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Rebellion Tour 2019 – München

Als MADBALL in Frühjahr die achte Auflage ihrer Rebellion Tour ankündigten, kam Freude auf. Das Lineup konnte sich wie immer sehen lassen. Inklusive MADBALL waren ganze sieben Bands gelistet. Lediglich der Termin in München war mit einem Montag wieder einmal etwas unglücklich gewählt, doch mit dem angekündigten Lineup sollte auf jeden Fall ein toller Wochenstart erwartet werden.

Der Menge an Bands geschuldet, startete IRONED OUT um 18 Uhr entsprechend früh. Die sechs Jungs aus London präsentierten ihren Rapcore engagiert vor einem spärlichem Publikum. Der Uhrzeit und auch dem Tag zufolge tröpfelten die Gäste eher langsam in die Halle des Backstage und die meisten Leute interessierten sich doch erstmal für ein Bier und stöberten am relativ großen Merchstand im hinteren Teil der Halle. Sicherlich ist eine raplastige Interpretation von Hardcore nicht jedermanns Geschmack, IRONED OUT fanden jedoch viel zu wenig Beachtung. IRONED OUT ließen sich allerdings nicht beirren und spielten ihr Set professionell bis zum Schluss. Am Ende gab es sogar einen kleinen Applaus.

Im Anschluss kehrte dann mit BRICK BY BRICK wieder oldschool Hardcore-Sound in die Halle ein. Mit tiefer Stimme und schweren Grooves gab es nun gefälligeres Liedgut für das Volk. Ihre Bemühungen, doch etwas mehr Menschen direkt vor der Bühne zu versammeln, blieben jedoch ziemlich erfolglos. Es bildete sich der berühmte Halbkreis. Die meisten blieben im Schatten und ließen sich mit einem Bier in der Hand bespaßen. Auch hier kann man den Jungs auf der Bühne nicht wirklich einen Vorwurf machen, denn BRICK BY BRICK bemühte sich redlich mit guten Sound und harten eingängigen Riffs um gute Stimmung. Aber gegen den Montagsblues kamen auch sie leider nicht an.

Die Nächsten im Bunde waren SLOPE aus Duisburg. Ihr Sound erinnerte stark an Rage Against The Machine oder Pearl Jam. Der leicht funkige Sound gefiel zumindest mir ganz gut. Leider war nur einer von zwei Vokalkünstlern mit am Start, mit zwei Jungs am Mike wäre es wahrscheinlich interessanter geworden. Und so versuchten sich auch SLOPE um mehr Bürgerbeteiligung am Konzert, aber auch hier war es doch vergebliche Liebesmüh. SLOPE versuchte unter anderem mit dem Titel “Fuck 9 to 5” ihr gesellschaftspolitisches Profil zu schärfen, was meiner Meinung nach durchaus nach hinten losging. Wirkliche Stimmung kam auch bei ihnen nicht auf, auch wenn sich die Halle doch langsam füllte.

Mit DEATH BEFORE DISHONOR wurde es dann Gott sei Dank etwas lebhafter vor der Bühne. Bryan Harris und seine Gang schafften es zum ersten Mal an diesem Abend so etwas wie Leben in die Halle zu bringen. Ziemlich schnell sogar waren einige Fans ganz vorne, sangen bzw. grölten in das von Bryan hingehaltene Mikro die Songs aus vollen Kehlen mit. Auch Ansätze eines auch von den Vorbands geforderten Circle Pits waren vorhanden. Zum fetten New School Hardcore der Jungs aus Boston MA nahm der Abend zum ersten Mal Fahrt auf. Zum Abschluss gab es noch “Boston Belongs to Me” eine rauhe Coverversion von Cock Sparrers “England Belongs To Me”, was in der Halle ziemlich gefeiert wurde. Nach etwas mehr als einer halben Stunde war dann das erste Highlight des Abends auch schon wieder Geschichte. DEATH BEFORE DISHONOR hatten auf jeden Fall die Lebensgeister der anwesenden Gäste geweckt, so konnte es gerne weitergehen, Hardcore ist doch nicht zum Rumstehen oder Sitzen da.

Den nächsten Slot belegte das niederländische Hardcore-Bollwerk BORN FROM PAIN. Mit ihrem kraftvollen Heavy Hardcore fanden die fünf Niederländer einen guten Anschluss an ihre Vorgänger und konnten die Leute nach der kurzen Umbaupause wieder vor der Bühne versammeln. Mit ihrem aktuellen Album ‘True Love’ im Gepäck zeigten BORN FROM PAIN eindrucksvoll, dass hier keine Liebesarien gesungen, sondern knallharte Systemkritik geübt wird. Auch weiterhin nahmen die Niederländer kein Blatt vor den Mund, um Missstände anzukreiden, klare Kante gegen Überwachung “End Of The Line”, Kriegstreiberei “Bombs Away” und soziale Spaltung “Antitown” zu beziehen. Dem Publikum gefiel es und es wurde gezeigt, dass man sich auch an einem lausigem Montag mitreißen lassen kann.

Two more to go, IRON REAGAN waren die nächsten auf dem Plan. Nachdem IRON REAGAN zum Teil aus Mitgliedern von Municipal Waste besteht, waren einige Gesichter bekannt. Sänger Tony “Guardrail” Foresta und Philip “Landphil” Hall sollten zumindest bekannt sein. IRON REAGAN versprach ebenso extrem kurze und harte Songs, wenig Gelaber und immer schön druff aufs Trommelfell. Zwischen dem ganzen Hardcore Gebolze war die Thrash-Metal-Punk Einlage eine willkommene Abwechslung. IRON REAGAN nahmen sich wenig wichtig, in weniger als fünf Minuten wurden drei Songs wie nebensächlich rausgerotzt. Insgesamt fand der spritzige Auftritt regen Anklang und er war schneller vorbei, als man IRON REAGAN buchstabieren konnte.

Dann war es endlich Zeit für MADBALL. Die New York Hardcore-Legende kam mit ihrem aktuellen Album “For The Cause” im Gepäck nach München. Dominik “Dom” Stammen von BORN FROM PAIN schwang auch dieses Mal wieder die Axt bei MADBALL. Sänger Freddy Cricien konnte dieses Mal ohne lädierte Rippen hemmungslos auf der Bühne herumtoben. Dies nutzte er auch sofort aus, “Rev Up” erklang und Freddy sprang wie ein wildes Tier auf der Bühne von links nach rechts und wurde dabei reichlich vom Publikum gefeiert. Musikalisch ging es, wie zu erwarten, einmal mehr quer durch die Hitlist von MADBALL. Von “Born Strong”, “DNA” und auch Hitaspiranten vom neuen Album wie “Freight Train” kamen erfolgreich zum Einsatz. Mittlerweile waren auch alle in der Halle auf Betriebstemperatur und entsprechend gut war damit auch die Stimmung. Eine gute Stunde gab MADBALL alles und wurde dafür frenetisch gefeiert. Für einen verregneten Montag war der Abend sehr gelungen, auch wenn man sich etwas mehr Stimmung von Anfang an gewünscht hätte. Vielleicht kann die Rebellion Tour ja in der nächsten Auflage und einem anderen Spieltag noch mehr herausholen. Bei einem vergleichbaren hochkarätigen Lineup wäre das auf jeden Fall wünschenswert.

(Text+Bilder: Björn Engelke)

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