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Suicidal Angels: Sirtaki im Moshpit

Am 06.03.15 wird uns im Münchener Backstage ein feines Paket um die Ohren gehauen. Die Suicidal Angels sind auf Tour und bringen als Support Angelus Apatrida und Dr. Living Dead mit. Gehört man der arbeitenden Bevölkerung an, dann kann es allerdings schon mal passieren, dass man den ersten Support oder Special Guest einer Tour verpasst, wenn das Konzert schon um 19 Uhr startet.

Angelus Apatria

Bei Angelus Apatrida fehlt noch der Schwung

Aber wir steigen bei Angelus Apatrida ein. Die Spanier spielen Thrash und man hört es ihnen an, dass Bands wie Iron Maiden, Megadeth oder Testament zu ihren Vorbildern gehören. Die ersten Matten fliegen, sogar ein kleiner Moshpit kommt zu Stande, aber echte Begeisterung beim Publikum sieht doch irgendwie anders aus. Vom Technischen her sind die drei Mannen um Sänger Guillermo Izquierdo perfekt, es fehlt aber einfach noch an Bühnenpräsenz. Und das überträgt sich auch auf das Publikum.

Dr. Living Dead

Alles andere als Totentanz: Dr. Living Dead

Bei Dr. Living Dead sieht die Sache schon ganz anders aus… Obwohl 2007 erst gegründet, haben die Schweden mit den Totenkopfmasken schon eine treue Fangemeinde hierzulande erobert. Mit viel Energie bringen Sie ihre ganz eigene, von Skate-Punk Einflüssen geprägte Form von Thrash Metal unters geneigte Volk. Und dies wird dankbar angenommen. Circle Pits und Nacken in Dauerrotation zeugen von der Gefälligkeit ihres Sounds und ihrer Bühnenperformance, in welche sie auch immer wieder das Publikum mit einbeziehen.

Vor der Bühne wird es langsam eng. Kurze Umbaupause und dann kommen die griechischen Thrash-Götter auf die Bühne und spätestens jetzt werden auch die letzten Old-School-Fans aus der Reserve gelockt. Kompromisslos und brutal knüppeln sie sich durch ihr Set und verlangen der moshenden Meute alles ab. Slayer-Klon hin oder her, die Jungs haben es einfach drauf. Nackenbrecher wie „Bloodbath“, „Reborn In Violence“ oder „Seed Of Evil“ knallen heftigst und Circle Pits und Walls of Death gibt es am laufenden Band. „Apokathilosis“ und „Bleeding Holocaust“ zocken die vier Griechen mit den unaussprechlichen Namen in einer Coolness, als gäbe es kein Morgen. Konnte man ihnen noch vor ein paar Jahren mangelnde Kommunikation vorwerfen, haben die Vier mittlerweile eine Menge dazu gelernt und verstehen es in jeder Minute ihrer Show die Headbanger in ihren Bann zu ziehen.

Suicidal Angels

Party mit den Suicidal Angels? Aber hallo!

Einmal mit der Band auf der Bühne stehen und abfeiern? Bei den Suicidal Angels kein Problem: „Moshing Crew“ wird wörtlich genommen und die Fans klettern auf die Bühne und bangen und moshen mit ihren Helden um die Wette. Der sympathische Vierer wird nicht müde Hände zu schütteln, Schultern zu klopfen und mit den Fans kurz für Fotos zu posen um dann anschließend die Menge glücklich und verschwitzt an den Bierstand zu verabschieden.

Stellte man sich noch vor ein paar Jahren die Frage, was aus dem Thrash werden soll, wenn die Großen der Branche wie Slayer, Metallica, Exodus, Testament, Overkill oder Kreator abtreten, so gibt es jetzt doch Licht am Ende des Tunnels. Bands wie die Suicidal Angels beweisen, dass Old-School-Thrash heute noch genauso klingen kann wie in den frühen Achzigern, als uns zum ersten Mal ein „Whiplash“ oder „Show No Mercy“ in die Gehörgänge gedrückt wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Niveau gehalten werden kann und sie diese old-school-Schiene auch weiterhin gnadenlos durchziehen.

(Bericht & Fotos: Sandra Baumgartl)