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Exportschlager aus Down Under: Kate Miller-Heidke (Foto: Community Promotion)

Interview mit Kate Miller-Heidke: „Du wirst ohnehin bald tot sein, warum also nicht einen Spaziergang im Park machen?“

Nur wenigen Künstlern gelingt es, ein Genre ganz für sich einzunehmen. Doch Kate Miller-Heidke hat mit ihrem ersten Independent-Album, das vollständig über Crowdfunding finanziert wurde, die Grenzen des Pop gesprengt. Mit ihrer drei Oktaven umfassenden Stimme reizt die Australierin die gesamte Spannweite ihres Genres aus und überrascht von wild bis romantisch auf einem großartigen Pop-Album. Mit Sound Infection hat die 33-Jährige über den Entstehungsprozess von „O Vertigo!“ gesprochen.

Dein neues Album heißt „O Vertigo!“ (vertigo = Schwindel). Was bedeutet dieser Titel für dich?

"O Vertigo!" erscheint am 3. April 2015

“O Vertigo!” erscheint am 3. April 2015

Er spiegelt ein Gefühl schwindelerregender Selbstvergessenheit wider. Und hoffentlich zieht sich diese Emotion für den Zuhörer wie ein roter Faden durch das gesamte Album.

Liebe, Krankheit, Freude – es gibt viele Dinge, von denen einem schwindelig wird. Was ist es bei dir?

Da gibt es einiges: Auftritte, Liebe, Traurigkeit, Maßlosigkeit. Vor allem wird mir schwindelig, wenn ich die Perspektive wechsle, um einen weiteren Blick auf die Landschaft zu bekommen.

Deine Musik bewegt sich zwischen sehr verschiedenen Genres – von Pop bis zum Operngesang. Wenn du ein Bild malen müsstest, das deine Musik beschreibt, wie würde das wohl aussehen?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich diese Frage beantworten soll. Vielleicht bunte Dolche, die wie eine Fontaine aus dem Mund eines Delfins sprießen? Bei Musik ist es nun mal so, dass sie sich für verschiedene Menschen unterschiedlich anhören kann. Deshalb bin ich zurückhaltend, wenn es darum geht, sie auf eine Farbe oder eine Form festzulegen.

Mit welcher Absicht hast du „O Vertigo!“ kreiert? Hattest du ein bestimmtes Ziel im Hinterkopf?

Ich wollte etwas Fröhliches, Freigiebiges, Aufwendiges und Unvermeidliches kreieren.

Was unterscheidet „O Vertigo!” von deinen früheren Alben? Wie hat sich deine Musik verändert?

„O Vertigo!” ist auf jeden Fall poppiger und viel spontaner. Wenn man so will, ist es schlichter und leichter.

Warum hast du dich dafür entschieden, mit vielen verschiedenen Künstlern (zum Beispiel Megan Washington, Andy Burrows, Drapht) für „O Vertigo!“ zusammenzuarbeiten?

Wenn man alleine arbeitet, kann man meist nur in eine bestimmte Richtung gehen. Die Künstler, die an „O Vertigo!“ beteiligt waren, haben mich inspiriert und die Songs des Albums an Orte geführt, zu denen ich sie alleine nicht hätte bringen können.

Deine vorherigen Alben wurden von einem Major Label veröffentlicht. Warum bist du für „O Vertigo!“ den Weg des Crowdfunding gegangen? Und wie hat das die Arbeit am Album beeinflusst?

Ich habe mich für Crowdfunding entschieden, weil ich eine unabhängige Künstlerin sein wollte. Crowdfunding war für mich ein sinnvoller Weg, das zu erreichen. Ich hatte vorher schon gesehen, wie Künstler, die ich sehr bewundere – wie Ben Folds oder Amanda Palmer –, sehr erfolgreich mit Crowdfunding waren. Ich dachte, meine Fan-Base würde auf diesen Zug aufspringen. Hoffentlich hat es die Arbeit am Album nicht mehr beeinflusst, als dass es mir Vertrauen in meine Zuhörer geschenkt hat – und die große Hoffnung, dass sie nicht hassen würden, wofür sie schon bezahlt haben!

Kate Miller-Heidke ist der Pop-Exportschlager aus Down Under (Foto: Community Promotion)

Kate Miller-Heidke ist der Pop-Exportschlager aus Down Under (Foto: Community Promotion)

„O Vertigo!“ ist ein Pop-Album, aber sehr romantisch, mit dem besonderen Touch durch deinen Operngesang. Was und wer inspiriert deine Musik?

Da gibt es viele Dinge. Ich wollte quasi gegen meine vorherigen Alben reagieren. Musiker, die ich bewundere, haben natürlich Einfluss auf mich; ebenso wie Musiktheater und Oper. Oder auch Freunde mit interessanten Lebensgeschichten.

Wenn du der Welt eine Sache sagen könntest – und jeder würde zuhören –, was wäre das?

Du wirst ohnehin bald tot sein, warum also nicht einen Spaziergang im Park machen?

Kate Miller-Heidke – offizielle Homapage
Kate Miller-Heidke – Facebook

Das Interview führte Kathrin Tschorn.

Titelfoto: Community Promotion