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Metaldays 2015: Idylle in Schwermetall – Pt.2: Die Bands

Eines der schönsten Metalfestivals, die Metaldays in Tolmin/Slowenien, sind schon wieder Geschichte. Idyllisch in einem Tal zwischen zwei Bergflüssen gelegen, sind die Metaldays ein Event, welches keine Wünsche offen ließ. Fünf Tage voller Sonne, Strand, Schweiß und auf zwei Bühnen Metal aller Art. Hier kam jeder voll auf seine Kosten, der Liebhaber von Psychedelic oder Prog Rock genauso wie der Thrash Fan oder die tiefschwarze Black/Death Metal Seele.

Devin Townsend punktet wie immer! (Foto: Sandra Baumgartl)

Devin Townsend punktet wie immer! (Foto: Sandra Baumgartl)

Der erste Tag überzeugte mit einer Mischung aus Stonerrock und Sludge Metal, welchen uns Slomind und Krokodil aus dem UK sehr überzeugend präsentierten. Anvil thrashten durch ihr Set und begeisterten mit ihrer Spielfreude. Der erste Höhepunkt des Tages war allerdings der Auftritt von Devin Townsend. Optisch und musikalisch ein Leckerbissen verstand es der exzentrische Townsend seine Fans von der ersten bis zur letzten Minute mitzureißen. Queensryche präsentierten sich anschließend in einer unglaublichen Form und wurden von den Fans frenetisch abgefeiert. Mit vielen Klassikern im Gepäck führten sie uns durch ihr Set, welches wunschlos glückliche Fans in die laue Nacht entließ. Wer noch nicht genug hatte, der schlenderte zur Second Stage, um sich eine gehörige Portion Black Metal durch die Lauscher blasen zu lassen oder relaxte einfach mit einem Cocktail in der Hand am Strand der Soca.

Zakk Wylde von Black Label Society (Foto: Sandra Baumgartl)

Zakk Wylde von Black Label Society (Foto: Sandra Baumgartl)

Der zweite Tag hatte gleich mehrere Highlights zu bieten. Die Blues Pills nahmen uns mit auf eine Reise in die Siebziger mit ihrem Blues Rock. Frontfrau und Sängerin Elin ist nicht nur der Blickfang der Band, sondern auch stimmgewaltig und offenbart dem Hörer in ihren Songs Herz und Seele. Black Label Society, die Band um den vollbärtigen, wilden Gesellen Zakk Wylde bewiesen wieder einmal mehr, dass sie live fast unschlagbar sind. Die Truppe fackelte eine geniale Show ab und pflügte D-Zug-gleich durch ihr Set. Eine Verschnaufpause gab es bei den Balladen unter anderem mit „In this River“, eine Hommage an den unvergessenen Dimebag Darrell. Einzig Zakks Gitarrensolo fiel mit mehr als zehn Minuten zu lang aus. Dream Theater lieferten eine perfekte Show, der Gesang von La Brie war astrein, doch vermisste man die Harmonie der Bandmitglieder untereinander. Auch fielen die einzelnen Songs einfach zu lang aus, um wirklich zu zünden. Eine gute Leistung, der aber einfach das gewisse Etwas fehlte. Die „Recken“ von Saxon bewiesen aber wieder einmal eindrucksvoll, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Eine Setlist, welche keine Wünsche offen ließ, und auch der Sound donnerte brachial aus den Boxen! Was die Herren in Sachen Ausdauer und Bühnenpräsenz zu bieten hatten, war einfach unbeschreiblich. Biff & Co. kann man mit einem guten Wein vergleichen, je älter desto besser. Die Todesmetaller von Cannibal Corpse hörten wir nur aus der Ferne und doch hat dies wohl den nachhaltigsten Eindruck bei uns hinterlassen.

Von wegen Rockopas: Accept (Foto: Sandra Baumgartl)

Von wegen Rockopas: Accept (Foto: Sandra Baumgartl)

Der dritte Tag stand im Zeichen des Thrash Metal. Death Angel, die heimlichen Headliner des Abends, zerlegten die Bühne und knallten uns rassiermesserscharfe Riffs um die Ohren. Die Bay Area Thrasher strotzten nur so vor Energie, dass es eine wahre Freude war, das Zusammenspiel der Herren auf der Bühne zu beobachten. Es war ein fettes Brett, welches Death Angel vorlegten, aber die brasilianische Thrash Legende Sepultura konnte diesen Auftritt noch toppen. Die Band um Mastermind und Gitarrengott Mr. Andreas Kisser war in einer überragenden Form und feuerte Nackenbrecher wie „Arise“, „Inner Self, „Choke“ oder „Territory“ ins Publikum. Sänger Derrick Green und Mr. Kisser hatten zusammen eine Bühnenpräsenz, dass es schon beängstigend war. Bei „Roots Bloody Roots“ drohte der Moshpit zu explodieren. Dies war mit Abstand einer der stärksten Auftritte auf den Metaldays. Accept, die Großväter des Deutschen Heavy Metal zeigten uns eindrucksvoll, dass sie auch ohne Udo eine Bank sind und es live absolut drauf haben. Sympathisch und mit viel Spielfreude agieren die Altmeister auf der Bühne, professionelles Posing inklusive. So macht Metal einfach nur Spaß. Die schwedischen Melodic-Death Götter Arch Enemy klangen nach dem Weggang von Mikro-Urwurzel Angela Gossow zwar nicht mehr ganz so tiefgründig, doch bewiesen die Wikinger mit einem mitreißenden Gig, dass sie in ihrem Metier immer noch zu den Besten gehören.

Der Teufel in blau: Arch Enemy (Foto: Thomas Mendle)

Der Teufel in blau: Arch Enemy (Foto: Thomas Mendle)

Wer am letzten Festivaltag Trübsal blies oder versuchte, sich den Kater aus den Knochen zu schütteln, den holten Kataklysm in gewohnt brachialer Manier mit ihrem Death zurück ins Hier und Jetzt. Der Kontrast hätte nicht größer sein können, als die Folk-Pagan-Metal-Combo Eluveitie die Bühne betrat und selbst die härtesten Gemüter mit ihren mittelalterlichen Einflüssen verzauberte. „The Call of the Mountains“ spielten die Eidgenossen auf Wunsch des Publikums gar in seiner schweizerdeutschen Variante. Mit einer düster-mystischen Show und Black Metal vom Edelsten beschlossen Behemoth für dieses Jahr die Action auf der Hauptbühne.
Wenn jetzt beim Leeren der Koffer feiner Sand auf den Boden rieselt, dann sind Sie wieder allgegenwärtig die speziellen Momente der Metaldays. Mitten in der Nacht im noch warmen Sand am Ufer der Soca liegen, Nebel wabert über den Fluß, die Sterne funkeln am Himmel und durch das weite Tal hallten Cannibal Corpse. Mehr Romantik gibt es für einen Metalhead nicht. Wir können es kaum erwarten, genau diese Augenblicke im nächsten Jahr mit Kreator zu wiederholen.

Part 1 des Metaldays-Specials verpasst? Kein Problem, hier geht’s zur Party und Atmosphäre!

(Sandra Baumgartl & Thomas Mendle)