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Robert LaSardo

Mehr als nur ein illustrierter Mann.

Alle kennen George Clooney, Johnny Depp oder Angelina Jolie. Der vergleichsweise kleinen Anzahl der Superstars stehen Legionen Schauspieler gegenüber, deren Namen oft nur eingefleischten Cineasten etwas sagen.

„Ich schreibe gerade einen Artikel über Robert LaSardo.“ „Wer ist Robert LaSardo?“, fragt mich eine Kollegin. Ich zeige ihr ein Bild. „Ach, der mit den Tattoos! Ja, der ist cool.“

Mit Sicherheit kennen wir LaSardo aus einer ganzen Reihe von Filmen: Léon – Der Profi, Waterworld,  Death Race. Viel häufiger haben wir ihn wahrscheinlich in Fernsehserien gesehen: Law & Order, Murder One, Akte X, The Shield, NYPD Blue, Cold Case, Ghost Whisperer, Bones – Die Knochenjägerin, CSI, CSI: Miami, Nip/Tuck, In Plain Sight, um nur einige zu nennen.

Beharrlich hält sich dass Gerücht, ein Casting-Agent sei einst durch die Straßen New Yorks gewandert und sei dabei über LaSardo gestolpert. Mit all seinen Tattoos war Robert prima geeignet für die Rolle eines Gangmitglieds. An dieser Geschichte ist nichts Wahres dran, aber sie unterstreicht vor allem eines: Robert LaSardo wirkt ungeheuer authentisch und man nimmt ihm seine Rollen ab.

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Robert LaSardo als Escobar Gallardo in Nip/Tuck (FX)

Der Schauspieler hat seine Nische gefunden. So wie Joe Viterelli immer wieder in Mafia-Filmen auftauchte, sehen wir LaSardo meist als Latino-Gangster, obwohl er selbst Italo-Amerikaner ist. Bekanntheit erlangte er vor allem durch die Verkörperung des kolumbianischen Gangsters Escobar Gallardo in der TV-Serie Nip/Tuck. LaSardo versteht es seinen Rollen eine ungeheuer spannende Ambivalenz zu verleihen. Escobar fasziniert durch seine Listigkeit und Intelligenz und nicht zuletzt durch seinen Humor. Auch wenn LaSardo Bad Guys spielt, ist er nie nur das Abziehbild eines kriminellen Latinos in einer schwarz-weiß gezeichneten Welt, denn – so sagt LaSardo – unsere Welt ist voller Grautöne und das versuche er in seinen Rollen zum Ausdruck bringen.

Robert LaSardo wurde am 20. September 1963 in Brooklyn, New York geboren. In seiner Jugend ermutigte ihn ein Englischlehrer zum Theater spielen und sich an der High School of Performing Arts zu bewerben. Robert wurde dort aufgenommen, studierte drei Jahre lang Method Acting und schloss die Highschool mit Auszeichnung 1981 ab. In dieser Zeit fand er in seinem Schauspiellehrer Anthony Abeson einen Freund und Mentor, der ihn unterstütze und auch noch viele Jahre nach der Ausbildung sein Schauspiel-Coach war.

In den Highschool Tagen kam aber auch eine andere rebellische Seite Roberts zum Vorschein. Er geriet mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt und drohte abzustürzen. Er disziplinierte sich, indem er sich für vier Jahre bei der U.S. Navy verpflichtete.

Nach seiner ehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst 1985 war Robert hungrig darauf, wieder zur Schauspielerei zurückzukehren. Wieder war es sein Freund und Mentor Anthony Abeson, der ihm Türen öffnete. Dank Abesons Kontakten zum Actors Studio konnte Robert am Observer Programm des Studios teilnehmen. Ferner studierte er am Stella Adler Konservatorium  in New York City unter Tara Bolds. Seine ersten Filmauftritte hatte er in Abel Ferraras China Girl (1987) und in dem Richard Pryor Film Moving – Rückwärts ins Chaos (1988).

Robert LaSardo (Death Race, Nip/Tuck, CSI: Miami)

Robert LaSardo bei den Movie Days in Dortmund

Ich traf Robert LaSardo am Rande der Movie Days in Dortmund und hatte Gelegenheit, ihm während der Q & A Session und anschließend daran, ein paar Fragen zu stellen.

LaSardo ist ein freundlicher, bescheidener und respektvoller Mensch. Im Gespräch wirkt er nachdenklich und fast schon grüblerisch. Mit dem großen Hollywood Circus hat er wenig am Hut. Manche Kollegen leiden, so LaSardo, an einer Art Ceasaren-Wahn und machen ständig die große Welle. Da ist dann kaum ein vernünftiges Gespräch möglich.

„Sie können einfach nicht anders, als ausschließlich über sich und ihre Projekte reden: ‚Ich mache gerade dies oder das… Mein nächstes Projekt wird…’ usw. Das ist sehr ermüdend und ich frage dann manchmal: ‚Und was ist mit dir?’ Es gibt doch noch etwas anderes als nur die Arbeit, das wirklich Entscheidende im Leben spielt sich im Privaten ab. Verstehe, mich nicht falsch, ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass ich Arbeit habe, aber mit dem ganzen Hollywood Getue kann ich wenig anfangen, und ich fühle mich in dieser Welt nicht wohl.“

I like your haircut!

I like your haircut!

Auf die Frage ob er die Arbeit fürs Kino oder die TV-Arbeit bevorzuge, sagte er:

„Von einem künstlerischen Standpunkt:  ganz klar – Das Kino, weil es größere Möglichkeiten zur kreativen Zusammenarbeit bietet, einer Vision zu folgen und einen Charakter zu entwickeln. Die Arbeit fürs Fernsehen ist da oft limitiert und erlaubt das nicht.  Es gibt Ausnahmen, da wo der Rahmen für eine Figur weiter gefasst ist und damit die Möglichkeit gegeben ist, etwas mehr zu bringen. Das ist eine große Herausforderung.“

Wenn man mit Robert LaSardo spricht, kommt man um das Thema Tätowierungen nicht herum. Sein erstes Tattoo ließ sich LaSardo im Alter von 17 Jahren stechen. Das Motiv war ein Old-School Boxer im Stil der 50er Jahre. Damals waren Tattoos gesellschaftlich noch geächtet. Gangster, Rocker und vielleicht noch Seeleute waren tätowiert, aber keine ‚normalen’ Menschen.

„Ich war ein Teenager in Brooklyn in den 70er Jahren. Einige meiner Freunde ließen sich tätowieren. Ich war fasziniert davon. Aus heutiger Sicht verstehe ich, dass es eine Art Ritual war. Mit einem permanenten Bild auf der Haut festigten sich die Bindungen in der Gruppe. Es gab eine unausgesprochene Übereinkunft – Wir brachen die Regeln und erschufen unsere eigene individuelle Identität. Mit jedem neuen Tattoo, jedem Stich der Nadel wurde der Geist der Rebellion mehr und mehr betont. Die Gruppe mag sich zerstreut haben, aber die Tinte bleibt.

Unter den zahlreichen Tattoos von LaSardo finden sich auch viele Filmmotive – Universal Monsters und der Ray Harryhausen Zyklop aus Sindbads 7. Reise. Was LaSardo zur Geschichte dieses Motivs sagte, seht ihr in unserem kleinen Video.

Robert LaSardo Homepage
Robert LaSardo Facebook

(Mick Baltes)

 

 

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