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METAL CHURCH – Glaubenskongregation in Schwarz

METAL CHURCH, Samstag, 10. Juni 2017, Bremen, Tivoli
Support: Comaniac

Metal Church im Tivoli

Metal Church im Tivoli

Die Fans haben ihnen immer die Treue gehalten, auch wenn es in der über 30-jährigen Geschichte der Power- und Thrash Metal-Götter METAL CHURCH viele Aufs und Abs, Auflösungen und Reunions, ein bankrottes Plattenlabel sowie eine stattliche Zahl von Zu- und Abgängen im Bandlineup gab. Im März hat Drummer Jeff Plate nach geschlagenen zwölf Jahren seinen Ausstieg bekannt gegeben. Die Schießbude hat nun Stet Howland (ex-WASP) übernommen. Bereits ein gutes Jahr zuvor hatte sich überraschend Sänger Ronnie Munroe zurückgezogen. Doch mit dem neuen/alten Vokalisten Mike Howe, der in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern bereits drei METAL CHURCH-Langrillen eingesungen hatte, hat sich die Metallkirche wieder einen äußerst charismatischen Hohepriester ans Mikro zurückgeholt. Nach dem Veröffentlichen der jüngsten Live-Scheibe „Classic Live“ haben sich die US-Mannen wieder auf Tour gemacht. Wir waren beim ersten deutschen Gig im Tivoli in Bremen dabei.

Den Support übernahm die junge Thrash-Band COMANIAC aus der Schweiz. Die beiden bis dato veröffentlichten Scheiben haben viel Beachtung gefunden, und auch live zeigten sie, dass die meisten von ihnen ihr Handwerk verstehen. Dabei passen die Eidgenossen gut ins Vorprogramm von METAL CHURCH, denn stellenweise erinnert gar das Riffing ein wenig an das jüngere Material der Amerikaner. Mit Thrash-Granaten wie „Self Control“ und dem stark gitarrenlastigen „Coal“ – für das sogar ein Video produziert wurde – schafften COMANIAC es, die eine oder andere Mähne in Wallung zu bringen. Einhelliger Tenor unter den Besuchern zum Gesamtpackage indes: Geniale Musik, schauderhafter Brüllgesang durch Frontmann Jonas Schmid.

Wieder mit an Bord:

Wieder mit an Bord: Mike Howe

Mit dem legendären und jüngst sogar gemeinsam mit Todd La Torre (Queensryche) aufgenommenen „Fake Healer“ stürmte METAL CHURCH die Bühne des äußerst schmucken Tivoli-Clubs. Schnell wurde wieder einmal klar, warum METAL CHURCH als einer der besten Live-Acts ihres Metiers gelten. Dank viel Spiellaune, größter Virtuosität und nicht zuletzt dem drahtigen und immer gut gelaunten Mike Howe brachte die Band aus Seattle das Publikum ab dem ersten Riff hinter sich. Immer wieder ließen die frenetischen „METAL CHURCH, METAL CHURCH“ Rufe der Fans die Jungs um „Riffmaster“ Kurdt Vanderhoof in verblüffter Ehrfurcht erstarren. Zum Dank gab es kräftig was auf die Ohren. Nackenbrecher wie „Ton of Bricks“ wechselten sich ab mit epischen Klassikern a la „Watch the Children Pray“ und „Beyond the Black“. Besonders in seinem Element war Ausnahmesänger Howe bei „seinem“ alten Material wie „In Harms Way“ und „Badlands“. Und auch das Material der 2016 veröffentlichten Scheibe „XI“ kam mit „Killing Your Time“ und dem Power-Metal-Kracher „No Tomorrow“ nicht zu kurz. Beeindruckend auch, wie gut sich MC-Neuling Stet Howland an den Drums in den musikalischen Set einfügte. So ließ es sich auch verschmerzen, dass merkwürdigerweise „Gods of Wrath“ – die METAL CHURCH Song-Ikone schlechthin, nicht Teil der Setlist war.
Auch wenn Kurdt, Steve, Rick, Mike und Stet nicht ganz an die brachiale Urgewalt herankamen, die sie auf ihren Gigs der „XI“ Tour im Spätsommer 2016 entfesselten, so wird den Jüngern der metallischen Glaubenskongregation dieser Abend dennoch lange im Gedächtnis bleiben. Und das nicht nur wegen des herausragenden Gigs. Auch dank der Tatsache, dass sich die fünf begnadeten Musiker nach dem Konzert unters Publikum mischten und nicht eher wichen, bis sie auch dem letzten anwesenden Metalhead die Hand geschüttelt und die Kutte signiert hatten. Es sind also nicht nur die METAL CHURCH Fans, die ihrer Band immer die Treue halten. Auch die Band weiß exakt, was sie an ihren Fans hat. Und genau so muss es sein.

Weitere Bilder findet Ihr in unserer Galerie!

(Text & Bilder: Thomas Mendle)

©Sound Infection 2015