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Konzertbericht: SUICIDAL TENDENCIES, München 5.11.2018

Erst im März dieses Jahres hatten SUICIDAL TENDENCIES ihre EP “GET YOUR FIGHT ON!” veröffentlicht, die neben einigen neuen Tracks auch Cover-Versionen und diverse Instrumentals beinhaltete. Das dreizehnte Studioalbum “Still Cyco Punk After All These Years” ließ daraufhin auch nicht lange auf sich warten. Ebenso war damit auch die gleichnamige Tour für 2018 ausgerufen. Am Montag den 5.11. war es dann soweit, die fünf Kalifornier um Cyco Mike Muir gaben sich im Münchner Backstage die Ehre.

Fast schon überpünktlich um zehn vor acht waren die Jungs von Bale aufgerufen, den Abend zu eröffnen. Sie hatten leider zu kämpfen, da das Werk – gelinde gesagt – spärlich gefüllt war. Der Versuch, gute Stimmung unter das Volk zu bringen, verpuffte damit leider im leeren Raum. Vom Sound her war es dann doch eher zu gewöhnlich und Bale konnte keine wirklich eigenen musikalischen Akzente setzen. Außer den Leuten, die sich die erste Reihe reservieren wollten, entschieden sich die meisten der wenigen Anwesenden dann doch dazu sich lieber noch ein Bier zu kaufen. Nach nicht einmal einer halben Stunde war der Spuk dann vorbei. Für Bale tat es mir fast schon ein wenig leid, dass sie so wenig Beachtung fanden. Die erste Band auf einem Gig an einem Montag zu sein, ist einfach kein Picknick.

Gleich darauf stiegen The Idiots in den Ring. Musikalisch und thematisch irgendwo zwischen Knorkator und den Kassierern angesiedelt, versuchten die Jungs aus Dortmund sich ebenfalls daran, die Stimmung zu heben. Das Backstage war zu diesem Zeitpunkt leidlich gefüllt, wobei sich auch hier die meisten daran machten, sich für SUICIDAL auf Betriebstemperatur zu bringen. Musikalisch kamen The Idiots nicht allzu gut. Die etwas verrückte Show versuchte zu kaschieren, was die Texte und der Sound nicht hergaben. Sänger Hannes ging zwar viel auf Tuchfühlung mit dem Volk, indem er mehrmals auf dem Brecher rumturnte oder singend durchs Publikum rannte. Begeisterungsstürme erzeugten The Idiots jedoch nicht wirklich. Bestechungsversuche mit gepökeltem Bauchspeck oder Geflügelfleischwurst halfen dabei auch nicht so recht. Nach einer knappen halbe Stunde war auch für The Idiots Schicht im Schacht.

Die Stunde Wartezeit, die darauf folgte, war mir ein Rätsel und völlig überzogen. Der Changeover war um kurz nach 21 Uhr durch. Laut Facebook war die Stagetime auf 21:40 festgelegt worden, wie schon bei den Konzerten davor. SUICIDAL TENDENCIES kamen dann aber erst um 22:00 auf die Bühne. Bei aller Begeisterung für eine tolle Band finde ich, dass man dann die Vorbands hätte länger spielen lassen sollen. Die doch recht lange Wartezeit wäre einem dann nicht so lange und öde vorgekommen, trotz guter Musik von Body Count und Ice-T vom Soundboard.

Was dann endlich folgte, war wieder ein SUICIDAL TENDENCIES Konzert par excellence. Mit ihrem Gassenhauer “You Can’t Bring Me Down” eröffneten SUICIDAL TENDENCIES den Tanz. Trotz der kurz vorher herrschenden eher nüchternen Stimmung kam sofort Wallung in das volle Backstage Werk. Der Circle-Pit musste nicht extra angefordert werden, es ging ohne Vorspiel gleich zur Sache. Politisch ging es weiter mit “Two Sided Politics” und “I Shot Reagan”. Mit “F.U.B.A.R.” kam dann ein nagelneuer Song vom aktuellen Album, der wie zu erwarten sehr gut ankam. Eigentlich ist ja fast schon wurscht, was die Jungs an Songs rauslassen. Sound und Bühnenpräsenz der fünf Kalifornier spielen in einer anderen Liga. SUICIDAL TENDENCIES sind einfach eine großartige Band, die mit ihrem Crossover-Trash politisch sehr wohl anprangern, aber das ohne allzu düster zu sein. Positive Kritik eben, die kann man sich ruhig mal geben und man kann einfach gut Dampf dabei ablassen. Diese Gelegenheit wurde an jenem Montagabend ausgiebig genutzt. SUICIDAL TENDENCIES spielten gute anderthalb Stunden und sorgten für die meisten der Anwesenden sicherlich für einen guten Start in die Woche. Was kann man Besseres von einem Montag erwarten?

(Text + Bilder: Björn Engelke)

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