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Martin Engler und seine Crew von Mono Inc. (Quelle: Pressefoto / SPV, NoCut Entertainment)

Interview mit Mono Inc.: Songs aus dem Krankenbett

Eine riesige Nummer im Gothic-Rock-Bereich sind Mono Inc. schon lange. Doch mit ihrem neuen Album „Nimmermehr“ schafften die vier Hamburger Düstergestalten sogar, sich in die deutschen Top Ten vorzukämpfen und somit die breite Masse auf sich aufmerksam zu machen – kein Wunder, denn mit ihren extrem eingängigen Melodien und dem melancholisch-krachenden Sound nisten sie sich problemlos in jedem Gehörgang ein und lassen sich so schnell daraus auch nicht mehr wegputzen.

Dennoch schlagen Mono Inc damit ein völlig neues Bandkapitel auf und überraschen nicht nur die eingefleischten Fans damit, dass die Band zum ersten Mal deutschsprachige Texte präsentiert – und im ersten Moment den Eindruck verleiht, sie sei nun auf den Erfolgszug von deutschen Gothic-Acts wie Unheilig aufgesprungen. Doch wir sprachen mit Frontsänger Martin Engler, der wesentlich tiefere – und amüsante – Gründe für die Weiterentwicklung nennt. Hier schon ein kleiner Hinweis: Es hat etwas mit einem prominenten Gast zu tun, den Martin regelmäßig bekocht!

Martin Engler und seine Crew von Mono Inc. (Quelle: Pressefoto / SPV, NoCut Entertainment)

Martin Engler und seine Crew von Mono Inc. (Quelle: Pressefoto / SPV, NoCut Entertainment)

Nach wie vor im gewohnten Ohrwurmstil kommt das neue Album mit seinen zwölf Songs daher und „Heile heile Segen“, der Opening Track, in dem das Quartett sich des Kinderlieds für den Refrain bedient, wurde bereits groß als Single gefeiert. Was anfangs durch den Kinderchor etwas bittersüß erscheint, hat jedoch einen karitativen Hintergrund – mehr zu dem Thema und darüber, was Martin über Tattoos, Grillabende und seinen Zusammenbruch im Studio zu sagen hat, erfahrt ihr in dem Interview:

Was bewog euch dazu, plötzlich ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen und deutsche Liedtexte zu schreiben? Ging es hauptsächlich darum, euch als Band weiter zu entwickeln? Welche Rolle spielte dabei der kommerzielle Erfolg von deutschsprachigen Bands?

Dass wir nun erstmals deutsche Texte schreiben, ist eigentlich dem Schicksal geschuldet. Dieses Mal kam das Schicksal im Gewand von Joachim Witt daher…
Nachdem wir uns letztes Jahr durch unseren Remix für seinen Hit GLORIA kennengelernt hatten, ist zwischen uns eine echte Freundschaft entstanden und wir haben unzählige lustige und zum Teil tiefgründige Abende miteinander verbracht. An einem dieser Abende hörte Joachim die Demos zum neuen Album und verliebte sich in die Musik des Songs, der heute KEIN WEG ZU WEIT heißt. So war also die Idee zu einem Duett geboren. Die Frage war nur, in welcher Sprache wir den Text schreiben würden. Der eigentliche Plan war es zweisprachig zu gestalten – aber uns viel nicht so recht was für den englischen Teil ein, sondern nur für den Deutschen. Dann kam mir die Idee mit der Titelzeile – und Joachim war begeistert und meinte nur:“ siehste, Du kannst auch in deiner Muttersprache texten“. Geflashed von dieser Erkenntnis habe ich dann einfach mal für die noch unbetexteten Songs deutsche Ideen gesammelt – und die Band war begeistert.
Wenn wir eines in den letzten Jahren gelernt haben, dann dass wir immer nur das veröffentlichen sollten, wo wir selbst zu einhundert Prozent drauf stehen. Und nun ist es da: das erste MONO INC. Album mit immerhin mehr deutschen als englischen Lyrics. Ich danke dem Schicksal!

Was für ein Gefühl ist es für euch, zu sehen, dass mittlerweile so viele Leute Band Tattoos von euch tragen? Und was war das beeindruckendste Erlebnis, das ihr bisher mit euren Fans hattet?

Natürlich sind wir sehr geehrt, dass viele sich das Logo der Band haben stechen lassen. Aber das liegt sicherlich auch daran, dass es einfach ein schönes und zeitloses Motiv ist, welches auch ohne die Band zu kennen eine Wirkung hat.
Die beeindruckendsten Momente mit den Fans sind eigentlich immer wieder die gleichen: unsere Fans geben uns bei den Konzerten derart viele Emotionen zurück, dass ich hier jetzt hunderte Shows aufzählen könnte!

Wodurch kamt ihr auf die Integration des Kinderlieds „Heile Heile Segen“ in einen eurer Songs und weshalb fiel die Wahl speziell auf dieses Lied?

Nach dem überraschenden, riesigen Erfolg von AFTER THE WAR stehen wir auf der Sonnenseite des Lebens. So war es einfach mal an der Zeit, etwas zurückzugeben. Da wir und unsere Fans und schon seit langem für das Kinderhospiz Bärenherz engagieren, dachten wir also über unsere Möglichkeiten nach, wie wir etwas mehr tun können, als nur alle Erlöse der Band aus der ersten Verkaufswoche der Single zu spenden. Die Stiftung sollte ein bisschen mehr Bekanntheit in der Öffentlichkeit bekommen! Wir brauchten also einen Song, der Aufsehen erregt! Da schien uns das Thema und auch die Verwendung von Kinderstimmen und eines Kinderreims für geeignet. Schließlich hatten wir bis dato noch nie deutschsprachige Lyrics veröffentlicht. Anscheinend haben wir unser Ziel mit dem Titel erreicht, denn nach der ersten Verwunderung vieler Fans, war dieser Track ein voller Erfolg.

Die ganze Fangemeinde war ja geschockt, als du im Studio zusammengebrochen bist. Seid ihr mittlerweile wieder alle fit, oder müssen wir uns für die Tour Sorgen machen?

Aber nein, eigentlich kam der Zusammenbruch ja genau zur richtigen Zeit. Es war sozusagen ein Weckruf meines Körpers, dass ich mehr auf mich achten muss. Und das tue ich! Außerdem wäre NIMMERMEHR ein komplett anderes Album geworden, wenn ich nicht einige Wochen im Krankenbett Zeit gehabt hätte, die Thematik des Albums ganz neu zu erfinden.

Der Song „Nimmermehr“ hat ja erstaunlicherweise nichts mit Raben zu tun. Wie kamt ihr dazu, den Titel so ganz aus seiner üblichen Assoziation herauszunehmen?

Durch die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes:
Nimmermehr = niemals wieder

"Nimmermehr", erschienen bei NoCutEntertainment

“Nimmermehr”, erschienen bei SPV / NoCut Entertainment

Ihr seid – im Gegensatz zu anderen Bands – ja scheinbar ziemliche Workaholics mit so vielen Alben- und Single-Veröffentlichungen. Habt ihr überhaupt noch Zeit für euch selbst? Wenn ja, womit verbringt ihr sie am liebsten?

Die Zeit ist knapper geworden, klar, aber man muss sie nur effektiv nutzen. Unsere Hobbies sind da eigentlich ganz normal: Carl und ich gehen gern Fußballspielen, Katha macht Thaiboxen und Manuel sitzt am liebsten mit 8 Tassen Espresso hintereinander am Rechner. Dazu kommt bei mir dann noch meine Hündin Ella, die auch Ihre Zeit einfordert und dann haben wir ja auch alle noch Familien, die sich freuen, wenn sie uns mal live aber ungeschminkt sehen können…

Stimmt es, dass ihr Kochabende mit Joachim Witt veranstaltet? Gibt es eine bestimmte Anekdote dazu, wie ihr beschlossen habt, einen gemeinsamen Song zu machen? (Und was gibt es bei euch Tolles zu essen? :P)

Joachim und ich sind da die perfekte Verbindung: ich koche gern und er isst gern!
Besonders beliebt sind meine Künste in Sachen Thaifood und Italienischem – aber die letzten Wochen haben wir auch schon mal einfach den Grill angeworfen und uns mehr darum gekümmert, dass der Weißwein auch ja die richtige Temperatur hat ;)

Bleiben wir beim Thema der Zusammenarbeit: Gibt es einen Künstler, mit dem ihr unbedingt mal einen Song aufnehmen wollt, wozu es bisher aber noch nicht kam?

Eigentlich nicht. Die Sache mit WITT hat sich ja auch aus einem Zufall ergeben. Also wer weiß, welche Zufälle uns noch passieren…

Bitte vervollständigt folgenden Satz: „Wenn es uns gelingt, mit unserer Musik_________, haben wir unser Ziel erreicht.“

MENSCHEN ZU BEWEGEN.

Und das schafft die Band mit „Nimmermehr“ definitiv! Alle Fans von (deutschsprachigem) Gothic-Rock werden sich bei diesem Album die Finger an der Repeat-Taste blutig drücken. Wer den üblichen Stil der Monos erwartet, wird vermutlich erst einmal überrascht sein über diese Evolution der Band, nach wie vor bleibt der Sound jedoch so eingängig wie die bisherigen Veröffentlichungen und liefert selbst nach dem ersten Lauschen sichere Ohrwürmer. Diese kann man sich übrigens im Winter auf der großen Deutschlandtour (inklusive Joachim Witt!) auch noch live abholen!

Demnach gilt: Schwarzes Augen-Make Up hervor, Lautstärke aufdrehen, und lasst eure blutigen Finger von den Monos mit „Heile heile Segen“ lecken!

©Sound Infection 2015