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Persistence Tour 2020

Dass es auch dieses Jahr wieder eine Ausgabe der beliebten Hardcore-Konzerttour geben würde, ist bereits nach Ende des letzten Runs angekündigt worden und das letzte Jahr hindurch wurde das Lineup angekündigt und immer weiter verfeinert. Es wurde sogar noch eine Schippe drauf gelegt und eine achte Band verpflichtet, was den Preis von 39,-€ pro Ticket absolut rechtfertigt. Pro Band nicht mal nen Fünfer, dass ist schon ein Spottpreis! Bei einer solchen Masse an Bands muss man früh in den Abend starten, und so versammelten sich die Fans schon ab 17 Uhr vor dem Münchner Backstage. Einlass 17:30, pünktlich versteht sich, es gab keine Zeit zu verschenken.

Starten sollte der Abend eigentlich mit This Means War, auf die ich mich schon gefreut hatte. Leider mussten sie kurz vor Beginn der Tour ihre Teilnahme absagen, da ihr Drummer unerwartet das Handtuch geworfen hatte. Weil sieben Bands ja entschieden zu wenig wären, wurde Countime aus LA nachnominiert und die Jungs starteten pünktlich in den vollgepackten Abend. Countime prügelten also kurz und schmerzlos ihre 20 Minuten aufs Parkett, zwar nicht schlecht aber doch eher unspektakulär. Einzig der kurze Gasteinsatz von Agnostic Fronts Vinnie Stigma am Mikro blieb mir in Erinnerung. Dann war der Spuk auch schon wieder vorbei und das Publikum noch nicht wirklich angewärmt. Das Werk begann sich dennoch langsam zu füllen.

Eigentlich beschreibt der kurze Auftritt von Stigma bei Countime die Persistence Tour ziemlich gut. Es ist wie ein Klassenfahrtrevival. Alle Kumpels sind dabei und man hat Spaß zusammen, auch wenn der Zeitplan mehr als knackig ist. Cutthroat, ebenfalls aus LA, sind die Nächsten um ihr Liedgut unter das geneigte Hardcorevolk zu bringen. Da noch recht viel Luft im Saal ist, steigt Frontman Neil Roemer in den Pit, initiiert einen weitläufigen Circlepit und demonstriert Volksnähe. Doch am Ende heißt es auch hier kurz und schmerzlos nach 20 Minuten: Schicht im Schacht.

Billy Bio soll ja der nächste im Bunde sein, klappt aber irgendwie nicht. Wisdom In Chains stehen als nächstes auf der Matte und spätestens ab hier ist der Zeitplan für die Katz. Wisdom In Chains zelebrieren einen wirklich schicken Oldschool Hardcore, bei dem kurzen Slot bleibt es auch hier nur dabei, die Hits abzugrasen. Trotzdem tut das der Stimmung keinen Abbruch, die Bude ist mittlerweile gut gefüllt und durch den Bühnentisch im Graben kommen Fans und Band gut zueinander. Vereinzeltes Stagediving schon in diesem frühen Stadium des Abends zeigt, dass die Jungs spielen wollen. 

Dann klappt es doch noch mit Billy Bio, der wie ein wild gewordener Derwisch auf der Bühne den Veitstanz aufführt und in sein Headset brüllt. Ich bitte meine mangelnde Kenntnis der einzelnen Songs zu entschuldigen, aber der Sound war einfach unterirdisch und es ließ sich kaum identifizieren, welcher Song gespielt wurde. Auch wenn Billy Bio zu Anfang die Jungs und Mädels etwas motivieren musste um die Lücke zwischen Bühne und Menschen zu schließen, war die Stimmung gut.

Halbzeit, noch vier Bands. H2O durften als nächstes ran, und hier kam das erste Highlight. H2O ballern ebenfalls ihre Hits raus, bei bester Stimmung und viel Action vor der Bühne. Bei „Nothing to Prove“ und „What happened?“ gibt es kein Halten mehr. Hier klinken sich dann auch wieder Jungs von Wisdom In Chains und Agnostic Front ein, übernehmen ein paar Teile am Mikro. Ähnlich wie auf der Studioversion des Songs, bei dem auch die Hardcore Elite wie Sick Of It All schon mitspielten. Auch hier ist die Zeit viel zu schnell vorbei, hilft alles nix. H2O runter von der Bühne, Umbau…

Mit den Street Dogs ging es dann wieder mehr in Richtung Punk und hier war der Sound ebenfalls wieder grottenschlecht. Laut, aber einfach schlecht. Das Publikum schien es nicht zu stören, es wurde mitgesungen und im Circlepit das tägliche Workout abgespult. Sänger Mike McColgan ließ sich gleich mehrfach vom Publikum auf Händen tragen und war ansonsten auch sehr flink auf der Bühne unterwegs. Ein oder zwei Songs verbrachte er so im Gemenge und wurde dafür sichtlich gefeiert.

Mit Agnostic Front ging es danach weiter als vorletzte Band. Auch die Jungs aus New York brannten ihr Feuerwerk ab, ganz frei nach der Devise „All Killer no Fillers“. Von „Gotta Go“, „Old New York“, „For My Family“ bis zu „Crucified“ war alles dabei, inklusive ein paar Songs vom aktuellen Album „Get Loud!“. Zum letzten Song „Blitzkrieg Bop“ kamen dann eigentlich alle Tourkameraden aus ihren Löchern und brachten als eine große Hardcore Supergroup das Werk bis kurz vor den Abriss.

Viel bleibt nicht mehr, und Gorilla Biscuits fahren ganz zum Schluss auf. Man merkt schon das die Luft etwas raus ist, das Werk hat sich doch ein wenig geleert. Der Gesamtstimmung tut das dennoch keinen großen Abbruch. Gorilla Biscuit lassen sich ebenso feiern wie die Freunde davor und bringen den Abend zu einem glorreichen Abschluss.

Was bleibt am Ende des Tages? Die Persistence Tour war auch dieses Jahr ein voller Erfolg, Respekt an MAD Tourbookings für das Etablieren einer solchen Veranstaltung. Aber acht Bands sind schon hart, da jedem Act nur kurz Zeit bleibt sich zu präsentieren, die Hits rauszuhauen und dann auch schon wieder die Bühne zu räumen. Sofern ganz ok, wenn man die Abwechslung mag oder sich mit den Gassenhauern zufrieden gibt, doch für mehr reicht die Zeit nicht. Eigentlich schade, für mich persönlich wären fünf Bands auch völlig in Ordnung gewesen und der Preis von 39,-€ auch hier in jedem Fall gerechtfertigt. Die Planungen für 2021 laufen bestimmt schon und das nächste Lineup wird dem aus diesem Jahr wohl nichts nachstehen. Man darf nur hoffen, dass man mit der Masse an Acts das Interesse der Fans nicht schwindet, weil die Bands einfach zu oft im Lande sind. Ansonsten: See you in the pit!

(Text+Bilder: Björn Engelke)

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