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Dementia-screenshot

Könsförrädare: Das Video zu Raging River

Feminismus trifft Surrealismus

Es gibt immer mal wieder Musikvideos, die sich wohltuend vom leider üblichen Einheitsbrei abheben, und uns genauer hinschauen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Video der Band Könsförrädare zu ihrem Song Raging River.

Das verwendete Bildmaterial stammt aus dem Film Dementia – Daughter of Horror aus dem Jahr 1955. Der Film ist die einzige Regiearbeit  von  John Parker. Das etwas seltsame Werk kommt vollkommen ohne gesprochene Worte aus. Die harten Low-Key Bilder verleihen ihm die Atmosphäre eines Film-Noir. In seiner Bildsprache  erinnert der Film an die surrealistischen Filme Luis Buñuels wie etwa an „Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz“ aus der gleichen Dekade. Und bei den Augen in Großaufnahme fällt einem gleich „Ein Andalusischer Hund“ ein.

Das Video ist ein echter Hingucker und geht im neuen Schnitt optisch und textlich sehr gut mit Raging River zusammen.

Konsforrodare (Teg Publishing / Cargo)

© Könsförrädare (Teg Publishing / Cargo)

Was bringt aber nun eine feministische schwedische Band mit einem amerikanischen B-Picture über sexuelle Paranoia und etwas aufdringlicher freudscher Botschaft zusammen? Das wollten wir genauer wissen und fragten nach. Die Band äußerte sich dazu wie folgt:

Tatsächlich hatten wir den Film vorher nicht gesehen, als Olov Jacobsson mit der Idee kam, ihn für unser Video zu verwenden. Im Nachhinein muss man wirklich sagen, er passt wirklich großartig. Dementia ist bei allen Schwächen, die der Film hat, doch eine sehr treffende Illustration dessen, was wir mit Raging River ausdrücken wollen.

Auf der einen Seite gibt es die Hoffnung auf emanzipatorisches Handeln, doch wie auch immer, auf der anderen Seite bleibt stets das Gefangensein in sexistischen Strukturen. Olov hat in seinem Schnitt die Hoffnung und das Subjektive stärker betont und das Verzweifelte mehr in den Hintergrund treten lassen. Ach, und natürlich passen auch die Bilder vom Ozean super.

Natürlich hat Dementia eine Menge Schwachstellen und einiges konnte auch im neuen Schnitt nicht ganz vermieden werden, vor allem die Idee des Fressers als ultimative Verkörperung des sexistischen Bösen. Trotzdem stolpert der Film nicht über die Fallstricke späterer Vergewaltigungs-Rache-Filme. Im Unterschied zu den Nachfolgefilmen ist der männlich voyeuristische Blick in Dementia weniger stark ausgeprägt. Wie im wirklichen Leben kann das Individuum kaum etwas anderes machen, als auf den konstanten Druck einer gesichtslosen Obrigkeit zu reagieren.

Und um es kurz zu machen: Wir sind stolz darauf, dass dieses Video mit unserem Namen verbunden ist. Außerdem sieht es unglaublich gut aus.

Das finden wir auch!

Könsförrödare - Curse All Law (Teg Publishing / Cargo)

Könsförrädare – Curse All Law (Teg Publishing / Cargo)

Die Mitglieder der Band sind zusammen in einer Kleinstadt im nördlichsten Norden Skandinaviens aufgewachsen und verbrachten ihre Jugend damit, Musik zu machen und an ihrem Sound zu feilen – liebenswürdig und brutal mit einem Funken Verträumtheit. Ihre politischen und durchaus raffinierten Texte machen es einem schwer, Pop von Politik zu unterscheiden.

 “Curse All Law”-  das sehr hörenswerte Debütalbum der jungen Schweden erscheint am 04. April.

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Dementia - Daughter of Horror Filmposter , John Parker

Dementia – Daughter of Horror Filmposter , John Parker

Falls ihr euch auch mal das Original Dementia – Daughter of Horror anschauen wollt, so findet ihr den Film auf YouTube. (Der Offtext wurde dem Film nachträglich hinzugefügt)

 

*Titelbild Screenshot: Könsförrädare – Raging River

(Mick Baltes)

 

©Sound Infection 2015