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Musik, gleichzeitig luftig und erdig: Die Smoke Fairies auf ihrem selbstbetitelten Album (Foto: verstärker.com)

Interview mit Smoke Fairies: „Unsere Freundschaft ist die Basis für alles”

Am 11. April erscheint das dritte Album des englischen Duos Smoke Fairies. Jessica Davies und Katherine Blamire bilden nicht nur eine Band, sondern sind auch Freundinnen. Sound-Infection hat anlässlich der Albumveröffentlichung von „Smoke Fairies“ eine der Feen zur Fragestunde gebeten. Katherine Blamire erzählt, wie es dazu kam, dass das neue Album fast nicht entstanden wäre, warum es als Drittlingswerk den Namen der Band trägt und was Smoke Fairies eigentlich sind.

Euer Bandname, Smoke Fairies, hat einen magischen Touch. Wenn du eine magische Kreatur sein könntest, was wärst du dann?

Katherine: Etwas, das fliegen kann, mit riesigen Flügeln, vermutlich ziemlich flauschig. Definitiv etwas, das es in der Luft mit Drachen aufnehmen könnte. So ähnlich wie das drachenähnliche Wesen aus dem Film „Die unendliche Geschichte“.

Jessica Davies und Katherine Blamire bilden das englische Duo Smoke Fairies (Foto: verstärker.com)

Jessica Davies und Katherine Blamire bilden das englische Duo Smoke Fairies (Foto: verstärker.com)

Und woher kommt der Name Smoke Fairies nun tatsächlich?

Jessica und ich sind im ländlichen Sussex aufgewachsen, wo es viele kleine Straßen durchschlängeln. In den Nächten sammelt sich oft Dunst über den Straßen und hängt in seltsamen Formen in der Luft. Eines Nachts, als wir noch Teenager waren, fuhren wir durch die Gegend und eine von uns sagte: „Die Smoke Fairies sind heute Nacht unterwegs“. Dieser Ausspruch blieb hängen.

Wie würdet ihr eure Musik einem gehörlosen Menschen beschreiben?

Nun, sie ist dunkel, mit Momenten des Optimismus und der Freude. Atmosphärisch, aber direkt. Manchmal schöpft sie die Melancholie bis zum Äußersten aus, indem sie Stimmen, Gitarren und Synthesizer nutzt.

Euer Sound hat sich von vormalig harmonischen Strukturen zu einem von Pop beeinflussten, drummigen musikalischen Dialog verändert in der Zeit zwischen eurem letzten Album und dem neuen Werk „Smoke Fairies“. Was habt ihr verändert und vor allem warum?

Das Album entspringt einer Zeit, in der wir alles hinterfragt haben, was wir jemals in der Musik gemacht hatten – und das war ziemlich befreiend. Es fühlte sich an, als würden wir noch einmal beginnen, wie eine Wiedergeburt. Infolgedessen wurde alles verworfen, was sich irgendwie so anhörte wie etwas, das wir schon einmal gemacht hatten – Strukturen, Harmoniemuster, metaphorische Texte. Wir wandern nicht gerne in ausgetretenen Pfaden. Es ist wichtig für uns, das Gefühl zu haben, dass wir uns vorwärtsbewegen; so bleibt es interessant für uns und unsere Zuhörer.

Du und Jessica, ihr kennt euch schon sehr lange. Wie beeinflusst eure Freundschaft eure Arbeit als Band? Ist sie ein Vorteil oder eher ein Störfaktor?

Wir kennen es einfach nicht anders. Musik war schon immer der Leim, der uns zusammengehalten hat. Aber natürlich ist es mehr als das. Ich denke wirklich, dass wir besser zusammenarbeiten als jemals zuvor.

Und wie äußert sich das?

Wir sind in der Lage, auch mal einen Schritt zurückzutreten und die andere führen zu lassen. So können wir das Beste aus einem Song herausholen, stundenlang an ihm arbeiten wie an einem Puzzle. Ich denke, wenn man gemeinsam arbeitet, ist es genauso wichtig zu wissen, wann man schweigen sollte, wie, wann es Zeit ist zu spielen. Stille ist schließlich auch ein Instrument. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir diese Verbindung haben; das ist definitiv nicht normal. Unsere Freundschaft ist die Basis für alles.

Warum habt ihr euer drittes Album nach eurer Band benannt? Ist das nicht eher üblich bei Debüts?

Es fühlte sich einfach richtig an, weil es bei „Smoke Fairies“ im Grunde um uns geht und darum, was es bedeutet, Smoke Fairies zu sein. Wir wollten, dass der Titel ein knackiges und kräftiges Statement unserer bisherigen Reise als Band ist. Deshalb war es sinnvoll, es nach uns selbst zu benennen. Auch als Titel für das dritte Album passt es. Jetzt ist der Punkt, an dem man sich umschaut und fragt, was man die ganze Zeit gemacht hat und warum.

Die Band wäre beinahe zerbrochen, bevor überhaupt an „Smoke Fairies“ zu denken war. Was ist da passiert?

Ich denke, das habe ich schon angeschnitten. Im Grunde genommen war da einfach dieses überwältigende Gefühl der Leere, das wohl jeden ambitionierten Musiker, der sich abmüht voranzukommen, trifft. Es ist schwierig weiterzumachen, wenn man nicht einmal weiß, ob man erfolgreich ist oder scheitert, ob man sein Leben richtig lebt. Andere heiraten, kaufen Häuser und machen all diese Erwachsenensachen, die eine Art des Weiterkommens kennzeichnen.

Und wie fühlst du dich dabei?

All diese Dinge sind mir ein Rätsel, aber Musik zu machen ist für mich nicht länger eine Entscheidung. Die Musik übernimmt die Führung. Bist du einmal in ihren Fängen, bist du eigentlich angeschissen – aber es ist eine wundervolle Art, sich selbst zu verkorksen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich irgendetwas anderes machen könnte. Und ich bin sehr stolz auf dieses Album. Nichts anderes gibt mir dieses Gefühl der Zufriedenheit.

Der Gedanke, die Band vielleicht aufzulösen, wie hat er später eure Arbeit am Album beeinflusst?

Es war sehr befreiend. Wir haben uns gefühlt, als könnten wir alles tun, was wir wollten.

Das selbstbetitelte Album "Smoke Fairies" erscheint am 11. April 2014

Das selbstbetitelte Album “Smoke Fairies” erscheint am 11. April 2014

Die Musik auf „Sound Fairies“ verfügt, trotz der Veränderungen im Klang und den Harmonien, über einen sehr natürlichen Fluss, einen fast magischen Klang – so wie euer Name es verspricht. Wo findet ihr die Ideen für eure Texte und Melodien?

Die Lyrics auf „Smoke Fairies” sind ziemlich direkt. Wir wollten uns nicht mehr so sehr auf Natur- und Umweltmetaphern stützen, wie wir es vielleicht vorher getan haben. Wir haben versucht, blumige und übermäßig anschauliche Sprache zu vermeiden und zum Kern zu kommen.

Braucht ihr eine bestimmte Umgebung, um Inspiration zu finden?

Das Album wurde während einer Hitzewelle aufgenommen, was anscheinend auf den Sound abgefärbt hat. Einige der Songs haben eine sommerliche Beschaffenheit. Während des Schaffensprozesses sind wir viel spazieren gegangen und haben ein Pub hinter den Feldern entdeckt, das viele tolle Ales anbot. Ich behalte die Arbeit am Album als warme und freudvolle Zeit in Erinnerung.

In eurer Musik kann man Einflüsse verschiedener Genres ausmachen.

Als wir damals begonnen haben, standen wir total auf rohe Formen von Folk und Blues, Country und viele Bands der 70er Jahre. Mit der Zeit hat sich unser Geschmack entwickelt und ausgedehnt. Ich finde es interessant, Popmusik zu hören und zu sehen, was Produzenten machen, um die Dinge frisch zu halten. Wir mögen elektronische Musik. Ich würde in Zukunft gerne mit bizarren modernen Sounds weitermachen – mit einem Fuß in unseren Grundeinflüssen, aber trotzdem beständig in unserer Zeit bleibend.

Vielen Dank für das Interview.

Smoke Fairies – offizielle Homepage
Smoke Fairies – Facebook

(Kathrin Tschorn)