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Die Setlist für das Konzert im Berliner Tempodrom am 20. Mai 2014 (Foto: toriamos.tumblr.com)

Tori Amos verzaubert Berlin – wieder einmal

Auf einem Tori-Amos-Konzert wird weder wild getanzt noch ausgeflippt; auf einem Tori-Amos-Konzert beobachtet man eine Künstlerin bei der Arbeit – wie sie nach ihren ganz eigenen Vorstelllungen eine Leinwand aus Musik kreiert. Die 50-jährige Amerikanerin gilt als bizarr und extravagant. Aber gerade deshalb ist kein Konzert von ihr wie das andere. Für die Berliner gab es auf der aktuellen „Unrepentant Geraldines Tour 2014“ viele Klassiker, viel Neues und zwei ihrer begehrten Cover.

Die Setlist für das Konzert im Berliner Tempodrom am 20. Mai 2014 (Foto: toriamos.tumblr.com)

Die Setlist für das Konzert im Berliner Tempodrom am 20. Mai 2014 (Foto: toriamos.tumblr.com)

In ihrer fast 30-jährigen Karriere hat Tori Amos sich ständig neu erfunden – nicht nur sich selbst, sie hat ganze Charaktere erschaffen, um ihre Musik zu transportieren. Trotz über 12 Millionen verkaufter Alben, über 1.000 Live-Auftritten und zahllosen Auszeichnungen, hat sich Myra Ellen Amos, wie Toris Geburtsname lautet, aus North Carolina ihren Status als Geheimtipp, als Musikkünstlerin, als Liebhaberstück erhalten.

Zum unzähligsten Male stand – oder besser: saß – sie gestern im Berliner Tempodrom auf der Bühne. Die Rothaarige war ohne Band angereist, das heißt, es gab nur sie, ihr Bösendorfer und ein Keyboard. Virtuos spielt sie beide Instrumente gleichzeitig, wenn sie Songs aus ihrem neuen Album „Unrepentant Geraldines“ oder von den 13 Vorgängern spielt.

Wer glaubt, alles von Tori Amos zu kennen, muss sich immer wieder eines Besseren belehren lassen, wenn sie stetig neue Interpretationen mit anderen Schwerpunkten, Betonungen und Melodien altbekannter Lieblinge anbietet – von „Caught A Lite Sneeze“ über „Parasol“ und „Winter“ bis „Little Earthquakes“. Darüber hinaus kredenzt sie an diesem Abend auch noch zwei ihrer begehrten Coversongs: „River“ von Joni Mitchell und „Tide Is High“ von Blondie.

Tori Amos am Bösendorfer-Flügel (Foto: Stefan Hoederath)

Tori Amos am Bösendorfer-Flügel (Foto: Stefan Hoederath)

Obwohl ihr Bewegungsspielraum durch das Sitzen am Flügel eingeschränkt ist, sucht sie immer wieder den Kontakt zum Publikum, das vor ihr und zu beiden Seiten sitzt. Sie bewegt sich unablässig, kreuzt die Beine von links nach rechts und wieder zurück, hebt die Arme vom Klavier, um ihre Musik mit Gesten zu untermalen, und nutzt ihren Flügel auch als effektive Drum. Tori Amos ist eine Künstlerin, die ihre Musik lebt und atmet. Das spürt man als Zuschauer, während man selbst atemlos und ergriffen lauscht.

Letztlich hält die Fans dann doch nichts mehr auf den wohl unbequemsten Sitzen Berlins. Zum beliebten Hit „Cornflake Girl“ füllt sich das Stagepit und leert sich auch lange nach den drei Zugaben nicht mehr. Warum Tori Amos allerdings eine Art Morgenrock und etwas, das wie gelbe Putzhandschuhe aussah, als Bühnenoutfit wählte, wird wohl Geheimnis der Künstlerin bleiben.

Tori Amos – offizielle Homepage
Tori Amos – Facebook

(Kathrin Tschorn)

©Sound Infection 2015