bühne im Backstage Werk konnte Sänger/Shouter Liam seinem Bewegungsdrang freien Lauf lassen. Mit seinen Sprints quer über die Bühne und diversen Sprungeinlagen brauchte er gewiss an diesem Abend kein Cardio-Workout mehr. Auch das Publikum wachte endlich auf, der Platz vor der Bühne wurde dichter und auch die Gäste zeigten ersten Willen den Wochenfrust abzubauen. Die Cancer Bats hatten und machten auf jeden Fall Spaß. Die Stimmung war damit auf den richtigen Kurs Richtung Hardcore-Fest.

Mit Comeback Kid, ebenfalls aus Kanada, nahm der Abend seinen weiteren Lauf. Musikalisch waren sie zwar nicht ganz auf meiner Linie, da waren die Vorgänger definitiv etwas melodischer. Comeback Kid hatten aber auf jeden Fall das Publikum sofort auf Ihrer Seite.2006 das erste Mal auf der Persistence Tour in Deutschland und Europa unterwegs waren die den meisten Anwesende bekannt und wurden entsprechend gefeiert. Sänger Andrew Neufeld ging auch schnell auf Tuchfühlung. Damit sorgte er für die gewünschte Vorwärtsbewegung der Menge, zur Bühne hin. Der schnelle Hardcore-Punkrock zeigte Wirkung, die Stimmung wie auch die Temperatur stiegen merklich im Backstage. Nach Comeback Kid waren die Massen für den Höhepunkt des Abends bereit.

Was will man zu Sick Of It All eigentlich noch schreiben, was nicht schon in den einschlägigen Blogs und On- und Offline-Magazinen geschrieben wurde? Die vier New Yorker Hardcore Legenden haben in Europa, speziell in Deutschland quasi ein zweites Heim gefunden. Ihre Shows sind immer voll bis ausverkauft. Energetisch wie musikalisch kriegt man das volle Brett. Sobald Lou, Pete, Craig und Armand ihre Positionen eingenommen haben und die ersten Riffs erklingen bricht die Hölle los. Sick Of It All pflügen sich einmal quer durch‘s selbstgezogene Hit-Gemüsebeet. Es gibt keine Pause, dezent kurze Ansagen. Weiter geht’s, immer feste druff. Einige Songs vom letzten, immer noch aktuellen, Album haben sich sehr gut als Live-schlachtgesänge etabliert. Hervorheben müsste man hier vielleicht „Self-Important Shithead“ oder auch das sing-along-fähige „Bulls Anthem“. Letzteres zehrt dabei etwas an Petes Gesangsfähigkeiten, macht aber Laune wie Sau. Aber auch die Gassenhauer wie „My Life“, 1989 aus den ersten Jahren von Sick Of It All, kamen zum Einsatz. Damit zeigen Sick Of It All, dass sie ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Der raue, noch ungeschliffene, Sound der ersten Zeit kommt immer noch durch und verleiht den Jungs eine Echtheit, die man im heutigen modernen Showbizz vermisst. Kurzum, Sick Of It All liefern wie gewohnt eine grandiose Show ab. Inklusive Circle Pit um Lou in der Arena des Werks. Gute anderthalb Stunden gibt’s auf die Ohren. Am Ende geht man ausgepowert und zufrieden nach Hause. Ein perfekter Ausklang der Woche, damit lässt sich der Freitag dann noch ertragen und man freut sich schon auf das nächste Mal, wenn die Jungs wieder in Deutschland aufschlagen.

(Text+Bilder: Björn Engelke)

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