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  • Release Date: März 07, 2014
  • Catalog No: B00FR0WL46
  • Label: Virgin/Universal Music
  • Type: Pop und Rock
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Mike Oldfield: Man On The Rocks

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Kein Meilenstein der Musikgeschichte

Jeder kennt „Moonlight Shadow” und „Shadow On The Wall“. Vielleicht ein Omen, denn der Mann dahinter, Mike Oldfield, – obwohl ein Superstar und quasi Begründer des Vermögens von Virgin-Chef Richard Branson – führt ein Schattendasein. Seit seinen 80er-Jahre-Hits hat der heute 60-Jährige 16 Alben veröffentlicht (und neun davor), die unter Rock-Fans beliebt, aber in der öffentlichen Wahrnehmung quasi nicht existent sind. Daran wird auch sein 25. Album „Man On The Rocks“ nichts ändern – wäre auch egal, wenn die Platte bloß ihren eigenen Ansprüchen gerecht würde.

Mike Oldfield ist ein musikalisches Genie. Das kann keiner bestreiten. Seine Mischung aus Rock, ethnischer und klassischer Musik zaubert Klangerlebnisse, die nicht mehr von dieser Welt sind. „Tubular Bells“, sein Debütalbum von 1973, ist bis heute das erfolgreichste Instrumentalalbum einen Solokünstlers und blickt auf unglaubliche 247 Wochen in den Charts zurück. Das frischgegründete Plattenlabel Virgin kam damals mit dem Nachdruck der Platte gar nicht hinterher. Die Musik war – gelinde gesagt – abgefahren.

Zehn Jahre später war Mike Oldfield schon poplastiger, was ihm aber mit „Crisis“ ein durchaus erfolgreiches Album einbrachte, das seine bekanntesten Songs „Moonlight Shadow“ (gesungen von Maggie Reilly) und „Shadow On The Wall“ (gesungen von Roger Chapman) enthielt.

Nicht mehr das, was er mal war: Mike Oldfield (Foto: Ian Witlen)

Nicht mehr das, was er mal war: Mike Oldfield (Foto: Ian Witlen)

Forward ins Jahr 2014: Mike Oldfield ist immer noch poplastig, aber leider nicht mehr so einzigartig wie vor 30 oder 40 Jahren. Sein neues Album „Man On The Rocks“ ist zwar solide, aber auch beliebig. Schön, aber nicht herausstechend. Schon dem Eröffnungstrack „Sailing“ fehlt es leider an klanglicher Tiefe. (Ich musste dabei tatsächlich an Werke von David Hasselhoff denken, der ja nicht unbedingt für sein musikalisches Genie bekannt ist.)

Glücklicherweise wird es mit dem Leadtrack „Man On The Rocks“ wieder etwas Oldfield-iger und mit „Dreaming In The Wind“ werden sogar schwache Erinnerungen an „Moonlight Shadow“ wach. Die zweite Hälfte der Platte ist musikalisch dann auch wesentlich stärker. Zwei der (leider) wenigen Highlights des Albums sind die kraftvollen Rocksongs „Nuclear“ und „Chariots” – Mike Oldfield vergleicht die Botschaft des Songs gar mit der von „Shadow On The Wall“ –, nur übertroffen vom ruhigen und melodischen „Following The Angels“.

Ist es fair, einen Künstler stets an seinem größten Erfolg zu messen? Sicher nicht, aber jeder Hit hat seine Berechtigung, einen Grund, warum so viele Menschen sich von ihm angesprochen fühlen. „Man On The Rocks“ ist kein starkes Album, aber auch bei Weitem kein schlechtes. Allerdings erinnern die Texte doch zu oft an den Abschied eines alten Mannes und die dahinplätschernde Musik wird einem Multiinstrumentalisten und musikalischen Genie nicht gerecht.

Mike Oldfield – offizielle Homepage

(Kathrin Tschorn)