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MAX & IGOR CAVALERA: Return to Roots?

Max & Igor Cavalera – Return To Roots Tour 2016
Montag, 28.11.2016 München, Backstage Werk
Support: Tenside

Der Montag, 28.11.2016 war bitterkalt und doch zog es viele Headbanger in das Backstage Werk „Back To The Roots“. Die Cavalera Brüder und Sepultura Gründer Max und Igor luden zu einer zünftigen Metalsause ein, um das komplette „Roots“ Album zu zelebrieren.

Tenside (1 von 1)-10Doch bevor die Cavalera Brüder in Erscheinung traten, brachten die Lokalmatadore von Tenside das Backstage auf Betriebstemperatur. Allerdings ließen die ersten Reaktionen auf sich warten, denn das Münchner Publikum ließ sich nicht so schnell aus der Reserve locken. Doch Tenside konnten mit ihrem groovigen Metal noch einige Schädelschwinger aus ihrer Froststarre erwecken. Nebenbei erwähnte Frontgrunzer Daniel Kuhlemann, dass am 13.01.2017 das neue Album von Tenside erscheinen wird. Eine fette Release-Party wird es auch geben und zwar an gleicher Stelle, allerdings in der kleineren Backstage Halle. Wer an diesem Tag noch keine Pläne hat, der sollte sich die talentierten Jungs auf jeden Fall zu Gemüte führen. (Mehr Fotos von Tenside gibt es hier)

Das Werk war gut gefüllt und doch war der linke obere Teil mit schwarzen Vorhängen verhüllt, um den Schuppen voller erscheinen zu lassen. Richtig viel los war am Merchandise Stand. Dieser war ständig von unzähligen Fans belagert und Tourshirts für EUR 30,- fanden reisenden Absatz. Für schlappe 75,- Euronen konnte sich der geneigte Cavalera Anhänger auch ein Meet & Greet erkaufen. Wo sind nur die guten alten Zeiten geblieben, als man noch stundenlang in der Kälte auf sein Idol wartete und dieses sich dann Zeit für seine Fans nahm, ohne Kohle dafür zu kassieren?

Auf der Bühne wurde jetzt noch einmal kurz gewerkelt, ein Mikroständer mit Patronengurt wurde zum Blickfang Cavalera (1 von 1)-27bevor Igor als erster hinter seinen Drums erschien. Der Jubel war groß, als Max aus dem Nebel trat und die ersten Töne von „Roots Bloody Roots“ erklangen. Der überwiegende Teil der Besucher im Backstage waren old school Metalheads. Mit ihren Helden gealtert, fassten Sie die Gelegenheit beim Schopf um an diesem Abend im Nostalgierausch ihrer Jugend zu schwelgen. Der Sound dröhnte brachial aus den Boxen, was man allerdings von Max‘ Stimme nicht behaupten konnte. Denkt man an die glorreichen Sepultura Zeiten Ende der 80er bis Mitte der 90er, so ist doch leider von dem charismatischen Brasilianer nicht mehr viel übrig geblieben. Max forderte immer wieder zu Circle Pits auf und einige jüngere Besucher folgten seinem Ruf. Auch Crowdsurfer waren am Montag eher die Ausnahme. Dies mag vielleicht dem höheren Altersdurchschnitt der Fans geschuldet gewesen sein. Nichtsdestotrotz kam jetzt einiges an Bewegung in den Schuppen und spätestens bei „Ratamahatta“ stand niemand mehr still und man sah im Werk die langen Matten oder das was davon übrig war, fliegen. Die Stimmung in der Halle war aufgeheizt, doch angesichts der Thrash Legenden welche auf der Bühne standen hätte man einen kompletten Abriss erwartet. Fehlanzeige, das vielgerühmte brasilianische Temperament blieb zum Großteil auf der Bühne  auf der Strecke auch wenn die beiden Mitstreiter von Max und Igor eine Cavalera (1 von 1)-8anständige Vorstellung boten. Das „Roots“ Album bietet fette Brecher wie z.B. „Dusted“, „Cut Throat“ oder „Attitude“ und man sollte meinen, damit könnte man jede Halle in Schutt und Asche legen. Doch von der erwarteten Zerstörung war an diesem Abend das Backstage Werk weit entfernt. Es war ein guter Auftritt zweier Ausnahmemusiker, nicht mehr und nicht weniger. Als Zugabe wurden noch Hits von Motörhead und Black Sabbath in die Halle gefeuert, bevor als Rausschmeisser noch einmal „Roots Bloody Roots“ durch’s Werk hallte.

Für die treuen Cavalera Anhänger und Sepultura Boykottierer war der Abend mit Sicherheit ein Highlight. Für Sepultura Fans der Kisser-Green- Ära war das Konzert eine herbe Enttäuschung. Vermisste man doch schmerzlich die unbändige Energie von Andreas Kisser, Derrick Green, Paulo jr. und vor allem Eloy Casagrande auf der Bühne, welche sich in ausufernden Circle- und Moshpits entlädt. Max sollte die Vergangenheit ruhen lassen und sich auf seine Projekte Soulfly und Cavalera Conspiracy konzentrieren. Die Ära Sepultura wurde 1997 von Mastermind Andreas Kisser zusammen mit Derrick Green am Mikro neu eingeläutet und ist nach mittlerweile fast zwei Jahrzehnten erfolgreicher denn je. Wer weiter an der Vergangenheit hängt, wird mit Soulfly und Cavalera Conspiracy bestens bedient. (Zu den Fotos geht’s hier lang)

(Text+Fotos: Sandra Baumgartl)