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Hot Boogie Chillun – Back to the roots

Datum: Montag 9.4.2018
Location: München, Backstage Halle

Vor dreizehn Jahren zeigte Sascha Vollmer und sein Erstprojekt Hot Boogie Chillun mit “15 Reasons to Rock’n’Roll” fünfzehn wirklich gute Gründe, dass Rock’n’Roll nicht zum Alteisen gehört sondern auch noch in den 2000ern was kann. Aufgrund des Erfolges mit The BossHoss wurde das soundtechnisch vielversprechende Projekt dann leider auf Eis gelegt. Jetzt, 2018, lässt Vollmer Hot Boogie Chillun wieder aufleben. Ein kompletter Kundendienst und drei Neukompositionen werden der Kultscheibe verordnet, die 2005 in nur geringer Stückzahl bei einem belgischen Label gepresst wurde. Damit liefert der BossHoss-Mastermind und seine zwei Mitstreiter Micha Frick am Bass und Schlagzeuger Roberto Bangrazi mit “18 Reasons to Rock’n’Roll” eine Neuauflage des Klassikers.

Passend zur Neuveröffentlichung gibt es eine kleine Clubtour des Berliner Trios in ausgesuchten Locations in Deutschland. Am 9. April war es dann im Münchner Backstage soweit. Eine Vorband gab es keine, Einlass war pünktlich um 19 Uhr. Wie fast zu Erwarten gab es massiven Frauenüberschuss aller Altersklassen. Die erste Reihe der Backstage Halle wurde sofort in weiblichen Beschlag genommen. Nachdem man sich selber einen guten Platz erkämpft und gesichert hat, hieß es warten. Um kurz nach halb neun kamen Hot Boogie Chillun endlich auf die Bühne. Inklusive dem erwarteten obligatorischen Mädelskreischen. Sascha mit merklich angeschlagener Stimme, die vorrangegangen Konzerte haben anscheinend ihren Tribut gefordert. Nichts desto trotz stellen die drei von der Tankstelle ihr Können sofort eindrucksvoll unter Beweis. Der Sound ist fett und geht sofort ins Bein. Die volle Halle, sofort im Takt, groovt leidenschaftlich mit.

Musikalisch reitet Hot Boogie Chillun einmal quer durch die Diskographie der Band. Da leider der ursprünglich engagierte Mundharmonikaspieler überraschend zurück nach England musste haben sich Hot Boogie Chillun mit Christopher aus Augsburg einen überzeugenden Ersatz geholt. Bei Songs wie “Black Cat Bone”, “Oh Well” oder “Fucking Sweet” zeigte Christopher eindrucksvoll sein Können. Leider ging die Harp oft etwas unter im sonst recht gut abgemischten Sound des Abends. Micha Frick am Bass gab ebenfalls alles. Für meinen persönlichen Geschmack war der Bass allerdings zu sehr in Richtung elektronisch abgemischt. Dem ursprünglicheren Sound auf den alten Platten der Jungs wurde das nicht ganz gerecht. Viel “Bums” regt zwar mehr zum Tanzen an, ist mir aber dann doch zuviel in Richtung BossHoss Style.

Alles in allem handelte es sich um ein gute Konzert mit gutem Sound und Atmosphäre! Die drei Berliner von Hot Boogie Chillun zeigten, dass sie es noch drauf haben klasse Musik und gute Stimmung zu verbreiten. Schade, dass diesem Projekt damals nicht der Erfolg beschieden war, den es verdient hätte. Auch wenn sich anscheinend aktuell viele Bellas und Billies danach sehnen, dass es wieder mehr von Hot Boogie Chillun zu hören und zu sehen gibt. Wer weiß, vielleicht gibt es ja demnächst auch mal mehr als nur ein Revival. Dann gerne wieder etwas rauer und ungeschliffener im Sound. Auf jedem Fall wäre ich auch wieder mit dabei, wenn es dann heißen könnte: 1000 and 1 Reasons to Rock’n’Roll!

(Text+Bilder: Björn Engelke)