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Testament

Metal Days 2016: Die Bands Teil I

Die Metal Days liegen schon ein paar Tage zurück und doch ist das Festival immer noch dauerpräsent in unseren Gedanken. Ein Foto in Facebook, ein Song und schon werden wir zurückkatapultiert in eine chillige Woche voller Sommerfeeling mit Sonne, Strand, Bier und Cocktails und dazu eine gehörige Portion Metal. Doch Einem war dies wohl zuviel des Guten – dem „Wetter-Satan“, denn dieser entsandte seine Jünger in Form von täglich heftigen Regenmengen, teilweise gepaart mit Blitz und Donner über Tolmin, um der Idylle doch noch ein bisschen mehr „Trueness“ zu verleihen.

Der erste Tag, Montag 25.07.2016 startete furios mit Hackneyed, Fleshgod Apocalypse und Sacred Reich, während die Black Metaller von Dark Funeral, Jess Cox und die Altmeister von Testament den Tag brachial ausklingen ließen und die Vorfreude auf die nächsten Tage steigerten. Spätestens bei Sacred Reich dürfte jedem Fan klar geworden sein, dass die Metal Days nicht nur Idylle und Urlaub bedeuten sondern auch Headbangen bis zum Abwinken, schweißtreibende Circle Pits und Gröhlen bis zum Stimmverlust. Einen Stimmverlust der anderern Art hatte Frontröhe Phil Rind von Sacred Reich zu verzeichnen. Phil vergaß bei “Who’s to blame” komplett seinen Text, wie schon auf dem Bang Your Head Festival, doch trotz dieses Patzers spielten die Amis einen fetten Gig.

Dark Funeral

Dark Funeral

Dark Funeral lieferten eine gewohnt professionelle Show und begeisterten die schwarzen Seelen, welche die Schweden frenetisch abfeierten. Kaum eine Band versteht es besser ihre Aggressionen in „melodischen“ Black Metal zu verpacken als Dark Funeral.

Auf der Second Stage ließen nach dieser Abrissbirne Jess Cox (Tygers Of Pan Tang) aufhorchen. Ihre Mischung aus Heavy Metal und Punk Rock versetzte die unterschiedlichsten Körperteile in heftige Zuckungen und schaukelte die Partylaune der Fans weiter auf. Es wurde gebangt, gemosht, gehüpft, gesoffen und nach dem Auftritt war jeder „heiß“ auf den Headliner des Abends, Testament.

Testament

Testament

Die Bay Area Thrasher prägen die Szene seit Anfang der 80er Jahre und Alben wie „The Legacy“, „Practice What You Preach“ oder „The Ritual“ sollten bei keinem Thrash Fan im Regal fehlen. Frontsau Chuck Billy bringt zwar einiges mehr an Kilo als vor drei Jahrzehnten auf die Waage, doch dafür knallt seine Röhre heute mehr wie damals aus den Boxen. Flitzefinger und „Ladys-Darling“ Alex Skolnick zauberte geniale Riffs und Soli zum Niederknien aus dem Ärmel und Songs wie „Rise up“, „Dark Roots Of Earth“, „Native Blood“ oder „Alone in the Dark“ ließen die Fans steil gehen. Crowdsurfer und Moshpits gab es am laufenden Band und die Band hatte sichtlich Spaß an dem wilden Treiben vor der Bühne. Nach diesem fetten Brett pilgerten die Metaller Richtung Strandbar und ließen den Abend gemütlich ausklingen oder wer noch nicht genug hatte, der gab sich die letzte Dröhnung mit Monolithe auf der Second Stage.

Der Dienstag, 26.07.2016 wiegte die schwarze Gesellschaft in trügerischer Sommerlaune und startete mit strahlendem Sonnenschein. Doch unser Wetter-Satan hatte andere Pläne und zeigte dem Schön-Wetter-Gott was ‘ne ordentliche Harke ist. Eine Mischung aus Sturm und heftigem Regen machten Gloryhammer den Garaus, Satan grinste diabolisch und überflutete die Bühne. Nachdem unser „Schlechtwetter-Kumpel“ seinen Spaß hatte, erschien sein Gegenspieler wieder im Rampenlicht und bescherte uns einen metallischen Abend ganz nach unserem Geschmack. Sonne, Strand, Bier inklusive und Bands, welche uns den Abend versüßten, z.B. die Finnen von Insomnium.

Insomnium

Insomnium

Melodic Death Metal und Typen zum „Anbeißen“ sind das Erfolgsrezept aus dem hohen Norden. Doch das Quartett punktete nicht nur mit seiner Optik sondern hatte auch musikalisch einiges zu bieten. Verspielte Gitarrenläufe, harte Songs mit tiefen Growls und Klargesang und dazwischen einen Hauch von Melancholie. Nicht nur die Östrogen-geschwängerte Fraktion brachte bei diesem Auftritt ihre Begeisterung zum Ausdruck. Denn auch die Testosteron-Anhänger sollte an diesem Tag noch ihren Spaß haben und zwar gleich im Anschluss mit Arkona. Die russischen Folk-Pagan-Metaller wurden anfangs kritisch von den Fans beäugt, doch Frontfrau Maria „Mascha“ zog die Meute Ruck-zuck in Ihren Bann. Die herbe Schönheit röhrte sich durch ihr Set und hinterließ teilweise offene Kinnladen. Unglaublich was aus einer doch relativ zarten und spröden Amazone für Töne kommen können. Schwermütige, russische Weisen sind Inspiration für ihre Songs und werden doch druckvoll und unkonventionell umgesetzt. Flötenklänge bringen noch eine besondere Note in den Sound der Band. Das Publikum feierte die Russen begeistert ab und rief nach „Zugaben“. Sichtlich überwältigt von so viel Zuspruch verließen Arkona die Bühne.

Die Black Metaller pilgerten mittlerweile zur Second Stage, denn dort machten Melechesh ihre Aufwartung. Die Israelis hatten die Headbanger vom ersten Ton im Griff und die Stimmung war einfach grandios. Die vermummten “Nomadic Souls” unterstrichen den optischen Auftritt noch und auch musikalisch trafen Melechesh mit ihren treibenden Black Metal Grooves den Nerv der Fans und die orientalischen Interludes gaben der Performance noch eine besondere Note.

Marduk

Marduk

Wer jetzt noch die Power für den ultimativen Abriss hatte, der tingelte wieder zur Main Stage, denn dort wartete die finale Zerstörung in Form von Marduk auf die hungrige Meute. Viel Nebel und wenig Licht hüllten die Bühne in eine gespenstische Atmosphäre und Marduk riefen zur allgemeinen Vernichtung an diesem Abend auf. Mortuus growlte und röhrte sich die Seele aus dem Leib, Gitarre und Bass schredderten als gäbe es kein Morgen und die Fans legten das Festival mit Moshpits und Circle Pits in Schutt und Asche. Marduk hinterließen nichts als verbrannte Erde und die schwarzen, überlebenden Seelen taumelten anschließend ausgebrannt, durstig und glücksseelig ‘gen Soča und Cockailbar.

Tag Nummer zwei war somit Geschichte doch die Frage nach einer Steigerung blieb offen.

Wollt ihr wissen wer in den nächsten Tagen den Abriss noch toppen konnte? Waren es Kreator, Devildriver oder doch vielleicht Exodus? Dann seid gespannt.

Hier geht’s direkt zu Tag Nr. 3

Bilder vom ersten und zweiten Tag findet ihr natürlich in unserer Galerie.

(Fotos+Text: Sandra Baumgartl)