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Vanden Plas-10

VANDEN PLAS: Prog-Orkan über München (20.05.)

Freitag der 20.05.2016 stand in der Münchner Backstage Halle ganz im Zeichen des Prog Metal. Der kleinere Club nebenan setzte mit Stonewall Noise Orchestra und Deville eher auf deftigen Stonerrock und so strömten die Fans, welche man auch optisch leicht zuordnen konnte, ihren jeweiligen Favoriten entgegen.

Soul Secret

Soul Secret

Es ist kein leichter Part für Vanden Plas zu eröffnen, sind doch 99% der anwesenden Fans gekommen um die Herren um Andy Kuntz abzufeiern. Die Italiener von Soul Secret schlugen sich dennoch wacker und frickelten sich technisch perfekt durch ihr Set. Doch der Funke mochte auf die anwesenden Nasen einfach nicht richtig überspringen. Die Songs waren zu lang und zu vertrackt, um direkt zu zünden. Mal jazzlastig, dann im nächsten Moment wieder voller Druck und heavy ohne Ende, laut, leise, schnell, langsam – total abgedreht, ohne einen “roten Faden”, welcher sich durch die Songs zog. Der ständig drastisch wechselnde Rhythmus war auf Dauer sehr anstrengend und so hielt sich die Begeisterung doch eher in Grenzen, auch wenn es am Ende für das Quintett einen netten Applaus gab.

Vanden Plas

Vanden Plas

In einer kurzen Pause bereiteten fleißige Hände alles für den Headliner des Abends vor. Metallicas „Enter Sandman“ dröhnte aus den Boxen und erhellte das ein oder andere Gesicht mit einem fetten Grinsen, als Andy Kuntz und seine Mannen die Bühne enterten. Der Funke, welcher bei Soul Secret nicht recht überspringen wollte, entfachte vom ersten Augenblick an bei „Frequency“ ein Feuer und brachte, trotz der vielleicht nur max. 100 anwesenden Fans, das Backstage ordentlich auf Temperatur. Die Band strotzte vor Spielfreude, Andy stand kaum still und wirbelte über die Bühne, warf sich dabei immer wieder in Pose und ließ die lange Matte fliegen. Die textsicheren Anhänger grölten jeden Song aus tiefstem Herzen mit und dies in einer Lautstärke, dass man meinte in einer Halle mit tausend Leuten zu stehen – einfach grandios. Auch die Band war sichtlich überwältigt von solch großem Zuspruch. Mit “Christ O” und “Iodic Rain” ging ein lauer Konzertabend zu Ende, welcher mit einem mäßigen Lüftchen begann und sich dank Vanden Plas in einen ausgewachsenen Orkan verwandelte.

Prog Metal ist nicht unbedingt jedermanns Sache und auch keine leichte Kost. Doch Vanden Plas haben an diesem Abend bewiesen, dass man anspruchsvolle Songs auch mit eingängigen Melodien verbinden kann. Hinter großen Namen wie Dream Theater muss sich das Quintett auf keinen Fall verstecken. Warum eine Band auf diesem Niveau nie den ganz großen Durchbruch geschafft hat, bleibt ein Rätsel, doch ihre treuen Fans wissen genau was sie an Vanden Plas haben.

(Sandra Baumgartl)

©Sound Infection 2015