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  • Release Date: Mai 09, 2014
  • Catalog No: B00IFFJEGI
  • Label: Mercury Classics
  • Type: Pop und Singer-Songwriter
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Tori Amos: Unrepentant Geraldines

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Von außergewöhnlicher Schönheit

Mit ihrem 14. Studioalbum findet Tori Amos zurück zu ihren Wurzeln. Nachdem sie in den vergangenen Jahren Ausflüge in den Power-Pop und die Klassik unternommen hat, ist die 50-Jährige nun wieder bei ihrem ursprünglichen Mix aus Alternative-Pop und einer künstlerisch-freien Darbietung von Emotionen angekommen. Auf diese Weise ist mit „Unrepentant Geraldines“ eines der besten Alben ihrer fast 30-jährigen Karriere entstanden – melodisch, tiefgründig, aber unvorhersehbar.

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die aus North Carolina stammende Myra Ellen Amos, wie Toris Geburtsname lautet, ständig neu erfunden. Für ihr 2007er Album „American Doll Posse“ kreierte sie gleich fünf Charaktere – oder spaltete sich in diese auf –, um ihre Musik zu transportieren. Von einem einstmals eher abstrakten Stil entwickelte sie sich hin zum Pop und zuletzt sogar zur Klassik. Mit „Unrepentant Geraldines“ findet die nahbare Diva zurück zu ihren Wurzeln im Alternative-Pop.

Das ist bei einer Künstlerin wie Tori Amos natürlich nicht als Rückschritt zu verstehen. Vielmehr hat sie eine Reise unternommen, die sie musikalisch zwar wieder zu ihren Ursprüngen zurückführte, aber diese um mehrere Ebenen erweitert. So ist „Unrepentant Geraldines“ vielleicht am ehesten mit der Schaffensperiode rund um „Little Earthquakes“ (1992) und „Under The Pink“ (1994) zu vergleichen, genauso virtuos und gedankenvoll, allerdings gereifter. Zeitlos war Amos‘ Musik ohnehin schon immer.

Tori Amos' "Unrepentant Geraldines" ist am 9. Mai auf Mercury Classics erschienen (Foto: Amarpaul Kalirai/Mercury Classics)

Tori Amos’ “Unrepentant Geraldines” ist am 9. Mai auf Mercury Classics erschienen (Foto: Amarpaul Kalirai/Mercury Classics)

Zu den besungenen „reuelosen Geraldines“ wurde Tori Amos von einem Gemälde des Malers Daniel Maclise inspiriert, das Geraldine, eine irische Folklore-Gestalt, in der Pose der reuevollen Magdalena zeigt. Dass sich die Musikerin von bildender Kunst, beispielsweise auch Werken des französischen Malers Paul Cezanne („16 Shades Of Blue“), inspirieren ließ, spiegelt das Cover des Albums wider.

Inhaltlich beschäftigt sich „Unrepentant Geraldines“ mit den gewohnt schwierigen Themen, die Tori Amos in ihren Songs verarbeitet: die Stellung der Frau in der Gesellschaft, Mutterschaft (im Duett „Promise“ mit ihrer 13-jährigen Tochter Natasha), soziale Ungerechtigkeit („America“) und aktuelle Ereignisse („Giant’s Rolling Pin“ = NSA). Dabei wird klar, dass sich der Fokus wieder hin zum Songwriting verschoben hat: klare, melodische Strukturen fassen die tiefgründigen und feinen Seelen-Gedichte ein.

Von der Southern-Blues-geprägten Single „Trouble’s Lament“ über den Titeltrack, ein spezielles Gebet, bis hin zum Beziehungsdrama „Wedding Day“ ist „Unrepentant Geraldines“ mit musikalischen Highlights gespickt. Mit „Wild Way“ schafft die Künstlerin darüber hinaus eine gleichermaßen zarte wie intensive Ballade, wie sie auch die eingefleischtesten Toriphiles seit „China“ nicht mehr gehört haben.

„Unrepentant Geraldines“ ist ein Geniestreich, der beweist, warum Tori Amos als eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen unserer Zeit gilt.

Tori Amos – offizielle Homepage
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(Kathrin Tschorn)