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Hamburg Metal Dayz: Review zum Freitag

Während in München die Lederhosen hervorgeholt werden, konnte Hamburg das letzte Wochenende sich ebenfalls von seiner besten kulturellen Seite zeigen und Bier gab es natürlich auch – anlässlich des Reeperbahnfestivals stieg in der Markthalle eine große Party, die aber eher düster und stahlgeladen war. Schwarze Gestalten von Jung bis Alt tummelten sich zum wiederholten Male bei den Metal Dayz, einem kleinen Ableger der Wackenveranstalter, die auch 2014 wieder mit einem genialen Programm auftrumpfen konnten.

Starker Opener am Freitag: Beyond The Black

Starker Opener am Freitag: Beyond The Black

Während bereits das Foyer beste Ausstattung für den Metalfan von heute bot, Merchandise, Gewinnspiele und jede Menge Bier, eröffneten BEYOND THE BLACK den Großen Saal, der ursprünglich für Defrage gedacht war, doch auf Grund eines plötzlichen Bassistenverlusts, sprangen die deutschen Jungspunde ein und machten ihren Job absolut grandios. Obwohl die Female-Fronted-Band noch nicht einmal ihr erstes Album auf den Markt losgelassen hat, durfte sie sich bereits auf dem diesjährigen Wacken zahlreicher Huldiger erfreuen und lieferte saftigfrischen starken Nachwuchs in einem Subgenre, das sonst mittlerweile mit jeder Menge schwächelndem Kitsch zu kämpfen hat.

Optisch perfekt der Metalumgebung angepasst: Wolfgang Hohlbein bei den Metal Dayz (Foto: Anne Swallow)

Optisch perfekt der Metalumgebung angepasst: Wolfgang Hohlbein

Unterdessen füllte sich das Foyer bereits mit Fantasy- und Horrorliebhabern, die ihre dicke Sammlung von WOLFGANG HOHLBEIN-Werken aus dem Regal gehievt hatten, um sie von dem 61-jährigen Workaholic und Metalsympathisanten signieren zu lassen. Das chronische Surren der Tätowiermaschine, die Fans gratis (!) mit Wacken- und Metal-Dayz-Logos ausstattete, störte dabei wenig, während Wolfgang Hohlbeins Lesung im Marx machte der dröhnende Sound von der Nachbarbühne das aufmerksame Zuhören stellenweise jedoch schwierig. Der Kult-Autor las aus seinem, im Februar erschienenen Roman „Irondead“ und erweckte die spannungsgeladene Geschichte aus Zeiten des Baus der Titanic zum Leben.

Glücklicher Metal-Gummibär: Mikael Stanne von Dark Tranquillity

Glücklicher Metal-Gummibär: Mikael Stanne von Dark Tranquillity

Leider überschnitt sich das Ende der Lesung mit dem Beginn des Sets von Melodeath-Anführern DARK TRANQUILLITY, die den bereits schweißtriefenden Hauptsaal dermaßen anheizten, dass – wortwörtlich! – kaum mehr Luft zum Atmen blieb. Trotz des düsteren, keyboardstrotzenden Geschredders war Obergummibär Mikael Stanne jedoch so großartig gelaunt wie immer, sammelte Handschläge mit dem Publikum und dopste in einer Geschwindigkeit über die Bühne, dass gewaltig viele Versuche nötig waren, um den Schweden anständig mit der Kamera einzufangen. Doch gerade das macht die Göteborger ja aus, sodass die sechzig Minuten Spielzeit um einiges zu kurz wirkten, als mit „Misery’s Crown“ ein würdiger Abschluss gefeiert wurde.

Für Fotos vom Dark Tranquillity Set mit den Augen bitte hier entlang!

Wer noch schnell im Foyer eine Brezel abgreifen konnte, war dann aber auch für EDGUY gestärkt – deren Set allerdings alles andere als glücklich begann. Tobias Sammets Monitor schien aufzufallen und versetzte den sonst stets prächtig gelaunten Frontmann sichtbar in Rage. Immer wieder versuchten die Techniker während „Love Tyger“ und dem abgefahrenen, neuen „Space Police“ den Auftakt der Edguy-Tour zu retten, brachten Tobias jedoch nur zum Stolpern. Und trotz aller Mühen der restlichen Musiker, die tapfer in den Songs blieben, mussten die Fans schon Schlimmes befürchten, als der Frontmann die Bühne verließ.

Grandios, trotz technischer Probleme: Tobi Sammet von Edguy

Grandios, trotz technischer Probleme: Tobi Sammet von Edguy

Doch Gott sei Dank zählen Edguy nicht zu den Spielverderber-Diven, sodass Tobias Sammet daraufhin zerknirscht verkündete: „Die gute Nachricht ist: Wir spielen weiter. Die Schlechte ist: Die Show wird scheiße!“ – das war allerdings Blödsinn. Denn trotz des anfänglichen Chaos wurden die Jungs aus Fulda grandios von den Hamburgern gefeiert und sogen die gute Stimmung offenbar auf, sodass der Rest der Show mit „Superheroes“ oder „Tears Of A Mandrake“ absolut halten konnte, was Edguy sonst versprechen. Selbstverständlich durften Sammets durchgeknallten Sprüche, Gesangsstunden und Backstagestories nicht fehlen, besonderes Highlight des Sets war allerdings das bisher so verrissene Falco-Cover „Rock Me, Amadeus“, bei dem Tobias Sammet mit pseudo-österreichischem Sexappeal auf Hochleistung lief und das Publikum für einige Zeit zurück in die Achtziger mitnahm.

Weitere Fotos von der Show gibt’s hier!

Wie jedes Jahr bei den Metal Dayz wurde auch diesmal großes Programm in kleinem Rahmen geboten und ermöglichte den Fans im deutschen Norden nicht nur zahlreiche, hochkarätige Bands live zu erleben, sondern auch an Workshops und Lesungen teilzunehmen oder auch einfach nur gemütlich in der Raucherlounge ein Bierchen zu trinken.

(Artikel und Fotos: Anne Catherine Swallow)

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