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Konzertbericht Moonspell + Cradle of Filth, Mannheim 24.02.2018

Es war schon ein besonderes Lineup, welches den Konzertbesucher an diesem Abend, den 24.02.2018 in Mannheim, erwartete. Moonspell hatte die Rolle des Openers, aber um es gleich vorwegzunehmen: Für mich waren sie eher Co-Headliner, Vorband würde Ihnen nicht gerecht.

Los ging es mit “Em Nome Do Medo” vom aktuellen “1755”-Album und Sänger Fernando Riberio betrat mit Hut, Ledermantel, Laterne und viel Rauch die Bühne. Da fühlte “Mann” sich etwas an die guten alten “Fields of the Nephilim” erinnert. Weiter ging es mit dem Titelstück “1755”, bei dem Sänger Fernando mit Pestmaske auf die Bühne kam und thematisch auf das schwere Erdbeben einging, welches sich am 1. November 1755 in der portugiesischen Hauptstadt ereignet und zwischen 30.000 und 100.000 Todesopfer gefordert hatte.

Auf dem neuen Album halten des Öfteren orchestrale Parts und orientalische Melodien gepaart mit der portugiesischen Muttersprache Einzug, was authentisch wirkt und nicht aufgesetzt. Mit “Desastre” gab man noch ein Lied vom neuen Album zum Besten, gefolgt von einem meiner absoluten Favoriten “Opium”, mit dem ich eigentlich erst als Zugabe gerechnet hatte. Beim Lied “Todos os Satanas” streifte der Sänger mit einem Kruzifix, aus dem zwei rote Laserstrahlen durch den Nebel leuchteten, über die Bühne.

Als das Publikum nach der ersten Verabschiedung lautstark mehr forderte, gab es Probleme mit der Technik und so dauerte es gute zehn Minuten, bevor das Konzert fortgesetzt werden konnte. Bei den Zugaben fanden sich “Alma Mater” vom “Wolfheart”-Album, bei dem das Publikum lautstark mitsang, und bei “Full Moon Madness” vom “Irreligious”-Album wurde Wolfsgehäul angestimmt. Ein würdiger Abschluss für einen tollen Auftritt.

Das Publikum war also gut warmgelaufen, als Cradle of Filth die Bühne im Sturm enterten. Nach dem Intro “Ave Satani” betrat Frontmann Dani Filth in gewohnter Rüstung und mit schwarzem Umhang verhüllt die Bühne. Mit “Gilded Cunt” vom “Nymphetamine”-Album ging es gleich in die Vollen. Das Tempo wurde gegenüber Moonspell merklich angezogen.

Als zweiter Song fand sich “Beneath the Howling Stars” vom “Cruelty and the Beast”-Album auf der Setlist. Dani raste indessen wie ein wildgewordener Psychopath auf Extasy über die Bühne und strotzte nur so vor Energie. Es wurde in allen Stimmlagen gesungen und geschrien, dass es einen wundert, wie die Stimme so etwas eineinhalb Stunden durchhalten kann. Der absolute Wahnsinn!

Erst nach “Blackest Magick in Practice” vom “Hammer of the Witches”-Album gab es den ersten Song mit “Heartbreak and Seance” vom neuen Album “Cryptoriana” zu hören. Insgesamt wurden viele Klassiker des riesigen Repertoires geboten. Darunter auch Hits wie “Nymphetamine Fix” und “Her Ghost in the Fog”, welche vom Publikum entsprechend abgefeiert werden. Die zarte Stimme von Keyboarderin Lindsay Schoolcraft bildet den perfekten Kontrast zum wilden Gekeife des Frontmannes.

Eine engagierte Leistung aller Beteiligten macht das Konzert zu einem Erlebnis der besonderen Art. Mit “From the Cradle to Enslave” endet dieses tolle Konzert und entlässt zufriedene Besucher in die eisige Winternacht.

(Text+Fotos: Matthias Hellmann)