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Clawfinger – 25 Years Deafer, Dumber, Blinder

Wenn ein Act über fünfundzwanzig Jahre Bandgeschichte aufweisen kann, dann heißt das in der aktuellen, sehr schnelllebigen Zeit schon eine Menge. Clawfinger ist eine dieser Ausnahmeerscheinungen. In den Neunzigern gehörte unter anderem Rammstein zu ihrem Vorprogramm, der Rest ist Geschichte. Nichtsdestotrotz lassen es sich die fünf sympathischen Skandinavier nicht nehmen, die Veröffentlichung ihres Debutalbums vor fünfundzwanzig Jahren gebührend zu feiern. Mit zehn Konzerten in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und einem Gig in London ziehen sie bis Anfang Dezember durch Europa. Ob große oder kleine Hallen, bei Clawfinger ist das eigentlich egal, ich habe die Jungs noch nie schlecht performen sehen. Am Donnerstag, den 22.11., war es dann für München soweit. Das Konzert im Technikum war schon zwei Monate im Voraus ausverkauft. Karten gab es nur noch wegen Unpässlichkeit. So ein Konzert wollte sich dann doch keiner entgehen lassen!

Vor den Jubilaren gab es zum Warm-Up die Zirkusrocker von apRon auf die Ohren. Drei Konzerte auf dieser Tour durch Deutschland durften die vier Münchner supporten: Bochum, Hamburg und eben München. Vom musikalischen Standpunkt passten sie ganz gut zu Clawfinger. Laut eigener Aussage irgendwo zwischen EAV und System of a Down stilistisch angesiedelt, verpassten sie dem Vorprogramm eine eigene Note. Passend zu seinem Künstlernamen Medusa wirbelte derselbe seine Dreads durch die Luft und zeigte mit seinen unter Schwarzlicht leuchtenden Drumsticks sein Können. apRon brachten das Technikum gut auf Betriebstemperatur und beendeten ihre Show mit einem Konfettiregen.

Was dann kam, hatte man eigentlich so erwartet und wurde auch nicht enttäuscht. Clawfinger starteten mit „Nigger“ ihren Teil des Abends, dem Song mit dem sie quasi ihre Karriere begonnen hatten. Den Songs ihres Debutalbums merkt man die fünfundzwanzig Jahre auf dem Buckel kein Stück an. Danach knallten Clawfinger wie in den 90ern „The Truth“ raus. Mit einer Anekdote über ihr Kennenlernen beim Zivildienst im Altenheim ging es über „Rosegrove“ und zu „Don’t Get Me Wrong“. Zu „Catch Me“ lässt sich Zak auf Händen einmal zum Mischer und wieder zurück zur Bühne tragen.

Was mich an Clawfinger so fasziniert, ist die unsagbar gute Laune und Stimmung die sie verbreiten. Ich habe sie schon in kleinen Clubs und auf großen Festivals wie dem With Full Force gesehen und es ist eigentlich egal, vor wie vielen Leuten sie spielen. Der Einsatz und die Spielfreude ist immer dieselbe und sie schaffen es noch dazu mühelos diese positiven Gefühle auf das Publikum zu übertragen. Trotz harter Riffs und klarer moralischer, sowie politischer Message ihrer Songs machen sie einfach Laune ohne einem ein schlechtes Gewissen einreden zu müssen: “We just have to watch what we call Nigger!”

Sänger Zak lässt es sich auch nicht nehmen dem Publikum auf der Empore im Technikum persönlich einen Besuch abzustatten, er klettert einfach über die Boxen hinauf. Clawfinger geben anderthalb Stunden Vollgas. Als Zugabe gibt es dann noch „Recipe for Hate“, „The Price we Pay“. Das fast schon obligatorische abschließende „Do what I say“ mündet wie immer in eine Gesangseinlage des Publikums und sichtlich gerührte Clawfinger verbeugen sich in ihren wohlverdienten Feierabend. Man darf hoffen, dass die Jungs nicht allzu lange auf sich warten lassen und bald wieder in München aufschlagen. So ein Abend mit Clawfinger schreit geradezu nach einer Wiederholung!

Setlist:
Nigger
The Truth
Rosegrove
Don’t get me wrong
I Need You
Catch Me
Warfair
Wonderful World
Sad to see you sorrow
I don’t care
Get it
Prisoners
None The Wiser
Money Power Glory
Nothing Going On
Two Sides
Pin Me Down
Biggest & The Best

Encore:
Recipe For Hate
The Price We Pay
Do What I Say

(Text+Bilder: Björn Engelke)

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