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Interview mit ASP: “Dummheit und Angst vor dem ‘Fremden’ sterben nie aus”

Obwohl sich große Loblieder auf das 15. Lebensjahr der Gothic-Institution ASP singen ließen – haben sie doch sowohl ihre Best Of Collection “Per Aspera Ad Aspera” unter das dunkle Volk gebracht, als auch eine einzigartige Doppeltour vollzogen! – wäre dies fast unfair. Denn seitdem die Finsterrocker um Alexander “ASP” Spreng die deutsche Untergrund-Musikszene aufmischten, gab es nie auch nur ein einziges Jahr, in dem sie nichts von sich hören ließen. Ihr 15. Bandjubiläum erlaubte somit, noch einmal einen tiefen Blick in den stetigen Strom ihrer Veröffentlichungen zu werfen und sowohl die Fans, als auch ASP selbst wissen, dass noch lange kein Ende in Sicht ist. Wer die Herren um den Schwarzen Schmetterling auf ihrer aktuellen Tour verpasst hat, sollte sich besser den kommenden August frei halten, um sie in ihrer natürlichem Umgebung – dem Hildesheimer M’era Luna – abzufangen.

Düster, poetisch, Gothic Novel Rock: ASP (Foto: )

Düster, poetisch, Gothic Novel Rock: ASP (Foto: Angst-Im-Wald.com)

Sound Infection: Viele Leute außerhalb der Gothicszene sehen die Lebensart immer noch als Trend und ”Jugendsache” – wie ist es für dich als langjähriger Anhänger dieser Kultur, hast du im alltäglichen Leben immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen?

ASP: Ja, das ist tatsächlich so. Ich bin zwar eher unauffällig in meinem Auftreten im Alltagsleben, aber schwarz genug, dass die Leute mich merkwürdig finden. Vorurteile sind weit verbreitet und man kann sich kaum dagegen wehren. Ich versuche, diesen Vorurteilen im Normalfall mit Höflichkeit und Freundlichkeit zu entkräften, aber es gab durchaus auch schon heftigere Anfeindungen, z.B. Leute, die mich auf offener Straße als „Satanist“ beschimpften. Dummheit und Angst vor dem „Fremden“ sterben nie aus.

Subkulturen kommen und gehen, spalten sich in neue Genres auf oder verändern sich bis zur Unkenntlichkeit. Denkst du die Gothicszene wird in 50 Jahren immer noch existieren?

Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie heute noch existiert.

Gäbe es Gründe für dich, jemals mit dem Songschreiben oder generell dem kreativen Ausleben deiner Kunst aufzuhören, oder siehst du es als lebenslangen Prozess?

Ich sehe das als als lebenslangen Prozess und kann mir nicht vorstellen, damit aufzuhören. Ich tue das, was ich tue, weil ich es liebe und weil ich es als Berufung empfinde. Sicher gibt es Dinge, die einen zum Aufhören zwingen können, aber ich hoffe, dass sie mir nicht begegnen werden bis ich irgendwann in der Urne eingedost bin.

”Per aspera ad aspera” war nicht nur eine Möglichkeit für Fans, deine Karriere noch einmal Revue passieren zu lassen, sondern sicherlich auch eine Gelegenheit für einen ausgedehnten Rückblick für dich – gibt es zwischen der riesigen Auswahl an Songs einen speziellen Track, der immer dein liebster sein wird?

Keinesfalls zum Schämen und mit Liebe zum Detail erschaffen: "Per Aspera Ad Aspera" erschien am 26. September über Trisol Music Group

Keinesfalls zum Schämen und mit Liebe zum Detail erschaffen: “Per Aspera Ad Aspera” erschien am 26. September über Trisol Music Group

Nein, ich liebe die meisten der Songs immer noch und finde den Rest zumindest noch nicht zum Schämen.

Bezogen auf euren Songtext ”Hat den Traum zu leben nichts als Schinderei beschert? Per aspera ad aspera, per aspera ad aspera. Und hätt ich es geahnt, ich wäre doch nicht umgekehrt” – was waren die Aspekte, auf die du im Leben verzichten musstest, um deinen Künstlerweg gehen zu können?

Nun, wohl am meisten auf Dinge privater und persönlicher Natur. Ein erfülltes und langfristiges Beziehungsleben ist echt nicht leicht zu bekommen, wenn man so ein arbeitsintensives Leben wie ich führt. Und dabei gesund zu bleiben ist auch alles andere als leicht.

Glaubst du, dass jeder Künstler auf eine Art unglücklich sein muss, um das Beste aus sich herauszuholen?

Nein, das halte ich für eine selbstmystifizierende Legende. Leute, die gut schreiben können, sind Meister darin, sich in andere Gefühlslagen hineinzudenken, sie können gewisse Situationen einfach durch Empathie und Fantasie nachempfinden. Ich zum Beispiel kann morgens recht gute gelaunt an den Schreibtisch gehen und dann einen Text über eine tragische Liebe verfassen. Und ja, in jenem speziellen Moment bin ich dann auch unglücklich. Aber danach kann man dann auch wieder zurückkehren ins seine normale Gefühlswelt. Wenn man eine normale Gefühlswelt besitzt, hehe.

Hattet ihr bei eurer aktuellen Tour den Eindruck, dass beim Publikum die Rock- oder die Akustik-Shows besser ankamen? Hattet ihr selbst Präferenzen entwickelt nach ein paar Shows?

Keiner fackelt so schön wie ASP

ASP: Ein “wahrer Satan” live

Zunächst einmal möchte ich nochmal sagen, dass wir keine „Akustik-Shows“ gespielt haben, auch wenn vermehrt Akustik-Gitarren zum Einsatz kamen. Es war eine Semi-Akustikshow ohne Synthetik-Zuspieler und Elektro-Zutaten, wie wir sie bei den Rock-Shows traditionell verwenden. Was die Zuschauerzahlen anbelangt , lagen die Rockshows etwas vorn, aber das „Rar & Pur“-Konzept kam dennoch unglaublich gut an. Leider liegt die Vermutung nahe, das das Konzept relativ schwer zu verstehen war im Vorfeld und viele Fans erst bei dem Konzert selbst begriffen haben, was sie erwartet. Sobald sie allerdings die ersten Songs gehört hatten, war die Begeisterung riesig. Ich denke, es wurden wirklich viele Songs gespielt, die speziell die Hardcore-Fans sehr erfreut haben. Wir selbst waren von diesen Konzerten auch sehr begeistert, weil wir viele Monate Vorbereitungszeit investiert haben und die positiven Reaktionen uns auch für unsere Mühen belohnt haben. Das ist toll. Es ist außerdem wunderschön gewesen, ganz andere Qualitäten als Musiker zeigen zu dürfen als sonst. Damit sage ich nicht, dass diese höher einzustufen wären, aber es ist einfach etwas sehr Besonderes gewesen.

Dank der Klischeekeule erwartet man natürlich, dass du im obersten Turm einer alten Burg wohnst, aber mal ernsthaft: Was sind die wichtigsten Dinge, Artefakte oder Sammelgegenstände bei dir im Haus, auf die du niemals verzichten wollen würdest?

Ich wohne momentan in einer Mietwohnung, mehr ist nicht drin als Indie-Künstler. Die wichtigsten Dinge sind für mich mein Bett, mein Computer, meine Bücher-, Comic-, und Musiksammlungen. Im Moment wird vor allem meine Vinyl-Sammlung viel beansprucht.

(Anne Catherine Swallow)