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Erstmal Kater kurieren: Chefket flowt auch in der Horizontalen (Foto: Nina Sigl)

Nur Mics und Beats – Live MC Chefket in Leipzig

Nach dem Release des grandiosen Albums Nachtmensch (hier geht’s zur Rezension) im August ist Chefket nun auf großer Tour. Als dritter Stopp hieß am 29.10. die Haltestelle Leipzig, Conne Island. Vorne weg: Chefket lieferte eine astreine Hip-Hop-Show ohne viel Bombast, dafür mit ordentlich Soul und perfekten Rap-Skills. So befanden sich bis auf den Chef lediglich ein Stagepianist, der nebenbei auch für die Beats zuständig war, sowie zwei Backgroundsängerinnen auf der Bühne. Letztere sollten aber noch für die ein oder andere Überraschung sorgen.

Ein guter Tag im Conne Island mit Chefket (Foto: Nina Sigl)

Ein guter Tag im Conne Island mit Chefket (Foto: Nina Sigl)

Die Setlist war eine gute Mischung aus aktuellem Album und älteren Tracks, wobei sich Chefket nicht auf seine alleinigen Releases beschränkte, sondern auch immer wieder Strophen von Songs einstreute, auf denen er gefeatured wurde oder selbst Gäste hatte. So ging es vor allem in der ersten Hälfte des Konzerts mit Hits wie Glücklichster Rapper, Identitäter und Guter Tag beinahe ohne Verschnaufpause Schlag auf Schlag. Zudem erschuf Chefket eine sehr old-schoolige Atmosphäre, indem er für Schritt zurück zunächst eine Besucherin aus dem Publikum auf die Bühne holte, die erst den Running Man tanzen musste und anschließend mit viel Applaus und einem Stage-Dive verabschiedet wurde. Dann zettelte der Protagonist des Abends noch einen B-Boy-Kreis vor der Stage an, in welchem seine Fans ihre Breakdance-Fähigkeiten präsentieren konnten. Für den schlitzohrigen Aufreißer-Song Lass gehn schnappte sich Chefket abermals ein weibliches Opfer aus der Crowd, welche jedoch mehr Interesse an seinen Backgroundmädchen zeigte und lieber mit denen tanzte.

Mehr als nur Backgroundsängerinnen: Wanja und Flinte (Foto: Marinus Seeleitner)

Mehr als nur Backgroundsängerinnen: Wanja und Flinte (Foto: Marinus Seeleitner)

Ob die Abfuhr der Grund dafür war, dass Chefket danach die Bühne verließ und seiner Sängerin Flinte die Möglichkeit gab, ihren eigenen Song Liebe ist ein Arschloch zu performen, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall müssen an dieser Stelle Flinte und Wanja gelobt werden, welche weit mehr als die gesangliche Unterstützung zu bieten hatten. Wanja spielte zudem bei einigen Tracks Violine und machte so in Verbindung mit einer Loop-Station die Beats noch um einiges fetter.

Chefket kam dann mit dem Song Was wir sind in einer weniger chilligen, sondern sehr viel dickeren Version zurück auf die Bühne und läutete so die zweite Hälfte des Konzerts, welche von neuem Material geprägt war, rabiat ein. Dabei stachen vor allem das wunderbare Stück Kater, sowie der Titeltrack des Albums Nachtmensch heraus, welches Chefket mit einer Interpretation des Hildegard-Knef-Liedes Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da einleitete. Natürlich durfte auch Rap & Soul nicht fehlen, was den vorläufigen Höhepunkt vor der Zugabe darstellte. Mit drei weiteren Stücken, unter anderem dem Representer Live MCs, schlossen Chefket und seine Crew einen hervorragenden Auftritt ab.

Erstmal Kater kurieren: Chefket flowt auch in der Horizontalen (Foto: Nina Sigl)

Erstmal Kater kurieren: Chefket flowt auch in der Horizontalen (Foto: Nina Sigl)

Die Zeile „Sie diskutieren darüber, ob es einen Besseren gibt / denn ich kille live und brauchte nie einen Backup-MC” aus Glücklichster Rapper kann man getrost so unterschreiben, denn Chefket ist tatsächlich ein unheimlich tighter Live-Rapper, der aber zu keiner Zeit seine Lockerheit verliert. Es gibt wenige Hip-Hop-Acts, die ohne Backup auftreten, aber Chefket meistert selbst technisch anspruchsvollste Parts mit Bravour alleine. Ein sehr sympathischer Auftritt eines bestens aufgelegten Rappers mit unheimlich guten Texten, der zudem Backgroundsängerinnen am Start hat, die weit mehr als nur Zierde sind. Einige Dates der Nachtmensch-Tour (hier gehts zu den Terminen) stehen noch aus. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich den glücklichsten Rapper der Welt nicht entgehen lassen.

Hier gehts zu den Fotos des Abends.

Setlist:
1. Intro (Entscheide du)
2. Identitäter
3. Cool Easy Fresh
4. Glücklichster Rapper
5. Jetzt
6. Schritt zurück
7. Yes Y’all
8. Guter Tag
9. Optimist
10. Nach vorn
11. Lass gehn
12. Liebe ist ein Arschloch (Flinte Solo)
13. Was wir sind
14. Wir (Part 2)
15. Kater
16. Fliegen
17. Keine Angst
18. Nachtmensch
19. Träume
20. Immer mehr
21. Rap & Soul

22. Auf der Reise
23. Live MCs
24. Wir (Part 1)

(Marinus Seeleitner)

©Sound Infection 2015