Rapsta_Ah_Album_Cover
  • Release Date: Juli 17, 2015
  • Catalog No: B00YDFJL6M
  • Label: Warner Music International
  • Type: Hip-Hop
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Rapsta: Ah!

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Vorsprung durch Technik

Ein Major-Deal vor dem ersten Album? Das lässt aufhorchen und weckt Erwartungen. Und lockt natürlich die Neider. Dass Mustafa Turhan alias Rapsta den Kontrakt bei Warner Music aber nicht dubioser Vetternwirtschaft zu verdanken hat, sondern einfach richtig gut rappen kann, beweist er auf seinem Debüt.

Hat man den Titel Ah! erst einmal verdaut und man lässt sich trotzdem auf den Stuttgarter ein, zeigt bereits das Intro die unheimlich gute Technik Rapstas. Dass es sich um einen Newcomer handelt, hört man zu keinem Zeitpunkt. Seine Doubletimeparts sitzen perfekt, er flowt wie ein junger Samy Deluxe, streut ungewöhnliche Betonungen ein, aber variiert seine Skills immer wieder so, dass es alleine hinsichtlich Rhythmik nie langweilig wird ihm zuzuhören. Diese harmoniert derart gut mit den größtenteils brachialen Clubbeats, dass man sich nach dem ersten Durchhören geflasht zurücklehnt, aber eigentlich gar nicht so genau weiß, wovon Rapsta genau erzählt. Also nochmal von vorne.

Im Hip-Hop gehört Selbstdarstellung und eine gewisse Großkotzigkeit natürlich zum guten Ton und hilft besonders den Neuen im Business sich zu positionieren und ein Bild von sich zu zeichnen, das im Gedächtnis bleibt. Daher überrascht es nicht, dass Rapsta in erster Linie über sich selber rappt. Tracks wie Money, Highway oder Topsecret gehen thematisch nicht sonderlich tief, ermöglichen aber das Kennenlernen des Künstlers und unterhalten vor allem vorzüglich.
Rapsta hat ein Date erzählt genau das, was der Titel vermuten lässt und zeigt die Vorliebe des Schwaben für den US-Hip-Hop der 00er Jahre und degradiert so als formvollendeter Macho seine Begleitung zum redewütigen Sex-Objekt. Da auf dem restlichen Album die vermeintliche, männliche Überlegenheit nicht derart übertrieben kund gegeben wird, wendet der Track das Prädikat „peinlicher Totalausfall“ noch ab und rettet sich als „Ironischer Lacher für Zwischendurch“ noch vor der Skip-Taste.

Red Bull verleiht anscheinend auch Zungen Flügel: Rapsta (Pressebild Warner Music, Foto: Patrick Glocker 2015)

Red Bull verleiht anscheinend auch Zungen Flügel: Rapsta (Pressebild Warner Music, Foto: Patrick Glocker 2015)

Als Highlights des Albums zeigen sich zwei sehr gegensätzliche Songs verantwortlich. Da wäre zum Ersten das düstere Streicher-Brett Mayday zu nennen, auf welchem Rapsta von seinen MACHT-Rap Kollegen Musiye und TOON unterstützt wird. Textlich sehnt sich das Stück nach der Erweiterung des eigenen Horizonts und der grenzenlosen Selbstverwirklichung, was offenbar nur in urbanen Kontexten klappen kann. Was den Track letztendlich aber ausmacht, ist der dunkle, treibende Beat, der keinen Stillstand erlaubt und dich gedanklich durch nächtliche Wolkenkratzerschluchten hetzen lässt.
Als zweiter Höhepunkt verlangt das vorletzte und ruhigste Stück Unter Wasser das Anschalten der Repeatfunktion, dessen Refrain von Jenny Marsala übernommen wird. Ohne Kitsch oder Pathos weiß der unvollendete Liebessong zu berühren und obwohl Rapsta hier einen Gang zurückschaltet, verliert er zu keiner Zeit seine technische Überlegenheit. Vorsicht, Gänsehaut nicht ausgeschlossen.

In seiner Gesamtheit lebt das Album aber klar von Rapstas technischer Qualität. Würde der Stuttgarter nicht derart leichtzüngig und flink über die stark produzierten Beats tänzeln, müsste man die typischen, sich wiederholenden Hip-Hop-Thematiken kritisieren. Dies kann aber in diesem Fall ruhig außer Acht gelassen werden, denn Rapstas erster Longplayer unterhält einfach unfassbar gut und stellt in beeindruckender Manier ein neues Gesicht im deutschen Rapgeschehen vor. Mit ein bisschen mehr textlicher Variation und Weiterentwicklung im Storytelling kann Ah! der Erstling einer zukünftigen Raplegende werden.

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(Marinus Seeleitner)