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Interview mit den Donkey Pilots: „Bei uns ist nichts so ganz clean“

Die Donkey Pilots spielen im Sandkasten der Musik immer nur im matschigen Teil, da, wo man sich richtig schmutzig machen kann. Für die vierköpfige Band aus dem Hamelner Raum ist Schmutz nämlich so eine Art Lebenseinstellung: Bei den Jungs ist alles irgendwie nicht so ganz sauber, vor allem nicht ihre Musik.

Nach Veröffentlichung ihres Debütalbums „Garbage Man“ im letzten Jahr haben sie allerdings noch eine weitere Leidenschaft entdeckt: live spielen. Deshalb sind sie quasi nonstop auf Open-End-Tour quer durch Deutschland. Trotzdem haben Frontmann Hector Pascal und Leadgitarrist Tyler Bourbon Zeit gefunden, um Sound Infection die drängendsten Fragen zu beantworten – wer zum Beispiel in der Band der Frauenschwarm ist.

Donkey Pilots, das ist ein ungewöhnlicher Name. Woher kommt er?

Hector: Der Name ist eigentlich Tyler eingefallen.

Tyler: Das ist ja wohl auf unser beider Mist gewachsen: Hector ist der Name Donkey eingefallen und mir die Verbindung mit Pilot. Wir haben damals einen Bandnamen gesucht, der zu uns und unserer Musik passt. Hector kam dann relativ schnell mit dem Esel, dem Donkey, um die Ecke. Das ist irgendwie ein ganz cooles Tier, weil es so eigensinnig ist – und das sind wir auch. Es ist auch ein Tier, das sich nicht beschwert und einfach macht. Das sind alles Eigenschaften, die ganz gut auf uns passen. Das Pilot kam daher, dass wir jemanden in der Band haben, der das mit der Hobbyfliegerei, ja, vielleicht nicht ganz zu Ende gebracht hat… Piloten sind aber der Inbegriff für Freiheit und das, was man tun will. So sind Esel und Pilot zu verstehen.

Außerdem sind Piloten cool und sexy.

Beide: Das auf jeden Fall!

"Godfathers of Blow Rock": Donkey Pilots (Foto: Katharina Gerber)

“Godfathers of Blow Rock”: Donkey Pilots (Foto: Katharina Gerber)

Letztes Jahr habt ihr euer Debütalbum „Garbage Man“ veröffentlicht. Wie seid ihr euch denn als Band begegnet?

Hector: Eigentlich durch Kleinanzeigen. Die Band wurde von mir und einem Ex-Schlagzeuger einer anderen Band gegründet. Wir suchten einen Leadgitarristen und haben uns in unserer Kleinstadt umgehört, aber keinen gefunden. Nachdem wir weiter annonciert hatten, kam dann plötzlich Tyler um die Ecke, der sich im Internet verklickt hatte. Der wollte gar nicht unsere Anzeige öffnen, hat dann aber trotzdem mal bei uns vorbeigeschaut. Der Schlagzeuger Mr. Reece und der Bassist Buzz T kamen auf ähnlichem Weg zu uns. Das ist total uncool, aber deshalb auch irgendwie schon wieder cool.

Und wie lange macht ihr jetzt schon Musik zusammen?

Hector: Die Band gibt es seit 2009. Musik machen einige von uns natürlich schon viel länger. Wir haben diesbezüglich unterschiedliche Backgrounds in der Band, was das Ganze natürlich auch interessant macht.

Habt ihr denn auch mal etwas „Anständiges“ gelernt?

Hector: Wenn man da von anständig sprechen kann. Wir beide sind in der Werbung tätig. Das ist vielleicht sogar noch dreckiger als Rock’n’Roll. Bei den anderen haben wir Leute dabei, die tatsächlich auch etwas mit Musik machen. Das ist ein buntes Potpourri, aber die kreative Berufung überwiegt dann doch eindeutig.

Die Musik auf „Garbage Man“ ist richtig schöner gitarrenlastiger Rock, aber eben auch experimentell. Wie seid ihr zu eurem Sound gekommen? Wer hat euch beeinflusst?

Tyler: In erster Linie sind unsere Einflüsse eigentlich wir selbst, jeder mit seinen ganz individuellen Sphären, in denen er sich bewegt oder bewegt hat. Von Rock, Country und Indie-Musik über Blues, Hardrock bis hin zu Metal, auch Pop und Soul – eben alles, was gitarrenlastig ist und einen Singer-Songwriter-Background hat.

Hector: Man merkt, wir sind sehr vorsichtig, da irgendwelche Namen zu nennen. Wir wurden mittlerweile mit so vielen Bands verglichen. Alle stimmen irgendwie, aber eben irgendwie auch nicht. Schon alleine deshalb haben wir für unseren Musikstil den eigenen Namen „Blow Rock“ erfunden. Wir sind eben schwierig einzuordnen. Aber das ist auch, was uns ausmacht.

Eure Texte beschäftigen sich – wie ihr selber sagt – mit „Sex, Schmutz und Seele“ und auch eure Musik hat oftmals einen ziemlich schmutzigen Touch. Wie kommt’s?

Hector: Ich schreibe die Texte und würde sagen, dass das so in mir drin ist – Liebe, Schmutz, Sex und Rock’n’Roll. Die Texte sind im Übrigen nicht biografisch, könnten es letztlich aber sein. Das Leben schreibt eben die besten Geschichten, faszinierende Sachen, teilweise auch Extreme, an denen man sich wunderbar bedienen kann. Und das mache ich auch. Der Schmutz kam aber auch durch die Art, die Musik zu spielen. Bei allem ist so eine leichte Unsauberkeit dabei, damit es nicht zu glatt klingt. Um die Texte zu transportieren, ist dieser Schmutz aber auch nötig.

Der Schmutz ist also gewollt?

Tyler: Wir versuchen zumindest nicht, ihn zu verhindern. Er ist einfach da, vielleicht sind wir das auch einfach. Es ist ehrlich und authentisch.

Also seid ihr authentisch dirty?

Tyler: Definitiv. Kann man nicht anders sagen.

Hector: Angefangen bei unseren Gesprächen bis hin zu den eigenen vier Wänden. Das ist alles nicht so ganz clean.

Das Debütalbum "Garbage Man" ist im Januar 2013 erschienen

Das Debütalbum “Garbage Man” ist im Januar 2013 erschienen

Die Produktion eures Albums war begleitet von Hindernissen, Krankheiten und Verletzungen. Wie hat sich diese harte Schule auf die Musik ausgewirkt?

Tyler: Wir sind wirklich alle krank geworden – bis unser Produzent Siggi Bemm jr. sagte: „Ich bin reif fürs Sanatorium.“ Das ist schon krass für jemanden, der auch Peter Maffay und Udo Lindenberg ausgehalten hat. Es war von Anfang an etwas da, was das Ganze echt schwierig gemacht hat – von der Grippe bis zu Rückenproblemen. Es sind wirklich die dollsten Dinge passiert. Unser Bassist hätte sich beinahe selbst erstickt, weil er eine Pizza im Ofen vergessen hatte. Ganz am Ende ist auch noch der Studiorechner abgekackt. Aber es hat den Aufnahmen nicht geschadet. In unserem Album steckt wirklich Herzblut – und das haben wir eben auch am eigenen Leib erfahren.

Hector: Teilweise haben wir uns auch so verausgabt, dass das nicht spurlos an einem vorübergehen konnte. Nach und nach bekam jeder seine Probleme, aber die große Gemeinschaft hat es doch noch irgendwie gerissen und dann ist es das geworden, was es geworden ist.

Dann habt ihr dem Esel in eurem Namen ja schon alle Ehre gemacht.

Tyler: So sieht’s aus.

Hector: Das Album sollte eigentlich „Take me to the hospital“ heißen nach der Zeile aus dem Song „Sweet“, aber „Garbage Man“ hat dann irgendwie doch besser gepasst.

Die Donkey Pilots sind stur wie Esel und cool wie Piloten (Foto: Katharina Gerber)

Die Donkey Pilots sind stur wie Esel und cool wie Piloten (Foto: Katharina Gerber)

Hat sich euer Leben seit Veröffentlichung des Debütalbums maßgeblich verändert?

Tyler: Definitiv. Aber ich fahre noch keinen Porsche. Da hätte ich eh keinen Bock drauf, ich gehe lieber zu Fuß. Das Debütalbum ist das Album, für das man am meisten Zeit hat. Es ist ein Findungsprozess, der stattfindet und eigentlich das Ganze in sich begründet. Wir wissen jetzt einfach noch besser als vorher, was für uns der richtige Weg ist – wenn es überhaupt den Weg gibt. Aber zumindest für die nächste Zeit wissen wir, wohin die Reise geht.

Hector: Wir haben natürlich bei den Aufnahmen im Studio viel gelernt. Ich glaube, nein, ich weiß mittlerweile, dass wir das richtig gemacht haben, weil es einfach funktioniert. Wir haben auch gelernt, dass es am besten ist, viel selber zu machen. Wir sehen viele Bands, die scheitern, weil sie sich auf irgendwelche Plattenfirmen verlassen haben. Das konnte uns nicht passieren.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Tyler: Live, live, live!

Hector: Live ist einfach unser Stichwort und die wahre Befriedigung – sowohl unplugged als auch plugged.

Mal Hand aufs Herz: Wer ist der Frauenschwarm in eurer Boygroup?

(lange Pause)
Hektor: Bestimmt unser Schlagzeuger.

Tyler: Ich beantworte das mal ganz diplomatisch: jeder auf seine Art und Weise. Das kommt ja auch aufs Publikum an.

Hector: Als wir unseren kleinen Tourblock in Süddeutschland hatten, da hat man doch gemerkt, dass unser Schlagzeuger ziemlich gut punkten könnte. Aber ich glaube, dass Tyler der absolute Schwiegermutterschreck ist.

Tyler: (lacht)

Hector: Wir sind unterschiedliche Charakterköpfe. Da ist für jeden was dabei.
Tyler: Wir sind allerdings auch keine Band, die Mucke macht, um Frauen zu beeindrucken. Naja, Hector macht das schon… (lacht) Wir machen Musik aus Überzeugung und Punkt.

Ihr dürft jetzt mal träumen: Was ist denn euer großes Ziel im Reich der Musik?

Hector: Davon leben. Nichts anderes mehr machen zu müssen. Es muss auch nicht viel sein. Ich bin da ziemlich bescheiden und ich weiß, dass es den anderen Jungs genauso geht. Man braucht nicht viel zum Glücklichsein. Wenn uns jemand fragt, was wir sind, sagen wir: „Musiker!“, weil wir tatsächlich alle Musiker sind und nichts anderes.

Tyler: Die Sozialversicherung zahlt jetzt doch noch wer anderes.

Vielen Dank für das Interview.

Donkey Pilots – offizielle Homepage
Donkey Pilots – Facebook

(Kathrin Tschorn)

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