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DIRKSCHNEIDER in München: Brüll zum Abschied ganz laut “Servus” (Accept)

Dirkschneider – Back To The Roots Tour 2016 – live in München
Donnerstag, 31.03.2016, Backstage Werk
Support: Palace, Anvil

Es sollte ein denkwürdiger Abend werden, dieser Donnerstag, der 31.03.2016. Frontröhre Udo Dirkschneider kündigte an, zum letzten Mal seine Songs aus seiner erfolgreichen Accept Ära zu spielen, um dann dieses metallische Kapitel endgültig abschließen zu können.

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Palace

Der Einlass erfolgte ungewöhnlich früh, bereits um 18:00 Uhr. ANVIL waren als Support erwartet und so fragte sich mancher Fan, ob denn Udo jetzt schon in dem Alter sei, in dem er seinen 10-stündigen Schönheitschlaf braucht… wie sollte man den frühen Konzertbeginn von 19:00 Uhr sonst erklären? Das Licht wurde gedimmt und nein, nicht Anvil betraten die Bühne sondern ein Quartett welches auf den Namen PALACE reagierte und aus dem schönen Speyer stammte. Wenige hatten bisher von den Jungs gehört, obwohl diese bereits sieben (!) Alben auf dem Buckel haben. Das Werk war noch spärlich gefüllt, allerdings ließen sich Palace davon nicht beirren und feuerten ein fettes Brett Heavy Metal in die anwesende Meute. Druckvoll, direkt und ohne große Schnörkel spielten sie ein Set, perfekt um den Laden auf Betriebstemperatur zu bringen.

Anvil

Anvil

Obwohl ANVIL noch gar nicht auf der Bühne erschienen waren, stieg die Hitze im Werk, welches sich langsam zu füllen begann, immer weiter. Als die drei kanadischen Frohnaturen die Bühne enterten, brachten sie direkt einiges an Bewegung in die Fans. Shouter und Gitarrist Steve „Lips“ Kudlow fegte mit festgetackertem Grinsen im Gesicht über die Bühne und verbreitete einfach nur gute Laune. „666“, „Badass Rock’n'Roll“ oder „Winged Assassins“ ließen die Haare der Fans fliegen und erweckten die teils noch müden Nasen im Publikum zum Leben. „Free As The Wind“ ging als Hommage an den unvergessenen und im Dezember viel zu früh verstorbenen Lemmy. Lips ließ seine Klampfe glühen und mit „Die For A Lie“ und „Metal On Metal“ holten sie noch einmal das letzte an Energie aus den Fans und sich selbst heraus, bevor das Trio unter viel Applaus die Bühne verließ.

Udo Dirkschneider

Udo Dirkschneider

Die letzte Umbaupause wurde genutzt, um der Dehydrierung vorzubeugen und den Promillepegel der Temperatur im Werk anzupassen, welche leicht tropische Ausmaße annahm. Verschwitzte Shirts und feuchte Haare in den vordersten Reihen und noch kein Headliner in Sicht. Doch die Treibhausatmosphäre tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Aus den Lautsprechern dudelte David Lee Roth’s „I’m Just A Gigolo“, gleißend helle Strobo-Lampen ließen einen fast erblinden, als endlich die versengte Netzhaut den „German Tank“, wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, erblickte. Und wie es sich für einen teutonischen Metal-Panzer gehörte, fackelte dieser auch nicht lange, sondern haute gleich ordentlich auf die Zwölf und direkt in die Fresse mit Songs wie „Starlight“, „Flash Rockin’ Man“, „Midnight Mover“ oder „Head Over Heals“. Gitarrist Kasperi Heikkinen flirtete ordentlich mit den Fotografen und warf sich immer wieder in Pose, Bassmonster Fitty zog in seiner coolen, lässigen Art nach, Udos Filius Sven verprügelte derweil seine Drums nach Strich und Faden, während Gitarrist Andrey Smirnov geniale Riffpassagen im Akkord vom Stapel ließ. Udo röhrte sich nicht nur bei „Princess Of The Dawn“ die Seele aus dem Leib und die Fans feierten die Songs frenetisch ab und sangen lauthals im Chor mit. Wer dachte lauter geht nicht, wurde bei den Zugaben eines Besseren belehrt. Denn was wäre ein Accept Abend ohne „Metal Heart“ und „Balls To The Wall“?

Udo schrieb mit Accept und seiner unverwechselbaren Stimme ein Stück Musikgeschichte. Doch jede Ära geht irgendwann zu Ende. Mit diesem einzigartigen Konzertereignis machte er seinen Fans das wohl schönste Geschenk überhaupt. Aus der Metal-Landschaft verschwindet der „German Tank“ noch lange nicht und wird auch weiter mit seiner Band U.D.O. durch die Lande lärmen…

(Fotos & Bericht: Sandra Baumgartl)