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Platzhirsch Festival Duisburg – Das Bourbon Street Gefühl

Als das neue Millennium noch jung war tourte ich durch den Süden der USA. In New Orleans machte ich es mir schnell zur Gewohnheit, meine Abende im French Quarter zu verbringen. Es war Winter, und so hielt sich die Zahl der Touristen in akzeptablen Grenzen. Es war großartig… die Bourbon Street rauf und runter, wohin ich auch ging – überall Live-Musik: erdiger Blues, gediegener Jazz, guter alter Rock’n’Roll und rotziger Punk. Ich wollte gar nicht mehr weg.
Das Dellviertel in Duisburg kann in Sachen Magie selbstverständlich nicht mit dem French Quarter konkurrieren, aber dennoch stellte sich bei mir am vergangenen Wochenende das Bourbon Street Gefühl ein. Zu verdanken war das dem Platzhirsch Festival.

platzhirsch-mainIm Rahmen dieses Festivals der Artenvielfalt wurde neben dem Dellplatz so gut wie jede Kneipe, jede Bar und jedes Café mit Livemucke versorgt. Insgesamt kamen an diesem Wochenende gut 110 Programmpunkte zusammen, neben Musik gab es noch Theater, Lesungen und Kunst. Wieder war es ein sehr vielseitiges Festival, auf dem man sich ein echtes Kontrastprogramm geben konnte, von intimen und entspannten Songwriter Darbietungen zur akustischen Gitarre in der Mimi e Rosa Espressobar zu Ohren, Mark und Eingeweide erschütternden Wall of Sound Konzerten im Grammatikoff war alles drin. Es gab viel Neues zu entdecken und die Artenvielfalt gab die Möglichkeit zu einem Blick über den eigenen geschmacklichen Tellerrand.

Ein pralles Programm also, von dem ich natürlich nur einen Bruchteil wirklich besichtigen konnte. Mehr als einmal wünschte ich mir, ich könnte drei meiner Klone mit Kameras bewaffnen und losschicken. Bei so viel Gigs konnten vier Personen alle ein ganz unterschiedliches Festival erleben. Da mir aber leider keine Klone zur Verfügung standen, bleibt nur mein persönlicher Bericht.

Große Namen fehlten diesmal beim Platzhirsch Festival und ich muss zugeben, viele der Akteure waren mir vorher auch nicht bekannt. Eine erste Orientierung verschaffte da die sehr gut gemachte Webpage des Festivals.

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Platzhirsch im Regen, Foto: Britta Odenthal

An dieser Stelle erstmal einen ganz herzlichen Dank an die Organisatoren, die Technik und die vielen freiwilligen Helfer. Ihr habt ein super Festival gestemmt. Alle Beteiligten haben eine spitzen Arbeit abgeliefert, lediglich Petrus schwänzte seinen Job und so begann am Freitag das Festival unter einem trostbedürftigen, bleigrauem Himmel, aus dem es stundenlang schüttete. So konnte auf dem Dellplatz zunächst keine richtige Festival Stimmung aufkommen und die Meisten flüchteten zu Indoor Konzerten, so auch ich. Mein erstes großes Highlight an diesem Tag war die wunderbare Maou Lamourette aus dem französischen Calais. Die The Lamourettes Sängerin spielte zwei Sets im Movies und trat am Samstag noch mal auf der Außenbühne auf. Ein Erlebnis!


Nachdem sich der Regen dann endlich verzogen hatte sorgte Maison Du Malheur aus Amsterdam dafür, dass der Dellplatz nun endlich zum Epizentrum des Events wurde.

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Flash Peuszen, Foto: Mick Baltes

Der Samstag blieb glücklicherweise trocken. Am Nachmittag rockten Maou Lamourette und etwas später Flash Preuszen aus Düsseldorf den Dellplatz. Namen die man sich merken sollte! (Zu Flash Preuszen und einigen anderen Bands haben wir auch noch ein paar kleine Videos in der Mache. Sie werden in Kürze auf unserem YouTube Kanal veröffentlicht.)

Dann war es Zeit für einen Kaffee bei Mimi e Rosa wo From Major To Minor mit viel Sinn für Selbstironie ein kleines intimes Konzert gab.

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From Major To Minor, Foto: Mick Baltes

Einer der Abräumer am Abend waren die Duisburger Lokalmatadoren The Chimprellas. Sie groovten gewaltig und na ja, eine Band die einen Song über meinen Stadtteil Hochfeld schreibt, muss ich einfach lieben.

Ich gebe es zu, ich hatte noch eine Menge Bands auf meinem Spickzettel, aber eine nette Nebenwirkung des Platzhirsch Festivals ist es, dass ein solches Ereignis jede Menge alte Freunde zusammentreibt und es viel zu feiern gibt. Auch das macht dieses wunderbar kleine Festival aus.

The Chimprellas (Utan Pans) Foto: Mick Baltes

The Chimprellas (Utan Pans) Foto: Mick Baltes

Der Knaller am Sonntag waren dann The BellRays aus Los Angeles. Sie mischten Punk mit Soul und Funk und gaben vom ersten Riff bis zur Zugabe mächtig Gas. That was really a Rock Show!
Den krönenden Abschluss auf dem Dellplatz lieferten die Party Popes. Und mit ihrem Segen freuen wir uns schon alle auf das nächste Platzhirsch Festival.

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“This is a Rock Show!” – The BellRays, Foto: Mick Baltes

Platzhirsch Festival Homepage
Platzhirsch auf Facebook

(Mick Baltes)

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