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  • Release Date: April 24, 2015
  • Catalog No: B00UUKFE1K
  • Label: Redwinetunes
  • Type: Folk und Singer-Songwriter
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Nick & The Roundabouts: Half-Written Poems

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Da ist er wieder, der Junge mit der Gitarre. Eigentlich war er ja nie richtig weg, denn seit Veröffentlichung seines Debütalbums „Woe To Live On“ im letzten Jahr tourte er unermüdlich durch die Republik – und schrieb nebenbei sein Zweitlingswerk „Half-Written Poems“. Auf der neuen Scheibe präsentiert sich der Deutsch-Waliser reifer, mit durchdachteren Texten, besinnt sich aber auch noch mehr auf die Wurzeln des Singer-Songwritertums.

Man kann es gar nicht oft genug betonen – da uns Nick mit seinem „Band“-Namen gekonnt aufs Glatteis führt –, aber Nick And The Roundabouts ist ein Ein-Mann-Projekt. (Lest dazu unser Interview mit ihm aus dem letzten Jahr.) Mit seinem Sidekick Olli tritt Nick live auf; alles andere ist aber auf seinem eigenen Mist gewachsen, so auch sein neues Album „Half-Written Poems“.

„Ich finde, ein Lied ist ein half-written poem. Es ist ein Gedicht, aber der Text ist nur die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist die half-written melody, sozusagen“, erklärt Nick den Titel seines Albums in einem exklusiven Interview mit Sound Infection.

„Half-Written Poems“ fokussiert sich auf die Texte. Die zehn Songs auf dem Album handeln alle auf die eine oder andere Weise von Heimat: die alte Heimat verlassen und einen neuen Platz für sich finden. Dieses Thema hat Nick beim Schreiben stetig begleitet:

„Zwischen 15 und 45 suchst du nach dem Ort, an dem du dich niederlassen kannst, wo du hingehörst. Ich bin jetzt 30, also muss man sich über solche Dinge Gedanken machen.“

Musikalisch besinnt sich Nick auf die klassischen Tugenden des Singer-Songwritings. Die Akustikgitarre begleitet seine weiche Stimme auf seiner Suche nach Heimat und Geborgenheit. Das neu eingesetzte Banjo verleiht einigen Songs einen country-esken Charakter. Dennoch ist „Half-Written Poems“ ein äußerst melodisches Album, das mit reduzierten Klängen, vornehmer Zurückhaltung und tiefgründiger Stille überzeugt.

Der Junge mit der Gitarre wächst und gedeiht (Foto: Kristina Schippling)

Der Junge mit der Gitarre wächst und gedeiht (Foto: Kristina Schippling)

Einzige Ausnahme in diesem Klanggewebe der Ruhe bildet die aktuelle Single „Just Go“, ein schneller Folksong. In der Mitte des Albums wird der Zuhörer mit einem Rums aus seinem eingeleiteten Tagtraum geholt, nur um im Folgenden wieder in die existentiellen Fragestellungen des Albums herabgezogen zu werden. Ein Markenzeichen von Nick And The Roundabouts ist neben der schwermütigen Thematiken aber auch immer der Funken Hoffnung, der am Ende des Tunnels aufglimmt.

Letztlich sind es die beiden erst spät im Albumprozess entstandenen Songs „Just Go“ und „Shelter Burning Lights“, die „Half-Written Poems“ über den Status des Standard-Singer-Songwriter-Albums erheben; zwei tiefe und eingängige Stücke. Nick And The Roundabouts beweist, dass das Genre der Gitarren-Sänger noch lange nicht tot ist und neue Höhen erreicht werden können. Aber genug der Lobhudelei.

Nick And The Roundabouts – offizielle Homepage
Nick And The Roundabouts – Facebook

(Kathrin Tschorn)