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Das Gothic-Mekka M’ERA LUNA: Nachbericht von Tag 1

Wenn der Mond über Hildesheim sogar am Tag scheint, kann dies nur bedeuten, dass das weltweit größte Gothicfestival wieder seine Höllenpforten geöffnet hat und 25.000 schwarze, neonbunte und extravagant gekleidete Seelen aus aller Welt anlockt. Über zwei Tage wird auf dem Flugplatz im Süden Niedersachsens das M’ERA LUNA zelebriert und auch dieses Jahr gab es wieder namhafte Größen wie ROB ZOMBIE, aber auch geniale Geheimtipps zu bewundern.

Sorgen für Rekordandrang am frühen Morgen: Versengold

Sorgen für Rekordandrang am frühen Morgen: Versengold

Selten zuvor war bereits um 11 Uhr so viel Andrang vor der Mainstage wie für den Symphonic Metal Nachwuchs von ELVELLON. Die gelegentlichen Regentropfen scheinen die schwarze Menschentraube nicht zu stören und man merkt sofort: Hildesheim ist in Partystimmung. Zwar wirkt die Performance von Frontsängerin Nele noch ein wenig statisch, musikalisch macht die junge Crew aus Moers jedoch eine tolle Figur und fegt mit nightwishigen Klängen durch ihr leider nur zwanzigminütiges Set.

Was VERSENGOLD am immer noch unchristlichen frühen Morgen liefern, ist schlichtweg beeindruckend. Die Mittelaltergesellen sorgen für ein derartiges Getanze und Geschunkel wie noch nie so früh beim M’ERA LUNA erlebt und wer da noch behauptet, die schwarze Szene sei distanziert und miesgelaunt, hat garantiert das Set verschlafen, denn die geballte gute Laune der Band überträgt sich ungefiltert auf das Publikum.

Auch COPPELIUS haben dieses Jahr wieder die volle Sympathie auf ihrer Seite, auch wenn das Mikro mehrmals plötzliche Herztode erleidet und diverse Soundprobleme der Band das Leben schwer macht. Doch die Truppe erweist sich wieder einmal als absolute Profis und definitiv als einzige Band, die Klarinetten benutzen kann, ohne für Massenpanik und Fluchtversuche zu sorgen.

Die deutschen Misfits: The Other

Die deutschen Misfits: The Other

Als THE OTHER auf ihren Friedhof einladen, wird es im Hangar herrlich punkig. Mit aufwändigem Zombie Make Up und irren Kostümen beweisen die Herren um Frontmann Rod Usher, dass sie nicht grundlos an der Spitze der deutschen Horrorpunkbewegung stehen und sich nicht mehr hinter ihren Idolen, den Misfits, verstecken müssen. Wer bei den spukigen Songs textsicher ist, grölt lauthals mit, alle anderen bekommen mit inbrünstigen „Oohooos“ und „Aaahaaas“ aber ebenfalls auf ihre Stimmbandkosten, auch wenn der Sound des Hangar wie so häufig etwas blechdosig klingt.

Noch eine Spur rabiater und mindestens genauso creepy wird es bei den Neue Deutsche Härte Gestalten von OST+FRONT, deren Gesangsbulle Herrmann alles andere als flauschig und dezent die Show eröffnet mit seinem blutverschmierten Glatzkopflook. Auch musikalisch legt die Truppe einen für M’ERA LUNA Verhältnisse heftig stampfenden Ton an den Tag, anhand der vielen Bandshirts ist jedoch gleich zu erkennen, dass viele Fans vor Ort sind und die Gothicszene auch harte Klänge locker einsteckt. Etwas rabiat boxt die ganze Band sich durch den Bühnengraben, bietet auf der Absperrung engsten Körperkontakt mit ihren Fans und lässt sich feiern.

Lord Of The Lost

Lord Of The Lost

LORD OF THE LOST kommen mit ihrem elektronisch angehauchten Dark Rock wesentlich melodischer daher und ziehen besonders die weiblichen Fans in die ersten Reihen. Vielseitig und charismatisch geben die Hamburger Songs ihrer sechs Alben zum Besten, die sie im durchschnittlichen Abstand von einem Jahr auf die Menschheit lospfeffern und dementsprechend eifrig sind sie auch beim Performen und können somit bereit ihre Anwesenheit beim M’ERA LUNA 2016 ankündigen. Workoholics pur!

In einer ähnlichen Musikrichtung wüten die schwedischen DEATHSTARS danach über die Bühne und wie immer zeigt Sexgott Whiplasher sich von seiner charmantesten Seite. Tiefe Stimme, elektrischer Gitarrensound und Ohrwurmmelodien liefern ein Highlight nach dem nächsten, Klassiker wie ‘Cyanide’ reihen sich neben Tracks ihren aktuellen Albums „The Perfect Cult“ ein, um mit ‘Blitzkrieg’ ihr viel zu kurzes Set voller schwarzem Humor und zweideutigen Anspielungen zu beenden.

Dudelsackprofis Saltatio Mortis

Die Dudelsackprofis Saltatio Mortis

Kaum eine Band schafft es, Mittelalterrock mit so tiefgründigen Messages zu versehen und doch so animalisch Party zu machen wie SALTATIO MORTIS. Angeführt von dem gutgelaunten Frontgaukler Alea machen die Spielmänner beste Werbung für ihr kommende Woche erscheinendes Album „Zirkus Zeitgeist“, das wie seine Vorgänger beste Chancen auf eine Poleposition in den Charts aufweist und somit endlich die These widerlegen könnte, dass nicht alles, was in den Top 10 herumlungert, hirntot macht. Besonders genial ist, dass Alea sich sogar nach dem schweißtreibenden Set noch über zwanzig Minuten Zeit nimmt, seinen Fans in den ersten Reihe Autogramme zu schreiben und zahlreiche Hände zu schütteln. Feierungswürdige Geste nach einer feierungswürdigen Show.

Auch dieses Jahr dürfen BLUTENGEL natürlich nicht im Line Up fehlen. Mit ihrem Elektro-Gothic-Mix und Chris Pohls markanter Stimme haben die Berliner sich unlängst einen Stammplatz auf dem M’ERA LUNA erspielt, dass es sich bald für die Truppe lohnen würde, eine Ferienwohnung in Hildesheim anzumieten. Mit Feuerspuckern, wildem Getanze im Hintergrund und heißen Ladies auf der Bühne ist die Band auch dieses Jahr wieder ein Hingucker und sorgt für einen Massendancefloor auf dem Asphalt vor der Bühne.

Keiner fackelt so schön wie ASP

Keiner fackelt so schön wie ASP

Warum dem kultigen Schockrocker ROB ZOMBIE nicht der Headlinerslot zugesprochen wurde, versteht keiner so wirklich, denn mit seinen Hits wie ‘Living Dead Girl’ oder ‘Superbeast’ ist der Fransenrocker mit den engen Schlaghosen längst zur Legende mutiert. Leider liefert er nur eine abgespeckte Version seiner sonst so irre mit Special Effects, Robotern und Pyros überladenen Show ab, doch die in Deutschland zu Gesicht zu bekommen, grenzt n ein Wunder, sodass seine Fans sich auch nur mit der blanken Performance der charismatischen Truppe zufrieden gibt. Warum Herr Zombie aber seine kurze Spielzeit noch unbedingt mit Schlagzeug- und Gitarrensoli, sowie zwei Covern von den Ramones und Alice Cooper füllen muss, ist eher fragwürdig.

Alle Jahre wieder kommt das Wechselbalg und so konnte ASP auch 2015 wieder seinen Stammplatz beim M’ERA LUNA ergattern. Sichtlich gerührt von dem gewaltigen Andrang vor der Bühne lässt der Gruftmeister zwar etwas zu zuckersüßliche Reden ab, seine Hits wie ‘Ich will brennen’ oder ‘Krabat’ überzeugen jedoch auf voller Länge und die aufwändige Pyroshow erledigt den Rest. Selbst nach 15 Jahren Karriere wird dies garantiert nicht ASPs letzter Auftritt bei dem Festival sein.

Weitere Bilder der Bands und Fans von Samstag gibt es natürlich in unserer Galerie!

(Anne Catherine Swallow)