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Keine Tiere in Sicht bei Marilyn Manson (Foto: Anne Swallow)

Kopflose Fledermäuse, Elektroschocks und braune M&Ms

Seit ihrer Existenz bietet die Rock- und Metalszene einen fruchtbaren Boden für alle möglichen irren Gerüchte – einerseits weil viele der Musiker tatsächlich schrille Geschichten im Laufe ihrer Karriere durchziehen, andererseits weil besorgte Eltern oder Politiker gerne mal Quark erfinden, um Kinder vor den bösen Krallen der Hard&Heavy-Szene zu bewahren. Die Liste dieser Mythen ist unglaublich lang, hier findet ihr jedoch ein paar Klassiker, die sich teilweise seit Jahrzehnten am Leben halten und oftmals auf amüsanten Halbwahrheiten beruhen.

 

Keine Tiere in Sicht bei Marilyn Manson (Foto: Anne Swallow)

Keine Tiere in Sicht bei Marilyn Manson (Foto: Anne Swallow)

„Ozzy Osbourne beißt auf der Bühne Fledermäusen die Köpfe ab!“
Im Prinzip: Ja. Aber nicht beabsichtigt. 1982 warf ein Fan während eines Konzerts eine bewusstlose Fledermaus auf die Bühne – Schocklegende Ozzy hielt sie für ein Halloween-Accessoire und steckte ihren Kopf in seinen Mund. Als das Tier, das übrigens wirklich steif und unecht aussah, dann wieder zu sich kam und mit den Flügeln schlug, erschreckte Ozzy sich, wollte sie schnell zwischen seinen Zähnen hervorziehen, riss ihr dabei jedoch versehentlich den Kopf ab.
Ironischerweise wurde dies zur besten Werbung, die Ozzy jemals erhielt.
Was jedoch am meisten beschäftigt: Welcher Idiot wirft denn Fledermäuse durch die Gegend?

„Marilyn Manson hat auf der Bühne Sex mit Tieren und opfert diese danach!“
Nein. In seiner Autobiografie „The Long Hard Road Out Of Hell“ stellt Manson aber zahlreiche Gerüchte dieser Art vor und klärt auch darüber auf, wer sie in die Welt gesetzt hat. In diesem Falle stammt die gefälschte Zeugenaussage von der Family Association der USA, die, wie viele andere politische Gruppierungen, die Band für jugendfeindlich und satanisch hielt und aus dem Verkehr ziehen wollte. Es ist wahr, dass Marilyn Manson oft sexuelle Akte auf der Bühne simuliert und satanische Spielereien als Schockelemente benutzt, jedoch wurden niemals echte Tiere in Mitleidenschaft gezogen.

„Van Halen haben einen Assistenten, der braune M&Ms für die Band aus der Schüssel sortiert“
Nun, Van Halen bestanden in der Tat darauf, vor jeder Show eine Schüssel M&Ms gestellt zu bekommen, bei der die braun-ummantelten Schokokugeln aussortiert waren, jedoch nicht aus farbentechnischen oder komplett geistesgestörten Gründen. Van Halen waren eine der ersten Rockbands, die hohe Ansprüche an die Konzerthallen stellten, ein bestimmtes technisches Equipment und Bühnenausstattung voraussetzten (was heute sehr gängig ist) und diese Bedingungen in einem ellenlangen schriftlichen Vertrag formulierten. Zwischen all diesen Wünschen setzten sie regelmäßig den Punkt „Eine Schale M&Ms ohne die braunen“ auf die Liste – und konnten somit rasch und schon vor der Show genau kontrollieren, ob der Veranstalter alle Bedingungen gelesen und umgesetzt hatte.

„Slipknot verpassen sich regelmäßig Elektroschocks und wollen vor dem 4.Album Massenselbstmord begehen.“
Ich habe nicht die leiseste Idee, wer diese Gerüchte ursprünglich in die Welt gesetzt hat. Aber vor über zehn Jahren veröffentlichte die Visions einen Artikel, in dem angebliche Augenzeugen dies berichteten und immer wieder tauchten ähnliche Aussagen im Internet auf, jedoch ohne klare Quellenangaben. Ich kann mich lediglich daran erinnern, dass viele Slipknotgegner immer wieder mit diesen „Argumenten“ ankamen, um die Band als potenzielle Gefahr zu diffamieren. Fakt ist: In ihrer Anfangszeit waren die neun Maskenmänner in der Tat ein recht überdrehtes Pack mit einer Menge Scheißideen, eins ist jedoch sicher: Heute sind die Bandmitglieder von Slipknot erstaunlich zivilisiert, Corey Taylor trinkt keinen Alkohol mehr und Shawn Crahan geht einem etwas obskuren Fotografenhobby nach. Demnach haben die Herren nicht mehr einen an der Waffel als alle anderen Promis auch.
Und was den Selbstmord angeht… also das vierte Studioalbum „All Hope Is Gone“ wurde bereits veröffentlicht. Wer weiß, vielleicht klappt’s beim fünften..?

 

(Anne-Catherine Swallow)

©Sound Infection 2015