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Interview mit MaYan: Von Sicherheitsstaat und Unterdrückung

Wenn die holländische Metal-Elite aus den Splittern von EPICA und AFTER FOREVER sich zur Huldigung von antiken Gottheiten zusammenfindet, entsteht MAYAN. Wer jedoch einen symphonischen Abklatsch von den beiden Bands erwartet, liegt hier völlig falsch, denn auf ihrem mittlerweile zweiten Album „Antagonise“ hetzen die Niederländer eine hochpolitische Mischung aus technischem Death Metal und Symphonic Elementen auf die Menschheit. Wir sprachen mit Keyboarder Jack Driessen über „Antagonise“, den Überwachungsstaat und die Todesstrafe.

Wenn man berücksichtigt, dass ihr hauptsächlich hochmoderne Probleme in euren Texten verarbeitet und auf Missstände unserer heutigen Gesellschaft aufmerksam macht, finde ich fast irritierend, dass ihr euch gerade MAYAN genannt habt. Wie kam es dazu und würdet ihr heute vielleicht einen anderen Namen auswählen?

MaYan auf Erfolgskurs mit ihrem neuen Album "Antagonise" (Foto:  Tim Tronckoe)

MaYan auf Erfolgskurs mit ihrem neuen Album “Antagonise” (Foto: Tim Tronckoe)

Gute Frage… ich glaube aber nicht. Die Maya sind ein großes Vorbild für uns, sie legten viel wert auf Individuen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben, während sich heute nur noch alles um Geld und Erfolg dreht. Aber Mark, der unsere Texte schreibt, ist sehr geplagt von Themen wie Sicherheitsstaat, Spionage und Unterdrückung. Er wollte auf die Tatsache aufmerksam machen, dass wir alle glauben in Freiheit zu leben, dabei stimmt das gar nicht und wohin wir auch auf der Welt gehen, die Regierung weiß darüber Bescheid und versucht sich durch geheime Informationen über uns zu bereichern.
Zwar hatten die Maya früher ebenso ihre Probleme, dennoch denke ich, dass sie das Leben und die Menschen mehr zu schätzen wussten, als wir heute.

Nun habt ihr euch auf „Antagonise“ ja überwiegend mit dem Thema der Spionage und Überwachung beschäftigt – warum fiel eure Wahl genau auf dieses Thema? Es gibt schließlich so viel in unserer heutigen Gesellschaft, worüber man ebenfalls hätte schreiben können, was faszinierte euch gerade daran?

Weil es ein Thema ist, das jeden betrifft. Und wir möchten, dass die Leute sich darüber im Klaren sind, was da in unserer Gesellschaft passiert. Auch wenn es selbstverständlich noch unzählige andere Themen gegeben hätte.

Bleiben wir mal beim Thema der öffentlich zugänglichen Daten und der Tatsache, dass keiner sich mehr verstecken kann – wie stehst du denn zu Social Media-Plattformen wie Facebook?

Nun… sie sind eigentlich eine großartige Sache, die vieles erleichtert, man kann mit Menschen in der ganzen Welt in Kontakt treten und das verleiht einem natürlich eine gewaltige Freiheit, dennoch ist es ein zweischneidiges Schwert und man muss im Hinterkopf behalten, dass absolut jeder auf der Welt lesen könnte, was du geschrieben hast. Natürlich gibt es Sicherheitseinstellungen, aber wenn jemand unbedingt an deine Daten möchte, kommt er auch dran. Dennoch ist Facebook natürlich gerade für Bands überlebenswichtig geworden und für die meisten Menschen wohl unverzichtbar.

Ihr habt mal in einem Interview erwähnt, dass ihr mit eurer Musik nicht nur auf Probleme aufmerksam machen wollt, sondern die Leute auch gerne zur Rebellion aufrufen würdet. Ganz konkret gefragt, wie stellt ihr euch das vor, was sollen Menschen eurer Meinung nach tun?

Zugegeben, das ist schwer, wir können natürlich sagen „Steht auf und kämpft“, aber ganz so simpel ist das nicht. Wir wollten hauptsächlich, dass Leute sich gut darüber informieren und wissen, wie sie sich schützen können. Früher war es einfacher, wenn man da einen König nicht ausstehen konnte, schmiss man ihn vom Thron oder köpfte ihn (lacht), heute kann man sich zwar auch gegen das System stellen, aber weiß nicht so genau, was dann mit einem geschieht…

Einer eurer Songs heißt auch „Capital Punishment“, um was geht es genau darin und wie ist denn deine Meinung zu dem Thema Todesstrafe?

Äh… hm… Moment, ich muss nachdenken. Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich gerade nicht an die Lyrics… ich muss die mal kurz lesen! [Drei Minuten später] Ah, jetzt aber! Ich finde es sehr beängstigend, dass eine Regierung darüber entscheiden darf, ob ein Mensch lebt oder stirbt. Es gibt so viele Nationen, die behaupten ein freies Land zu sein, aber nimm Syrien oder auch Russland, wo du sofort weggesperrt wirst, wenn du etwas Falsches sagst. Oder wo du lächeln musst, wenn dein Diktator erscheint, weil man sonst vielleicht nie wieder etwas von dir sieht oder hört.

Ihr habt nicht mehr so viele symphonische Parts auf eurem neuen Album, als damals bei eurem Debüt, war das eine bewusste Entscheidung?

Als ich noch Keyboards bei AFTER FOREVER gespielt habe, war unser Ziel immer so symphonisch wie nur möglich zu klingen und bei dem ersten MAYAN Album war das noch ähnlich, doch jetzt, wo wir Henning als Sänger an Bord haben, der sehr nach Old School Heavy Metal klingt, fand ich es passend, das ein wenig zurück zu schrauben. Außerdem kam alles sehr intuitiv, wir wollten die Songs nicht klar aufteilen nach dem Motto „Hier muss dieser Gesang hin, hier etwas Orchestrales“ und momentan gefallen mir simplere Keyboardparts besser als etwas Bombastisches. So wie die früheren, grusligeren Alben von DIMMU BORGIR, bevor sie alles mit Orchester unterlegten. Die waren fantastisch!

Wie kam es, dass ihr euch nun dazu entschieden habt, eure Gastsänger Henning und Laura als volle Bandmitglieder aufzunehmen?

(Foto: Tim Tronckoe)

(Foto: Tim Tronckoe)

 

Sie waren schon so lange dabei, dass es sich seltsam anfühlte, nur als „Gast“ von ihnen zu sprechen. Besonders Hennings Gesang macht viel von unserem neuen Album aus – wir müssen aber unbedingt neue Bandfotos machen, ständig fehlte uns ein Mitglied oder das Line Up ist nicht mehr aktuell, Mann, das ist ein Chaos (lacht)

Ihr seid ja eine der – ich will fast sagen unzähligen – Bands, die das Glück hatten, Floor Jansen für ein paar Songs rekrutieren zu können, wie sah das konkret aus bei ihrem Terminkalender, sprintete sie bei euch im Studio rein und raus?

So in etwa (lacht) Da wir sie ja alle schon seit Ewigkeiten kennen, war sie natürlich bereit, trotz ihrer knappen Zeit bei uns einzuspringen. Dennoch wussten wir, dass sie nicht viele Songs mit uns machen könnte, da sie uns schließlich auch für die Live-Shows nicht zur Verfügung stünde – leider.

Wie sehen denn eure Tourpläne aus?

Ja, ich weiß, für euch in Deutschland wird es wohl leider zu weit sein, uns für die Shows in Holland zu besuchen… Aber bald werden wir uns auch mit einer größeren Tour auseinandersetzen und Sommerfestivals planen. Das hat aber noch ein bisschen Zeit, erst muss das Album draußen sein, dann können wir schauen. Manchmal funkt ja auch das „normale“ Leben mit den „normalen“ Jobs dazwischen.

Was arbeitest du denn?

Ich bin Software-Tester und sehe zu, dass die Dinge, die man im Alltag benutzt, auch das tun, was sie sollen… Im Idealfall zumindest. Aber auch Mark ist ja wegen EPICA meist anderweitig eingespannt und das wussten wir schließlich, als wir MAYAN gründeten. Deswegen lassen wir alles etwas langsamer angehen und freuen uns umso mehr über jeglichen Support von Seiten der Presse oder der Fans.

Okay, zum Abschluss, Jack: Was waren deine guten Vorsätze für 2014?

Einfach Spaß haben, gute Musik machen, Bier trinken. Und nicht so viel arbeiten, dass es einen kaputt macht. Kann ich jetzt meinen Promotext anbringen? Ha, ja, hier kommt die Überleitung: Wir freuen uns, euch auf den Sommerfestivals zu sehen und hoffen, dass euch „Antagonise“ gefällt. Auf bald und vielen Dank an jeden einzelnen da draußen, der sich die Zeit nimmt, unsere Musik zu hören!

 

(Anne Catherine Swallow)