From the Blog

Persistence Tour 2019 München

Auch Anfang 2019 kann der geneigte Musikfan auf liebgewonnene Traditionen zurückgreifen. So bietet die Persistence Tour regelmäßig ein hochkarätiges Lineup für alle Hardcore Fans. Seit einigen Jahren ist die Anzahl der Bands von ehemals vier bis fünf auf sieben erhöht worden. Man kann sich jetzt darüber streiten, ob es zu viele Bands sind, der Popularität des Formats tut es keinen Abbruch und die Termine auf der Tour durch Deutschland sind mehr als gut besucht – zum größten Teil sogar ausverkauft. Am 21. Januar fand der fünfte Termin der Tour im Münchner Backstage statt. Zuvor waren Berlin, Hamburg und Dresden mit ausverkauften Häusern abgerissen worden. Mit einem Montag dem 21. Januar könnte es die Besucherzahl betreffend spannend werden.

Aller Anfang ist schwer und so mussten die Jungs von Take Offense vor fast leerer Arena im Backstage Werk auftreten. Ihrer Motivation tat dies keinen Abbruch, voller Elan gab es eine knappe halbe Stunde aggressiven Standard Hardcore auf die Ohren. Der Lead Gitarrist fiel hier mit echt guter Performance und filigranem Gitarrenspiel auf. So wurde der Sound nicht nur mit den üblichen hämmernden Riffs sondern auch mit netten Solo-Anteilen aufgewertet. Vielen Newcomern fehlt hier oft der eigene Weg, bei Take Offense gab es damit also erfrischende Abwechslung.

Als nächstes durften die Siberian Meat Grinder aus Moskau ran. Und damit stand Crossover Thrash Metal Hip-Hop auf dem Programm. Sänger Vladimir kam mit seiner an Darth Vader angelehnten Gesichtsmaske schon ein wenig wie Sido für Arme rüber. Mit ihrer Bühnenperformance und Sound konnten Siberian Meat Grinder anscheinend einen großen Teil der Anwesenden ansprechen. Immens störend empfand ich, dass die ganze Zeit über ein Stagehand der Band mit auf der Bühne rumhüpfte und damit zu präsent war. Mit gewissen Ansätzen der Generation Youtube kann ich halt einfach nix anfangen und so etwas macht für mich dann auch einen Auftritt kaputt. Während des Auftrittes von Siberian Meat Grinder füllte sich das Werk zunehmend, passend weil es doch ab den nächsten Bands erst so richtig interessant wurde.

Für mich persönlich ein Highlight, dass auf der 2019er Ausgabe der Persistence Tour mit Booze & Glory diesmal auch ein Vertreter der Oi! Punk Szene mit dabei war. An dritter Stelle im Lineup ist die Zeit bekanntlich knapp und so starteten die Londoner Jungs passend mit “London Skinhead Crew” mit voller Kraft. Das jetzt volle Backstage Werk verwandelte sich in der Arena in einen sehr schicken Pogo-Pit. Mit ihren schmissigen Sing-Alongs wie z.B. “Carry On” oder “Leave The Kids Alone” hatten Booze & Glory das Werk fest im Griff und es wurde aus voller Kehle mitgesungen. Mit “Live It Up” präsentierten die Jungs auch gleich ihre neue EP und unterzogen sie sogleich einem Live-Test. Wie zu erwarten kam der Song sehr gut an. Viel zu schnell war die Zeit um und Booze & Glory mussten leider die Bühne räumen.

Mit Walls of Jericho war ein Schwergewicht der Hardcore/Metalcore Szene für den nächsten Slot aufgerufen. Zu Candace Kucsulain braucht man eigentlich nix mehr sagen, wer in der Szene ist weiß, dass diese Frau am Mikro nix anbrennen lässt und von der ersten Sekund an Vollgas gibt. Zuletzt 2017 in Deutschland unterwegs, wurdenWalls of Jericho entsprechend frenetisch empfangen. In gut einer halben Stunde gab Candace einen Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte und heizte die Menge weiter auf. Praktisch kam der Circle-Pit nicht zum Stillstand. Zum Abschluss ging Candace noch auf Tuchfühlung und sang den letzten Song von Security und Fans gestützt stehend auf dem Brecher. Walls of Jericho haben wie zu erwarten wieder einmal gezeigt was eine Harke ist.

Auch die nächste Band, Municipal Waste, waren keine Unbekannten. Haben sie doch schon 2017 auf der Persistence Tour gespielt. Die Thrash-Metalheads aus Richmond Virginia gaben sich wie gewohnt unkompliziert und auf sich bezogen nicht allzu ernsthaft. Municipal Waste rotzten ihren 80er Crossover Thrash-Metal Hardcore in die Menge und der gefiel es. Circle Pit war wieder angesagt, Sänger Tony blieb teilweise die Stimme weg oder war bei den Ansagen kurz vor dem Abkratzen. Partys auf Tour haben eben auch Nachwirkungen. Nichtsdestotrotz lieferten Municipal Waste eine spritzige und lustige Show ab und konnten ihre Fans begeistern.

21.1.2019 München Backstage, EMP Persistence Tour 2019

Im vorletzten Slot gab es mit Ignite aus Orange County auch wieder bekannte Gesichter zu sehen und zu hören. Meiner Meinung hätte man auch darauf verzichten können. Stilistisch passte der Melodic Hardcore-Punkrock für mich nicht ins aktuelle Bild. Abgesehen davon, dass die Performance ziemlich mies war. Der Sound war bis zum sechsen Song viel zu basslastig schepperte und dröhnte aus den Boxen. Zoli Teglas Stimme kam dagegen nicht wirklich an. Das zeigte sich auch an der Stimmung im Publikum. Ab “Better Days” und “Bleeding” stieg mit dem besseren Sound auch die Stimmung wieder. Diesmal waren Ignite auch komplett am Start, also mit zwei Gitarristen. Das machte es für mich nicht viel besser. Zoli Teglas war ziemlich statisch und seine sichtlich gute Laune übertrug sich nicht sehr auf das Publikum. Viele entschieden sich dann doch eher dazu, in Ruhe stehend ein Bier zu trinken und sich die Kraft für den letzten Akt zu sparen.

Kurz vor elf war es dann so weit. Endlich kamen mit Sick Of It All die Altmeister des New York Hardcore auf die Bühne. 2014 waren sie zuletzt Headliner der Persistence Tour gewesen. Im Jahr 2016 feierten die Jungs aus New York ihr dreißigstes Bandjubiläum mit einer zweiteiligen Tour durch Europa. Jetzt, 2019 waren sie also wieder mit dabei. Mit im Gepäck auch ihre aktuelles Album “Wake the Sleeping Dragon!”. Wie zu erwarten jagten Sick Of It All durch ihre komplette Hitliste und schlossen damit auch etliche Songs vom aktuellen Album mit ein die damit erfolgreich auf Livetauglichkeit getestet wurden. Von “Death or Jail” über “That Crazy White Boy Shit” bis zu der Sing-Along fähigen “Bull’s Anthem” wurde ein fettes Brett gebohrt. Die Stimmung kochte dabei schon in den ersten Sekunden des Auftrittes über. Sick of It All ließen es sich auch nicht nehmen noch Applaus für jede einzelne Band im Lineup einzufordern. Und natürlich gab es im Laufe des Abends die Klassiker “Scratch the Surface” und “Step Down” zu hören. Zum Abschluss ging Lou noch zum Crowdsurfing auf ein Bad in die Menge. Ein weiterer grandioser Auftritt von Sick Of It All.

Die Persistence Tour 2019 hat alle Register gezogen und mit einem fetten Lineup eine dicke Partyspur durch Deutschland gezogen. Der einzige Wermutstropfen war für mich wieder einmal das Lineup von sieben Bands. Bei vier bis fünf Bands hätte jede Band mehr Zeit für ihre Songs und könnte sich ein Stück mehr feiern lassen. Aber das ist vielleicht auch Geschmacksache. Auf jeden Fall bin ich gespannt auf die nächste Ausgabe der Persistence Tour 2020.

(Text+Bilder: Björn Engelke)

Comments are closed.

error: Content is protected !!