From the Blog

Deathstars: Dirty Talk im 3.Kreis der Hölle (mit Elch und den Kardashians)

Wenn sowohl Männer, als auch Frauen sich halbnackt in Richtung Bühne drängen, steht eindeutig fest: Die Deathstars sind im Haus! Im Zeichen ihres zackigen Deathglam und Industrial Metal veröffentlichen die Schweden um Lustknabe Whiplasher Bernadotte alias Andreas Bergh nach viel zu langer Wartepause endlich ihr viertes Studioalbum “THE PERFECT CULT” – und somit wieder einmal eine Scheibe, die klingt, wie schmutziger Sex auf klinisch sterilem Boden.
Passend zum konsequent eingehaltenen Rock’n’Roll Klischee entpuppt sich auch Frontsänger Whiplasher in dem Telefoninterview als nackiger Lüstling, also entschuldigt die Smalltalk-Passagen, die das Gespräch jedoch mächtig verfälscht hätten, wenn man sie nicht transkribiert hätte. Also genießt nun jede Menge interessante Philosophien über Elche, Kim Kardashian und Spiegel neben dem Bett…

Anne: Hallo?

Whiplasher: Hallo… hier ist Andreas von den Deathstars. Anne… was hast du gerade an?

Das kleine Schwarze natürlich. Und du?

Ach, ich sitze hier… nackt. So mag ich es am liebsten.

Na für’s Adamskostüm wäre es hier ein bisschen zu kalt, Mann!

Ja, hier eigentlich auch, es regnet und ist schweinekalt. Nun ja – wie geht es dir?

Die Deathstars und was bei Drei nicht auf den Bäumen ist... (Foto:  Linda Åkerberg)

Die Deathstars und was bei Drei nicht auf den Bäumen ist…
(Foto: Linda Åkerberg)

Prächtig, ich habe die letzten Tage genutzt, um mir euer neues Album anzuhören, es ist ja wirklich klasse.

Ja, das sind sie meistens.

Ich weiß. Also, zu „The Perfect Cult“ – wie sähe denn für dich der perfekte Kult aus?

Ääähm… (lange Pause) vermutlich genau so wie jetzt, irgendwo nackt in der Gegend herumliegen und chillen. Über nichts großartig nachdenken. Und mit dir über Rockmusik reden. Naja, der Titel ist eigentlich nur eine ironische Idee, da ein Kult ja eigentlich immer unperfekt ist, es symbolisiert eher das Leben ohne jegliche Glaubensrichtung und die Tatsache, dass wir alles tun, was uns gefällt, ohne groß zu überlegen. Viele Songs auf dem Album folgen diesem Motto.

Auf deiner Facebookseite hattest du auch mal erwähnt, dass viele deiner neuen Texte von philosophischen Büchern zum Thema Nihilismus inspiriert wurden, wie „Schuld Und Sühne“ zum Beispiel… Das wunderte mich doch etwas, weil ihr ja nun nicht immer die bierernsteste aller Bands seid…

Ja, auch wenn thematisch um ganz andere Sachen in meinen Lyrics geht, greife ich einiges davon auf und wenn ich nun auf die fertigen Songs zurückblicke, merke ich doch, dass sie viel mit Nihilismus zu tun haben und gegen die üblichen moralischen Vorstellungen der Gesellschaft rebellieren… Bisher gingen es in unseren Alben meist darum, sich selbst herauszufordern und neue Kicks zu finden, zu schauen, wie tief man gehen kann, ohne sich komplett zu zerstören. Und vor allem wie sehr man Selbstzerstörung zelebrieren UND sich dabei gut fühlen kann. Auf diesem Album ist es etwas anders, es ist sogar noch düsterer, weil es kein Happy End hat. Bei „Night Electric Night“ und „Termination Bliss“ hieß das Ende vom Lied noch, dass man zwar viel Scheiße durchmachen muss, letztendlich jedoch gestärkt aus dem Trauma hervorgeht, jetzt hingegen führt das Ende direkt hinunter in die Hölle – wenn auch mit ziemlich heißem Stil!

Wenn du dich selbst betrachtest und deine Erfahrungen: Wie tief in die Hölle bist du schon hinabgestiegen in deinem Leben?

Oh, ich bin schon auf dem Weg zu dem ganz tiefsten Zirkel von Dantes Inferno… Und vermutlich werde ich erfroren in einem eiskalten See enden, zusammen mit dem Teufel, aber momentan befinde ich mich erst im dritten Zirkel oder so!
Nein, ich glaube auf diesem Album ging es viel um Stockholm, ich war einfach so entnervt davon, dort zu leben, ich bin eine sehr ruhelose Person und fühlte mich dort wie in einem Gefängnis. Einst habe ich da gern gelebt, aber ich bin zu lange dort geblieben und musste dann einfach wegziehen, weil ich so frustriert war, dass ich es an allem auslassen und mich wieder in Exzesse stürzen wollte.

Oberoffizier des Deathglam: Sänger Whiplasher Bernadotte (foto: Linda Akerberg)

Oberoffizier des Deathglam: Sänger Whiplasher Bernadotte (foto: Linda Akerberg)

Wo wohnst du denn mittlerweile, du hast ja mittlerweile fast überall einmal in Europa gelebt…

Jetzt wohne ich in Florenz, Italien und es ist super, endlich fühle ich mich wieder ruhig. Noch nie war ich irgendwo derart Zuhause wie dort, die Geschichte, die Kultur, es passt einfach zu mir und diese Stadt ist so reich an Schönheit und interessanten Dingen, dass du dich fühlst, als seist du mitten in der Geschichte der Menschheit gelandet, weil dort so viel passiert ist. Man fühlt sich so klein in dieser ganzen Zeitlinie. Aber momentan sitze ich in Norwegen, mitten in den Wäldern, das nächste Dorf ist 40 Kilometer entfernt!

…kackst du etwa in den Wald? Nein, aber ernsthaft, was tust du dort?

Meine Familie lebt hier und hat eine riesige Farm, Pferde, Schafe, Katzen, Hunde… und ziemlich viele Elche. Gestern habe ich zehn Stück gesehen – du kannst also gern herkommen zum Elch-Sightseeing. Aber die sind ziemlich aggressiv zu dieser Jahreszeit. Soll ich dir mehr über unsere Elche erzählen?

Nein, lass uns lieber mal zu euren Stage-Outfits kommen, woher habt ihr die, insbesondere auch eure Armee-Clips und Pins? Sind die echt oder stöbert ihr nach denen auf Ebay?

Die sind alle aus Elchfell gemacht! Und ich nähe sie nachts heimlich in den Wäldern zusammen. Nein, wir haben unsere eigenen Schneider, die uns seit Jahren mit Kostümen versorgen – dass wir Uniformen tragen ist zwar nicht wirklich originell, aber es passt einfach zu unserer Musik, sehr zackig und strikt. Unsere Medaillen haben wir vom schwedischen Königshaus bekommen und der Armee und wir tragen sie mit stolz, schließlich gehöre ich zur Royal Family (lacht)

Jetzt wo Cat ja leider aus der Band ausgestiegen ist, wer ist nun das „Mädchen“ in der Band?

Hmm… keine Ahnung, was hast du so die nächsten zwei Jahre vor? Es ist ein schwerer Verlust für uns, dass Cat gegangen ist, wir waren sehr enge Freunde, aber er wollte einfach etwas anderes anfangen und das respektieren wir natürlich. Aber jetzt machen wir erst einmal zu viert weiter und schauen, was passiert, eines Tages werden wir vielleicht ein weiteres Mitglied in die „Familie“ aufnehmen, aber vorerst nicht. Und wer nun die Lady in der Band ist..? Vermutlich muss ich diese Rolle übernehmen!

Warum?

Keine Ahnung, wäre interessant für eine Weile Cat zu sein! Und im Tourbus mit einem Spiegel zu schlafen, wo ich mich chronisch anschauen kann. Er musste sich immer selbst angucken, weil er sich für das schönste Wesen auf Erden hielt. Das Erste, was er tat, wenn er in den Bus kam, war, dass er ein ganzes Set an Fotos von sich selbst aufgehängt hat und einen Spiegel in seiner Schlafkoje montierte, damit er sich beim Masturbieren zusehen konnte.

Komm, das hast du doch jetzt erfunden!

Nein, es ist wahr!! Ich habe es schon öfter Magazinen erzählt und keiner will es glauben, aber es stimmt – und eine solche Person muss man dann einfach vermissen, wenn sie nicht mehr in der Band ist!

(Foto: )

Komm auf die dunkle Seite – die haben Elche! (Foto: Nicko Guihal)

Und was ist in deiner Koje? Was hängst du dort auf?

Haut von toten Elchen!

Du sagtest bereits, dass jeder Song auf dem neuen Album jeweils über eine Phase deines eigenen Lebens geschrieben wurde, was für die Deathstars ja etwas völlig Neues ist – möchtest du uns eine der Situationen verraten, zu der du ein Lied geschrieben hast?

Ja, die Texte sind definitiv etwas anderes, ich habe immer vermieden über konkrete Themen zu schreiben, aber diesmal sind die Lyrics wesentlich visueller gestaltet und beziehen sich auf direkte Events, sind fast cineastisch. „Explode“ schrieb ich direkt im Studio neu, nachdem ein Familienmitglied von mir starb – ich weiß, das glaubt man nicht, wenn man den Song hört, weil er absolut keine Ballade ist und sehr rockig klingt, aber es war für mich eine Methode damit umzugehen. Deshalb bin ich jetzt auch gerade in Norwegen, auf Grund des Begräbnisses. Aber wir möchten nicht nur über hochbedeutsame Dinge singen, denn letztendlich sind wir nur eine Rockband, deswegen geht es in unseren Texten auch oft nur um Banales.

Hört ihr eigentlich nach wie vor in eurem Tourbus nur 80er Jahre Musik? Du hattest ja einmal gesagt, dass du dich kein bisschen mit neueren Bands auskennst.

Ja, wir hören es immer noch – aber nicht mehr so viel wie früher, weil Nightmare [Industries, Gitarrist] mir und Skinny deshalb schon aktive Sterbehilfe angeboten hat, wenn wir nicht sofort aufhören und ununterbrochen dieselben 100 Songs immer wieder spielen. Aber Skinny und ich haben meist einen eigenen Raum für uns, in dem wir nur 80er Jahre Kram spielen.

Was ist denn dein Lieblingssong aus der Zeit?

Hmmm… als ich kürzlich in mein Appartement in Florenz kam, fand ich einen Typen, der Mitten am Tage stockbesoffen war, alle Fenster offen hatte und unfassbar laut „Angie“ von den Rolling Stones spielte – und in dem Moment dachte ich mir, dass das wohl der beste Song ist, der je geschrieben wurde!

Am 13. Juni erscheint das neue Album "The Perfect Cult" bei Nuclear Blast

Am 13. Juni erscheint das neue Album “The Perfect Cult” bei Nuclear Blast

Awww – gute Wahl. So, aber nun mal Klartext: Was kannst du als großer Casanova für Sextipps geben?

Ich?! Eher glaube ich, dass man mir Ratschläge geben sollte! Aber ich denke, das beste im Leben ist eigentlich, ein Kerl zu sein – wegen all der tollen Mädels! Die ganze Welt ist wie ein Süßigkeitenladen! Ich fühle mich, als würde ich jeden Tag in einen Freizeitpark spazieren dürfen, immer wenn ich ein Mädchen sehe, dann stelle ich mir nur noch die Frage, welche Achterbahn ich zuerst besteigen soll (lacht)

Aber jedes Mädchen kostet Eintritt, das weißt du ja… So, zu guter letzt: Was wolltest du schon immer mal klarstellen in einem Interview?

Oh ja, eine Sache gibt es: Das mit Kim Kardashian und mir ist nicht wahr. Die Gerüchte sind falsch, da lief nichts. Zu keiner Zeit (lange Pause). Mit ihren Schwestern hingegen…

 

(Anne Catherine Swallow)

Comments are closed.

error: Content is protected !!