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Erasure – Big Birds & Synthie-Pop

Datum: Sonntag 04.3.2018
Location: München, Tonhalle
Support: Bright Light Bright Light

Eine lange Schlange und hohe Erwartungen trafen sich am vergangenen Sonntag vor der ausverkauften Tonhalle, um das vielleicht erfolgreichste europäische Synthie-Pop Duo Erasure zu feiern.

Nahezu pünktlich machte der Waliser Bright Light Bright Light aka Rod Thomas den Anfang. Dafür, dass er schon mit Showgrößen wie Elton John oder den Scissor Sisters auf der Bühne gestanden hat, war der Sound jedoch einfach zu flach. Es erinnerte eher an den stampfenden Einheitsbrei der kanarischen Discos aus den 80ern. Das Abwechslungsreichste an dieser Performance war der Regenbogenanzug. Trotzdem gelang es ihm ohne große Mühe, das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.

Zu den ersten Takten von “Tales Of The Unexpected” wurde es dunkel. Vince Clarke erklomm im wahrsten Sinne des Wortes den Klangturm. Die Zuschauer, die sich auf der Empore einen Platz gesichert hatten, konnten sich nun glücklich schätzen. Für Normalsterbliche vor der Bühne war er ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu sehen. Die beiden Backgroundsängerinnen Valerie Chalmers und Emma Whittle räkelten sich lasziv mit dem nun einsetzenden Licht auf zwei Stühlen. Damit ging es nahtlos in den Hit “Oh L‘Amour” über und Andy Bell betrat die Bühne.

Im ersten Moment fragte man sich, was er da wohl als Outfit trug. Der Anblick seines Jacketts mit sehr seltsam anmutenden Applikationen inspirierte zu nicht jugendfreiem Kopfkino.
Als Andy nach “Ship Of Fools”, “Breathe” und “Mad As We Are” den ersten Teil seiner Garderobe auszog, war der Glitzerfummel darunter auch nicht viel besser. Aber es ging noch schlimmer… Eine vermeintliche Strumpfhose stellte sich als Ganzkörperkondom im Tattoolook heraus. Mit seiner Plautze war das wahrlich kein Augenschmaus. Ein Zeitungsbericht aus den Anfangstagen beschreibt das Motto eigentlich recht passend: “Was in irgendeiner Weise als geschmacklos angesehen werden könnte, wird dankbar ins Konzept aufgenommen.”

Doch Kopfkino aus, zurück zum eigentlich wichtigsten Punkt des Abends, der Musik. Mit ihrem 17. Studioalbum “World Be Gone” haben Andy Bell und Vince Clarke neue Wege beschritten. Doch ebenso wie Depeche Mode werden auch sie nun politisch. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Die Fans der ersten Stunde, die auf einen Abend voller Hits gewartet hatten, wurden leider enttäuscht. Allerdings muss eine Formation, die seit fast 40 Jahren unzählige Welthits geschrieben hat, sich irgendwann auch wieder neu erfinden. Wollen sie doch nicht bis zum Ende ihrer Tage ewig Gestriges oder Evergreens zum Besten geben.

So war es dann auch nicht wenig verwunderlich, dass die paar fetzigeren Songs, die sogar Andy Bell dazu brachten ein paar Tanzschritte einzulegen, vom Publikum begeistert gefeiert wurden. Bei der Zugabe “A Little Respect” verließ Vince Clarke dann doch noch den Elfenbeinturm, um sich mit seiner Gitarre zu Andy Bell zu gesellen. Damit wurden dann auch all jene wieder versöhnt, die auf mehr Klassiker gehofft hatten.

(Text+Bilder: Kirstin Dittrich)