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Limp Bizkit und Anthrax in Hamburg – Krieg der Welten?

Limp Bizkit UND Anthrax am selben Abend, auf der selben Bühne? Die Ankündigung dieses Clashs zwischen Nu Metal und Old School Thrash hatte so einigen Fans schweißtreibende Panikattacken verpasst. Zugegeben, die Kombination ist gewagt, doch bei Metallica und Slipknot war die Fangemeinde auch zuerst auf die Barrikaden gegangen, während die Tour mittlerweile als unvergesslich angesehen wird. Nu Metal bleibt bis heute kritisch beäugt, ist aus der Szene aber längst nicht mehr weg zu denken, genauso wenig wie die Rap-Metaller von Limp Bizkit, die um die Jahrtausendwende ihre Highlights feierte, nun nach einigem Chaos im Line-Up aber wieder volles Brett dabei sind.

Wird nicht älter, nur besser: Scott Ian von Anthrax (Foto: Sound Infection)

Wird nicht älter, nur besser: Scott Ian von Anthrax (Foto: Sound Infection)

Pünktlich um 19 Uhr und bei hellem Tageslicht wurde also der Milzbranderreger ausgepackt. Obwohl Anthraxs Joey Belladonna von den meisten im Publikum der Vater sein könnte, preschte er mit guter Laune voraus und zeigte, dass Thrash alles andere als Opa-Metal ist, auch wenn der legendäre Strubbelbart von Gitarrist Ian Scott schon mächtig graue Haare aufweist – völlig egal, die Amerikaner und Mitglieder der Big 4 machten ihrem Legendenstatus alle Ehre und zeigten mit „I Am The Law“, dass sie sich den auch niemals streitig machen lassen. Die Setlist legte einen eindeutigen Fokus auf die melodischeren Tracks und besonders mit Coverversionen konnte die Band das Limp Bizkit-Publikum für sich erwärmen, sodass mit dem Trust-Klassiker „Antisocial“ zum Ende hin noch einmal anständig die Eichhörnchen von den Bäumen geschüttelt wurden. Eine große Bildergalerie von der Show gibt es übrigens hier für eure Riecher.

Abgesehen von gefühlten fünftausend kleinen Fred-Durst-Klonen, fiel das Publikum äußert unauffällig aus und zwischen den Knien baumelnde Baggys waren deutlich öfter vertreten, als lange Metalmähnen. Das sollte die Masse jedoch nicht davon abhalten, viele kleine Moshpits zu starten, die Security mit Crowdsurfern zu überfordern oder feierlich auf diversen Absperrungen herumzutänzeln.

An dieser Stelle muss ich ehrlich gestehen, dass ich Vorurteile gegenüber Limp Bizkit hatte und meine Erwartungen dementsprechend niedrig gesetzt waren, doch was Fred Durst und seine Crew ablieferten, konnte sich absolut sehen lassen. Das Publikum tobte, als der – mittlerweile vollbärtige – Frontmann loslegte, Bassist Sam Rivers bewies, dass er als Einziger grün-geringelte Kniestrümpfe tragen kann, ohne sich zum Idioten zu machen und Wes Borland… nun ja, der tat, was er am Besten kann, nämlich auffallen. Und zwar mit einem schwarzen Ganzkörper-Lederkostüm. Angesichts des Tröpfelregens vermutlich auch nicht die schlechteste Idee.

Keine rote Kappe, Vollbart - Fred Durst ist kaum wiederzuerkennen (Foto: Paris Visone)

Keine rote Kappe, Vollbart – Fred Durst ist kaum wiederzuerkennen – Wes Borland dafür umso mehr (Foto: Paris Visone)

Zu „Hot Dog“ wurde es ganz exklusiv, als die Band begann, sich Fans aus dem Publikum zu holen, die ihren Song zusammen performen sollten, ganz aus dem Stegreif vor der großen Menschenmasse und den kritischen Augen der Fred-Crew. Was wie ein fast unmögliches Experiment klang, gelang jedoch erstaunlich gut und besonders der brandneue, junge „Frontmann“ schien am Mikro absolut in seinem Element zu sein. Nach dem ersten Refrain kam er leider etwas aus dem Konzept, was ihn sichtlich frustrierte und einige andere Fans zum Herumklugscheißen animierte, aber unter den spontanen Umständen kann man nur sagen: Respekt! Das soll ihm erst einmal jemand nachmachen!

Doch kurz darauf hieß es wieder „Wünsch dir was!“, denn als Fred Durst, der sich nicht nur durch seine Kappe als Anthrax-Fan outete, erwähnte, dass nichts auf der Welt ihn glücklicher machen würde, als nun einen Song mit Scott Ian und Co. zu spielen, waren diese auch sofort zur Stelle und gaben ein erinnerungswürdiges „Bring The Noise“ zum Besten. Geil? Geil!

In der Menge gab es derweilen kaum mehr Klamotten und Haare, die nicht von den herumfliegenden Bierbechern eingeweicht waren, aber zu den Klassikern „My Way“ oder „Take A Look Around“ herrschte weiter ausgelassenes Herumgehopse, kurze Hip Hop-Samples zwischen jedem Song entlockten selbst den Metalfans ein kleines Arschwackeln und spätestens zu dem George Michael Cover „Faith“ hatten die letzten ihre Vorurteile gegen Limp Bizkit abgeworfen – denn ob man die Musik nun mochte oder nicht, die Band wusste ganz genau, wie man hitzige Stimmung im Regen verbreitete. Hat Spaß gemacht, doch. Oh Gott, habe ich das tatsächlich gerade zugegeben? Ich…äh… muss weg.

(Anne Catherine Swallow)