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Foto: Kristina Schippling

Nick And The Roundabouts im Gespräch: „Ich will berühren, nicht rocken“

Vor gut einem Jahr hat sich Sound Infection mit der Ein-Mann-Band Nick And The Roundabouts anlässlich der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Woe To Live On“ in Berlin getroffen. Das zweite Album „Half-Written Poems“ steht mittlerweile in den Startlöchern. Zeit, mit Nick das vergangene Jahr zu rekapitulieren. Nach seinem Berlin-Konzert im Postbahnhof am Ostbahnhof hat er Sound Infection von seinem neuen Album erzählt und verraten, was für ein Prinz er ist.

Das letzte Mal haben wir uns vor knapp einem Jahr hier in Berlin gesehen. Die Location ist allerdings größer geworden.

Das stimmt. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass wir (Anm. d. Red.: Nick und Olli) andauernd auf Tour waren, und nun schon zum vierten Mal innerhalb eines Jahres in Berlin sind.

Der Junge mit der Gitarre wächst und gedeiht (Foto: Kristina Schippling)

Der Junge mit der Gitarre wächst und gedeiht (Foto: Kristina Schippling)

Und es ist stetig gewachsen?

Heute ist es etwas kleiner. Das letzte Mal waren wir in Berlin in der Columbiahalle; da passen noch mehr Leute rein.

Eine Entwicklung ist aber schon erkennbar.

Ja, das hoffe ich.

Hast du damit gerechnet?

Nein.

Du bist also überrascht?

Wenn du ein Album machst mit meinem Sound, diesem Americana-Folk-Alternative-Country, dann kriegst du grundsätzlich von allen Promotion-Agenturen zu hören: Singer-Songwriter sind out. Also, nach Passenger und Ed Sheeran definitiv out. Was natürlich lustig ist, wenn Ed Sheeran im Dreiwochentakt Nummer-Eins-Hits hat. Da ist es verwunderlich, wie viele Leute doch noch Musik mit akustischer Gitarre hören wollen. Dafür, dass dir jeder sagt: „Es kann nicht funktionieren“, funktioniert es dann immer ganz gut.

Das merkt man. Heute haben die Leute richtig gut mitgemacht, geklatscht und mitgesungen.

Ja. Früher war ja nur ich auf der Bühne, der Junge mit der Gitarre. Aber das wird langsam schwierig. 60 Minuten ganz alleine wären hart – auch fürs Publikum. Die Kombination mit Olli und dem Banjo, das wir heute erst das zweite Mal eingesetzt haben, kommt deshalb gut an. Das ist live auch was Neues und die Leute klatschen noch mehr mit.

Was hat sich denn in deinem Leben verändert, wenn du ständig auf Tour bist und Nick And The Roundabouts immer größer wird?

Eigentlich gar nichts, ganz ehrlich.

Nur dass du öfter von zu Hause weg bist?

Ja, aber ich bin sehr konzentriert auf Tour. Ich bin nicht jeden Freitag und Samstag irgendwo. Wir sind halt zwei Wochen lang unterwegs und dann gehen wir wieder heim – wie Urlaub, nur anstrengender.

Aber eine Roundabouts-Band habe ich immer noch nicht entdeckt.

Der Olli ist ja irgendwie eine Band. Two is a band. Aber mal im Ernst, ich war zu lange in Bands. In einer Band zu spielen, ist zwar schön, aber saumäßig anstrengend und passt auch nicht zu der Musik, die ich mache. Ich will berühren und nicht rocken.

Am 24. April veröffentlichst du dein zweites Album. Was darf man darauf erwarten?

Noch mehr traurige Liebeslieder. Vom Songwriting her bin ich einen Schritt weiter. Es ist alles durchdachter, vielleicht auch ein bisschen tiefer. Die Texte sind noch einen Tick persönlicher.

 

"Half-Written Poems" von Nick And The Roundabouts erscheint am 24. April 2015

“Half-Written Poems” von Nick And The Roundabouts erscheint am 24. April 2015

Der Titel des Albums ist „Half-Written Poems“. Warum sind deine Gedichte nur halbfertig?

Ich finde, ein Lied ist ein half-written poem. Es ist ein Gedicht, aber der Text ist nur die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist die half-written melody, sozusagen. Bei diesem Album liegt der Fokus auf den Texten.

Bei unserem Gespräch vor einem Jahr hast du gesagt, dass ein Album hilft, einen bestimmten Lebensabschnitt abzuschließen. Welcher war das bei „Half-Written Poems“?

Manchmal kann man das gar nicht so genau sagen. Da geht einfach etwas zu Ende und es muss etwas Neues passieren. Ich schreibe sechs oder sieben Monate an Songs. Irgendwann merke ich, dass alles zusammenpasst, es Anfang und Ende hat. Dann gehst du ins Studio und machst ein Album und dann geht es von vorne los. Ich merke, es geht jetzt schon wieder los… Aber diesmal will ich mir länger Zeit lassen als ein Jahr.

Gab es denn ein Thema, das dich beim Schreiben getrieben hat?

Auf dem neuen Album geht es viel um Orte, um Heimat als Begriff. Wo will ich hin, warum passe ich hier nicht mehr hin? Der Song „Leaving The City“ handelt zum Beispiel von der Situation, wenn du das Gefühl hast, dass du in deine eigene Stadt einfach nicht mehr hingehörst – was übrigens in bayerischen Kleinstädten durchaus passiert.

Auf deinem letzten Album „Woe To Live On“ ging es ja um Verlust…

Ich bin ein ganz positiver Typ. (lacht)

…und jetzt geht es um Heimat, aber im Sinne von Heimat verlassen, oder?

Es ist eine Suche. In unserem Alter, also so zwischen 15 und 45, suchst du ja nach dem Ort, an dem du dich niederlassen kannst, wo du hingehörst. Ich bin jetzt 30, also muss man sich über solche Dinge Gedanken machen.

Beim Hören deines Albums ist mir aufgefallen, dass man deine walisische Herkunft deutlicher raushört als beim Vorgängeralbum, vor allem an einigen deutlich gerollten Rs. Ist das Absicht?

Ist es Absicht? Nein. Es gibt aber einige Songs, die relativ schnell zu singen sind, wie zum Beispiel „Lost Your Way Back Home“, da kommt man wahrscheinlich schnell in seine native tongue rein.

Dabei sagt man immer, dass Sänger beim Singen keinen Akzent haben.

Oft nimmt man auch Redewendungen aus der Heimat auf. Im Walisischen gibt es zum Beispiel kein „there are“. Es ist immer „there is“: There is two of us. Da sind zwei, drei Sachen auf dem Album, bei denen ich wusste, dass es grammatikalische Fehler sind, die Waliser aber eben nun mal machen.

Was ist denn dein persönlicher Lieblingssong auf dem Album?

(sehr lange Pause)
„Shelter Burning Lights“ wahrscheinlich.

Und warum?

Weil der so spät kam. Er ist ein Nachzügler. Wir hatten das Album eigentlich fertig. Ich war mit Olli und zwei Freunden für eine Woche auf einer Hütte in den Alpen mit Laptop und Instrumenten. Ich hatte zwölf Songs dabei, die alle auseinandergefallen sind, nicht geklungen haben, wie ich gedacht hatte, und einfach nicht funktioniert haben. Dann bin ich mit acht Songs heimgegangen. Acht Songs sind aber kein Album. Ich habe mich also nochmal hingesetzt und dann kam „Shelter Burning Lights“. Danach entstand „Just Go“, meine aktuelle Single. Und da dachte ich mir: Jetzt haben wir einen Sound.

Jetzt kommt die lustige Frage, auf die du dich so gefreut hast.

Okay, schieß los!

Du bist – musikalisch gesehen – ja eher der verträumte Typ. Also, welcher Disney-Prinz wärst du denn gerne?

(sehr langes, konzentriertes Nachdenken)
Wie heißt der Typ von Ariel?

Eric.

Wie du das weißt!

Das ist mein Lieblings-Disneyfilm.

Ich wäre wahrscheinlich mehr Fabius.

Das ist aber kein Prinz.

Ich bin ein harmloser Fisch.

Und du wärst nicht Sebastian, der Musiker?

Das wäre auch cool. Aber ich wäre auch gerne Triton – wegen seines Oberkörpers. Ich habe es nicht so mit den Prinzen. Die sehen immer alle so glatt aus und haben keinen Bart.

Das Biest vielleicht?

Der Mann hat zumindest Bart. Ich wäre auch gern Peter Pan. Ist der ein Prinz?

Nein, der ist kein Prinz. Aber da könnte man natürlich hineininterpretieren, dass du nicht erwachsen werden willst.

Zu spät.

Haust du denn auch mal so richtig auf den Putz?

Jaaaa. Beim Fußball. Ich bin Fan von 1860 München und Swansea City. Wenn es heißt Swansea gegen Liverpool: Das ist Brutalität. Hauptsache ist, dass Bayern verliert. Ich gebe meine Political Correctness am Eingang des Stadions ab.

Da bist du also richtig schön englisch.

Ich empfehle das Spiel Wales gegen England am 15. September.

Vielen Dank.

Ich danke.

Nick And The Roundabouts – offizielle Homepage
Nick And The Roundabouts – Facebook

Das neue Album „Half-Written Poems erscheint am 24. April 2015.

Das Interview führte Kathrin Tschorn.

Titelfoto: Kristina Schippling

©Sound Infection 2015