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  • Release Date: Februar 13, 2015
  • Catalog No: B00RBX9LZO
  • Label: Caroline/Universal Music
  • Type: Pop und Singer-Songwriter
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Marika Hackman: We Slept At Last

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Schlafen gehen mit Marika Hackman

Zugegeben, die Überschrift klingt erstmal nicht so nett, als sei Marika Hackmans Debütalbum eine einzige Schlaftablette. Dabei ist die Bedeutung eine ganz andere: Die junge Londonerin schafft es mit „We Slept At Last“, einen mit ihren sphärischen Arrangements in dieses lullige Gefühl kurz vor dem Einschlafen zu versetzen, wenn alles in Ordnung, warm und stressfrei ist.

Marika Hackman ist eine Künstlerin, die eher proto-feministische Werke zitiert, als sich nach den Erwartungen eines Publikums zu richten, das mit einer weiteren hübschen Sängerin rechnet – mit netten Songs, die es gleich wieder vergessen kann. Doch die Londonerin hat wesentlich mehr Substanz und lotet in ihrem Debütwerk „We Slept At Last“ aus, was modernes Songwriting heutzutage sein kann und vor allem sein sollte.

Nun mag man bei Texten voller Abgründe und tiefer Gefühle nicht unbedingt daran denken, ins Bett zu gehen, aber die wahrhaften Stars auf „We Slept At Last“ sind die facettenreichen Arrangements einer jungen, angstfreien und talentierten Musikerin, die sich einem zuweilen erst beim dritten oder vierten Hören vollkommen erschließen.

Eine Stimme wie ein Reh im Scheinwerferlicht: Marika Hackman (Foto: Pip for Dirty Hit Records)

Eine Stimme wie ein Reh im Scheinwerferlicht: Marika Hackman (Foto: Pip for Dirty Hit Records)

So entfaltet sich die zurückhaltende Wildheit der in „Open Wide“ eingeflochtenen Gitarrenriffs erst allmählich, entwickelt sich ein irisch-folkloriger Hintergrund bei „Monday Afternoon“ oder die Mischung zarten Gesangs mit dysfunktionalen, aber melodischen Hintergründen hin zum klanglichen Abstieg in die Unterwelt in „Drown“, wie es sonst nur Azure Ray so perfekt beherrschen. Demgegenüber steht dann allerdings ein durchaus radiotaugliches Popwerk wie „Animal Fear“, was beweist, dass hier jemand ist, der mehr kann als düster und traurig.

Zusammengehalten wird „We Slept At Last“ von Marika Hackmans zarter Indie-Stimme, die einerseits eine scheue Kraft – wie ein Reh im Scheinwerferlicht – besitzt, sich andererseits aber nie vom tieftraurigen Unterton des Gesamtwerks entfernt. Ziemlich harter Tobak für eine 23-Jährige. Aber zweifellos gut gemacht.

„We Slept At Last“ ist ein Album, das sich zurücksehnt zur Hochkultur der Indiesounds und sich gleichzeitig nicht scheut, unkonventionelle Wege zu gehen. Dabei bleibt Marika Hackman hintergründig und dermaßen experimentell, dass selbst ein so ruhiges Werk keine Langeweile aufkommen lässt.
Anspieltipp: „Ophelia“


Marika Hackmann – offizielle Homepage

Marika Hackmann – Facebook

(Kathrin Tschorn)