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Die erste CD: Der Urknall des digitalen Audio-Zeitalters

Heute vor genau 31 Jahren, am 2. März 1983, sind die Compact Disc und das dazugehörige Abspielgerät, der CD-Player, auf dem Trampelpfad der Weltgeschichte erschienen. Rückblickend wird dieses Datum gerne als Beginn der digitalen Audio-Ära bezeichnet, auch wenn die Entwicklung hin zu dieser genialen Verschmelzung von Kunststoff-, Metall- und Laser-Technologie schon weitaus früher begonnen hatte. Um das optische Speichermedium für Musik und seine Entstehung ranken sich viele Legenden. Fakt ist, dass die CD die Musikwelt revolutioniert hat. Aber hat sie heute, drei Jahrzehnte nach ihrer Geburt, überhaupt noch eine Überlebenschance?

 

Die CD hat sich seit ihrer Geburt kaum verändert / Foto: Irargerich (Creative Commons)

Die CD hat sich seit ihrer Geburt kaum verändert / Foto: Irargerich (Creative Commons)

Wie die CD geboren wurde

In den 1970er Jahren feierte man erste Erfolge mit der optischen Aufzeichnung von Bildsignalen. In der Audio-Welt ärgerte man sich derweil über das – bei Nostalgikern heute so beliebte – Rauschen und den ständigen Scheibenwechsel bei Schallplatten. Daher forschte man nach einer Möglichkeit, auch Musik digital wiedergeben zu können. Beide Vorhaben überschnitten sich, sodass sich die Firmen Sony und Philips zusammentaten, um eine digitale Wiedergabedisk für Audiodaten zu entwickeln. Die Vorarbeiten, die Philips bei der Entwicklung seiner „Compact Disc“ – der Name leitete sich von seinem Vorreiter, der „Compact Cassette“, ab – geleistet hatte, mündeten schlussendlich in der Erfindung der CD, wie wir sie heute kennen.

Was hat die CD mit Beethoven zu tun?

Einer der vielen Mythen, die sich um die Entstehung der CD ranken, ist die Geschichte, wie es zu ihrer Größe und damit Spieldauer gekommen ist. Angeblich soll der damalige Sony-Vizepräsident, der ausgebildeter Opernsänger war, sich gewünscht haben, Ludwig van Beethovens „Neunte Sinfonie“ in voller Länge hören zu können, ohne den Tonträger wechseln zu müssen. Die damals längste verfügbare Version lief 74 Minuten und bedingte somit einen Scheibendurchmesser von zwölf Zentimetern. Einige Entwickler argumentierten, dass ein solch großer Datenträger nicht in Anzugtaschen passen würde, woraufhin Sony Anzüge aus aller Welt vermaß und das Gegenteil bewies.
Die Entwicklung der CD ging „klassisch“ weiter, denn auch die erste Test-CD, die in Deutschland von Polydor gepresst wurde, enthielt ein Werk der klassischen Musik: „Eine Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Erste industrielle Produktion war das letzte ABBA-Werk „The Visitors“. Erstes CD-Album auf dem Markt war dann aber doch Billy Joels „52nd Street“, das am 1. Oktober 1982 in Japan erschien.

 

Der Philips CD-100, einer der ersten CD-Spieler / Foto: Elsie esq. (Creative Commons)

Der Philips CD-100, einer der ersten CD-Spieler / Foto: Elsie esq. (Creative Commons)

Wie funktioniert eine CD?

Die kleine silberne Scheibe besteht aus Kunststoffen, einer dünnen Metallschicht und einer Schutzlackierung. Obwohl man Maschinen zur Herstellung von CDs heute noch Presswerke nennt, werden sie nicht wie Schallplatten gepresst, sondern mit Spritzgussmaschinen gespritzt. Wie ihre Vorgänger besitzen CDs eine nach außen verlaufende spiralförmige Spur, auf der die Informationen als digitaler Code gespeichert sind. In einem CD-Player tastet ein Laser diese Informationen von unten ab, sodass das Gerät die gespeicherten Daten wiedergeben kann. Erster CD-Player war 1982 der Sony CDP-101, der in Deutschland später gemeinsam mit dem Philips CD-100 auf den Markt kam.

Welche Zukunft hat die CD?

Obwohl die ersten CDs und CD-Spieler bereits 1982 kommerziell erhältlich waren, gilt der 2. März 1983 als Urknall der digitalen Audio-Revolution, als in den USA und anderen Ländern ein Sampler mit 16 Titeln erschien. Für Musikliebhaber eröffnete sich eine völlig neue Klangwelt, weshalb die CD schnell an Beliebtheit gewann. Das erste Mal durchbrachen die Dire Straits die Millionenmarke verkaufter CDs mit ihrem Album „Brothers in Arms“. Im Jahr 2001 lag der Absatz von CDs in Deutschland bei einer Rekordhöhe von 133,7 Millionen Stück, ist seitdem aber stetig rückläufig. Neuere, platzsparende Speichermethoden sowie das MP3-Format und virtuelle Plattformen zum Musik-Download machen der CD ihren Platz streitig – so wie sie es einst mit der Schallplatte tat. Die neuen Entwicklungen bringen viele Vorteile mit sich und passen sich an die Bedürfnisse heutiger User an. Frei nach der Evolutionstheorie werden sie sich also durchsetzten – bis eine besser angepasste Spezies von Musikdatenträgern erfunden wird. Aber so wie es heute noch Liebhaber von Vinyl-Platten gibt, werden sich in einigen Jahren vielleicht auch CD-Nostalgiker zusammenfinden.

(Kathrin Tschorn)

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