From the Blog

Kreator (1 von 1)-12

METAL DAYS 2016: Die Bands Teil II

Pro Pain

Pro Pain

Mittwoch, 27.07.2016 und täglich grüßte das Murmel-ähm-Regentier! Doch mittlerweile wurde dies zur Routine und konnte niemand mehr erschrecken, denn die Sonne ließ nicht locker und durchbrach am Ende immer wieder die dicke Wolkendecke. Pro Pain, die New Yorker Hardcore-Veteranen, ließen ordentlich Dampf ab und brachten schon einiges an Bewegung in die Menge. Gary schaute grimmig in die Meute und brüllte sich die Seele aus dem Leib. Und trotz des zur Faust geballten Gesichtsausdrucks merkte man ihm und seinen Mitstreitern die Spielfreude in jeder Minute ihres Sets an. Ein klasse Auftritt, welcher nur die Frage hinterließ, warum das Quartett schon zu so früher Stunde auf die Bretter musste.

Weiter im Programm ging es mit Dying Fetus. Auch wenn der Sound räudig und brachial aus den Boxen donnerte, so konnten uns die Amis nicht wirklich überzeugen. Ihr Auftritt wirkte steif und lustlos, kein Vergleich zu ihren Vorgängern Pro Pain, die schon eben so lange im Geschäft sind und dies wohl nicht nur des lieben Geldes wegen. Kleine Enttäuschung an dieser Stelle, doch der Abend hatte ja noch einiges zu bieten.

Und zwar auf der Second Stage in Form von Rossomahaar. Die russischen Schwarzmetaller haben ihren ganz eigenen, eingängigen Groove. Wer sich noch dunkel an den Auftritt von Arkona vom Vortag erinnern konnte, der erblickte einen „alten Bekannten“. Das hagere Kerlchen, welches fröhlich seine Flöte spielte und ordentlich sein blondes Haupthaar schüttelte. Wem dies schon wieder zuviel schwarze „Folklore“ war, der tingelte langsam Richtung Hauptbühne.

Graveyard

Graveyard

Dort tummelten sich derweil die älteren Semester, denn Graveyard schienen mit ihrem hardrock-psychedelic-Gemisch einer komplett anderen Zeit entsprungen zu sein. Sänger Joakim Nilsson überzeugte mit seiner Wahnsinns-Röhre und unterstrich dies, trotz geschlossener Augen, mit einer ausdrucksstarken Mimik. Es waren die ruhigen und blueslastigen Nummern, welche direkt bis tief ins Mark trafen, um sich dort festzubeißen. Mit absoluter Hingabe und Leidenschaft spielten sie ihr Set und es ist immer wieder eine Freude Graveyard live zu erleben.

Die Party nahm anschließend  ordentlich an Fahrt auf, als Brüllwürfel Barney und seine Mannen von Napalm Death die Bühne enterten. Barney flippte komplett aus, tobte wie ein Derwisch über die Bretter und growlte als gäbe es kein Morgen. Circle Pits gab es jetzt am laufenden Band und die Crowdsurfer flogen im Akkord Richtung Graben. Nach diesem komplett Abriss waren ein kühles Blondes oder ein schnelles Bad in der Soca eine willkommene Abkühlung.

Rise of the Northstar ballerten derweil auf der Second Stage den Fans ihre wilde Mischung aus Hip-Hop, Hard- und Metalcore um die Ohren. Vor allem die jüngeren Festivalbesucher groovten bei diesem Sound mit den Franzosen um die Wette, wohingegen die eingefleischten Metalheads eher ratlos ihren Gerstensaft schlürften und Richtung Hauptbühne zogen um sich einen guten Platz für den Auftritt von Kreator zu sichern.

Kreator

Kreator

Die Metal-Urgesteine um Mille Petrozza thrashen seit 1982 durch die Lande, doch altersbedingte Abnutzungserscheinungen suchte man vergebens. Bei der Bühnenshow wurde richtig geklotzt und nicht gekleckert. Pyros, Konfettiregen und eine fette Lichtshow fuhren Kreator auf und überließen nichts dem Zufall. Auch die Setlist ließ (fast) keine Wünsche offen. „Enemy of God“, „Endless Pain“ oder „Phantom Antichrist“ waren darauf genauso zu finden wie „Extreme Aggression“, „Suicide Terrorist“ oder „Black Sunrise“. Bei „Violent Revolution“ und  „Pleasure to kill“ drohte der Moshpit zu explodieren. Die langen Matten wirbelten wild durch die Gegend und die Old School Banger mit schütterem oder fehlendem Haupthaar schraubten sich fast die Rüben vom Kopf. „Flag of Hate“ und „Betrayer“ machten den letzten lebenden Headbangern den Garaus. Nach diesem schweinegeilen Auftritt wankten die Headbanger Richtung Strandbar um den Elektrolytverlust wieder auszugleichen, ließen den Auftritt der Apokalyptischen Reiter Auftritt sein und genossen das kühle Nass sowie einen wohlverdienten Cocktail oder auch zwei…!

Hier könnt ihr den ersten Teil der Bandgeschichten lesen.

Fotos findet ihr in unserer Galerie.

(Text+Fotos: Sandra Baumgartl)

©Sound Infection 2015