satyricon
  • Release Date: Mai 01, 2015
  • Catalog No: B00TGF970O
  • Label: Napalm Records
  • Type: Metal
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Satyricon: Live At The Opera (DVD + CD)

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Die Oper hat ein neues Phantom

SATYRICON zwischen Operngläsern, staubigen Emporen und verzierten Kronleuchtern? Nein, denn Oper ist nicht gleich Oper, insbesondere wenn die Norweger ihren Teppich ausrollen, um ihr Live-Album mit zusätzlicher DVD im Olsoer Opernhaus mit einem Chor aufzunehmen. Wer hier die Nase rümpft und dem Kultact Ausverkauf oder Nightwish-Sound vorwirft, liegt falsch, denn nach jahrzehntelanger Karriere wissen die Herren Satyr und Frost genau, was für ihre Musik am besten ist. Und so wird „Live At The Opera“ nicht zu einem entspannenden Klassikabend, sondern einer Orgie der Finsternis, wie man sie von den Königen des Black Metal nicht anders erwarten würde.

Bereits bei ‘Now, Diabolical’ zeigt sich der sparsame und sehr gekonnte Einsatz des 60-köpfigen Chors. Die Band hat keinerlei Interesse daran, ihre Songs zu Symphonic Metal Werken umzuschreiben, sondern verwebt den Chor lediglich im Hintergrund in ihre Tracks, um eine noch dunklere Atmosphäre zu erschaffen und Assoziationen zu satanischen Messen beim Zuhörer zu erwecken. Um die „Trueness“ der Band muss also kein Fan fürchten – nicht einmal bei der Location, denn das elegante norwegische Opernhaus pfeffert die Optik der DVD mit einem morbiden Phantom der Oper Charme.

Erst bei dem Klopper ‘Die By My Hand’ tritt der Chor stärker in den Vordergrund und obwohl man sich gelegentlich bei den Gesichtern der Sopranistinnen fragt, wie begeistert sie tatsächlich von der Teilnahme an diesem Höllenspektakel sind, mutiert der Song von „The Dark Age Of Nero“ zu einem bombastischen Schlachtepos. Mit der Gastperformance von Sivert Høyem auf der mehr-oder-weniger-Ballade ‘Phoenix’ bekommt die Show hingegen einen schattigen Gothic-Flair und bei dem melodischen Track hat das ausverkaufte Opernhaus kurz Zeit, die Blutung in den Ohren zu stillen, bevor SATYRICON wieder in voller Pracht losscheppern und sich zu ihren Klassikern wie ‘The Pentagram Burns’ oder dem Evergreen ‘Mother North’ vorarbeiten.
Obwohl man hier auf Grund der fiesen Epik schon mit gigantischen Pyroeffekten gerechnet hätte, beschränkt die Band sich jedoch zu 100% auf die Wirkung der Musik und spart an untermalenden Extras. Wie ein Endzeitszenario klingt auch der Finisher ‘K.I.N.G.’, der noch einmal zeigt, dass SATYRICON zurecht als eine der größten Black Metal Bands unserer Zeit gehandelt werden.

Nochmals sei zum Schluss demnach gesagt: Entgegen der üblichen Erwartungen macht dieser Einsatz eines Chors eine Extreme Metal Band nicht weicher, sondern nur noch diabolischer. SATYRICON wissen genau, was sie tun und das hört man auch. „Live At The Opera“ ist deshalb eine Performance wie Metallicas „S&M“ – nur viel viel böser. Aber schnüffelt selbst…

(Anne Catherine Swallow)