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Adam Zaars in Bad Oeynhausen

Melechesh + Keep Of Kalessin + Tribulation in Bad Oeynhausen

Ein mächtig internationales Monsterpaket walzt momentan über die deutschen Straßen und stoppt am 8. Mai auch in der kleinen aber feinen Druckerei von Bad Oeynhausen. Mit der Entspanntheit eines Straßenfests zelebriert hier eine handvoll Fans mit gutem Musikgeschmack ihren Freitag Abend und pendelt immer wieder zwischen der Bar und der Raucherterrasse, bevor EMBRYO pünktlich um 18h30 ihre Saiten wetzen.

Die bisher noch unbekannteren EMBRYO aus Italien feuern den Set-Ofen an

Die bisher noch unbekannteren EMBRYO aus Italien feuern den Set-Ofen an

Noch sind die Italiener, die bereits 15 Jahre Bandgeschichte und zahlreiche Line Up-Wechsel auf dem Buckel haben kein großer Begriff für die meisten Besucher, trotzdem sammelt sich zaghaft eine Menschentraube um die kleine Bühne. Die Euphorie hält sich zwar noch in Grenzen, die Schuld der Band ist das allerdings nicht, denn die fünf Death Schurken aus dem warmen Süden müssen sich nicht hinter ihren etablierten Tourgenossen verstecken. Mit fiesem Sound und messerscharfen Growls fegen sie durch ihr kurzes Set und servieren Tracks von ihrem im Februar veröffentlichten Longplayer „Embryo“, auf dem noch Fleshgod Apocalypses Francesco Paoli die Drums verdrosch.

TRIBULATION verbiegen Zeit, Raum und Genregrenzen

TRIBULATION verbiegen Zeit, Raum und Genregrenzen

Doch erst bei den zurecht in den Medien gefeierten TRIBULATION trauen die Bad Oeynhausener Fans sich langsam ein Stück näher an die Bühne heran. Die vier Schweden müffeln die Halle sofort mit Räucherstäbchen ein und erzeugen den psychedelischen Flair einer Opiumhöhle, bevor sie ihre Show mit ‘Strange Gateways Beckoning’ eröffnen. Sofort sitzt alles, wie es soll. Obwohl die junge Band sich eine wahnwitzige Mischung aus Death, Black Metal, Horrorpunk und 60er Jahre Hippiekult zusammenrührt und mit vielen Klischees spielt, gelingt es ihnen dennoch, durch ihre Leidenschaft auf der Bühne niemals in langweilige Déjà-Vues zu verfallen. Besonders die Gitarristen Adam Zaars und Jonathan Hultén sind dermaßen in ihrem Element, dass die Zuschauer gar nicht mehr groß darüber nachdenken wollen, ob sie hier eine härtere Version von Ghost auf der Bühne sehen oder nicht – nö, TRIBULATION setzen die Puzzleteile ihrer Einflüsse so geschickt zusammen, dass ihre Show wie ein Drogentrip in die düstersten Backstagepartys von Black Sabbath wirkt. Und dass die Band sich dementsprechend wortkarg gibt, verleiht der Geschichte einen zusätzlich mysteriösen Touch. Besonders die Songs ihrer neuesten Scheibe „Children Of The Night“ punkten durch genial bizarre und doch eingängige Gitarrensoli. Das schreit nach einem Headlinerslot. Und ein paar Menschenopfern.

Musikalisch einwandfrei, aber ohne jegliche Ausstrahlung: Obsidian Claw von KEEP OF KALESSIN

Musikalisch einwandfrei, aber ohne jegliche Ausstrahlung: Obsidian Claw von KEEP OF KALESSIN

Einst wäre es für eine Band wie KEEP OF KALESSIN nicht schwierig gewesen, auf dem vorgelegten Niveau mitzuziehen. Zwar wurde ihr erstes Album nach dem Rauswurf von Sänger Thebon von den Kritikern bejubelt, doch seitdem der vakante Fronterslot von Gitarrist Obsidian Claw übernommen wurde, fehlt etwas auf der Bühne. Auch wenn der Norweger ein fantastischer Songwriter ist, in die Schuhe der Charismabombe Thebon kann er gesanglich nicht treten und somit fehlt der Band ein gewaltiger Teil ihrer einstigen Bühnenpräsenz. Tracks wie ‘Ascendant’ oder ‘Dragon Iconography’ punkten zwar immer noch durch ihren monstruösen Headbangfaktor und an der Qualität der Songs darf man wahrlich nicht herummeckern – so frisch und passioniert wie früher ist die Show aber bei weitem nicht.

 

Black Metal aus Jerusalem? Bei MELECHESH ist nichts unmöglich

Black Metal aus Jerusalem? Bei MELECHESH ist nichts unmöglich

MELECHESH kann man mangelnde Leidenschaft hingegen keinesfalls vorwerfen. Die finsteren Herren aus Jerusalem treten zum Teil verschleiert auf die Bühne, um ihren orientalischen Black Metal dem deutschen Publikum schmackhaft zu machen – und das klappt bereits ab der ersten Sekunde. Die kleine Halle ist gut gefüllt und mit Bier in der Hand headbangen die Fans vor der niedrigen Bühne ab. Frontmann Ashmedi ist zwar auch kein Freund großer Reden, doch mit amüsanten Gesten wie das Schauen auf die Uhr, als der Drummer einfach nicht loslegen will, sichert er sich immer wieder die Sympathie des Publikums. Nebelmaschinen und der beißende Geruch von Räucherstäbchen verwandet die Halle in eine nahöstliche Szenerie, ferne Götter werden beschworen und kurz darauf wieder zum Teufel geschickt. Ihre letzte Scheibe “Enki” erntete großen Applaus und ebenso glaubwürdig präsentieren die Herren ihre Songs live.
Bereits um 23 Uhr beenden MELECHESH ihr Set, doch alle vier Acts des Abends waren zu grandios, um Gemecker beim Publikum zu hinterlassen. Wer – Asche auf euer Haupt! – diese Tourkombo verpasst hat, sollte sich zwar ein klein wenig schämen, kann hier jedoch die Fotos beäugen und schamlos behaupten, er sei tatsächlich dagewesen.

(Anne Catherine Swallow)