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Heidi Happy im Interview: „Ich hätte mir nicht erträumt, dass das so geht – nur mit Musik“

Mit „Golden Heart“ hat die Schweizerin Heidi Happy gerade ihr fünftes Album veröffentlicht. Darauf präsentiert sie sich gewohnt bunt und abwechslungsreich. Mit Sound Infection sprach die multiinstrumentale und -linguale Luzernerin über ihre aussagekräftigen Artworks, die Schwierigkeit, in Schweizerdeutsch zu singen und den Unterschied zwischen deutschen und Schweizer Fans.

Dein Künstlername Heidi Happy hat ja einen sehr fröhlichen Klang. Wie bist du zu diesem Namen gekommen?

Es begann eigentlich als Witz. Ein paar Freunde hatten mich angefragt, ein Konzert zu geben. Das war mein erstes Solo-Konzert und ich hatte noch keinen Namen für eine Solo-Show. Wir waren beim Grafiker und dem war es sehr wichtig, einen Flyer mit meinem Namen zu machen. Wir haben rumgescherzt und sind dann auf Heidi Happy gekommen, weil das gut aussah. Der Name ist dann geblieben, denn alle können sich ihn merken. Ich mag es auch, dass viele Leute ihn voll doof finden oder supercool.

Cover von "Golden Heart"

Cover von „Golden Heart“

Es gibt Leute, die deinen Namen doof finden?

Ja, viele, vor allem in der Schweiz. Heidi und Happy sind bei uns Unworte und ich bin die Kombination davon. Ich kann gut verstehen, wenn das jemand schlimm findet. Aber ich sehe das nicht so ernst.

Wie bist du zur Musik gekommen? Wolltest du schon immer Musikerin werden?

Eigentlich bin ich gelernte Primarlehrerin. Meine Mutter ist Sängerin und meine drei älteren Geschwister musizieren alle, nicht nur beruflich, aber auch. Bei uns zu Hause war es immer ganz normal, dass man Musik macht. Meine Mutter hat Chöre geleitet, in denen ich mitgesungen habe, ich war im Orchesterlager. Das gehörte einfach dazu. Aber früher dachte ich, dass ich mal Lehrerin werde und dann nebenbei noch Musik machen würde. Ich hätte es mir nicht erträumt, dass das so geht – nur mit Musik.

Wenn du ein Bild malen müsstest, das deine Musik darstellt, wie würde das aussehen?

Alle meine Alben sind unterschiedlich und ich habe versucht, das auch mit dem Artwork zu zeigen. Ich finde, dass jedes Artwork zu der Musik auf dem jeweiligen Album passt. Das habe ich natürlich nicht immer alles selber gemacht, aber von den Farben, der Vielfalt, den Mustern oder eben keinen Mustern passt es sehr gut.

Auf deinem neuen Album „Golden Heart“ ist das Artwork ja quasi ein kleines Kaleidoskop aus dir selber.

Ja, das ist ein Teil vom Album. Und auf dem Cover sieht man blaue Wasserfarbe, bunte Kleider – wie verschiedene Welten, die man alle genauer betrachten kann, aber nicht muss. Gerade bei einem Kaleidoskop kann man das ganze Bild ansehen oder eben die feinen Details. Je nachdem kriegt man etwas ganz anderes mit. Bei meiner Musik ist das auch so. Ich hoffe natürlich, dass man die Musik einfach genießen kann und nicht auf Details hören muss, wenn man nicht will.

"Wie verschiedene Welten, die man alle genauer betrachten kann, aber nicht muss" (Foto: Janneke Van Der Hagen)

„Wie verschiedene Welten, die man alle genauer betrachten kann, aber nicht muss“ (Foto: Janneke Van Der Hagen)

Für viele Künstler ist eine neue Veröffentlichung ja wie ein Baby oder ein Gefährte auf einem bestimmten Lebensabschnitt. War das bei „Golden Heart“ auch so?

Ich schreibe ja ziemlich oft neue Songs (lacht), einerseits über Dinge, die ich im Moment empfinde, andererseits kommen auch immer alte Probleme wieder hoch. Meine Songs sind eigentlich alles Geschichten, die ich selber erlebt habe, zum Teil natürlich ein bisschen ausgeschmückt.

Auf „Golden Heart“ verwurschtelst du allerhand Musikstile aus den 70ern bis heute, inklusive gepfiffener Alpenromantik. Wie kam diese außergewöhnliche Mischung zustande?

Ich werde gar nicht so stark vom bewussten Musikhören beeinflusst, also von den Platten, die ich zu Hause habe – das sind auch ganz wenige. Vor allem auf „Golden Heart“ wurde ich von Live-Bands oder Musikhören in einem Club oder im Radio inspiriert. Da kommen all die Stimmungen dazu. Für mich hat die Natur einen Einfluss auf die Musik, das Erlebte hat einen Einfluss. Ich versuche, die Geschichten musikalisch so zu untermalen, dass noch stärker durchkommt, was ich fühle. Für mich gibt es dann eine logische musikalische Umsetzung für jedes Thema. Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen, weil ich mich eben auch ganz unterschiedlich fühle.

Du singst neben Englisch auch auf Deutsch und Französisch. Welche Sprache ist denn am schönsten zu singen?

Das ist eine schwierige Frage. Englisch singe ich schon sehr lange, deshalb fällt es mir sehr leicht. Da merke ich gar nicht mehr, welche Sprache ich singe; ich fühle einfach die Geschichte. Französisch singe ich auf „Golden Heart“ zum ersten Mal. Unser Bassist kommt aus Paris, deshalb sprechen wir in der Band ab und zu Französisch. Aber die Sprache ist nicht so nah an mir dran. Ich mag sie allerdings sehr, weil sie sich im Vergleich zum Englischen sehr leicht anfühlt und ich in eine andere Welt eintauchen kann. Deutsch singe ich gern, aber beim Schreiben ist es sehr schwierig – deshalb gibt es auch nur einen deutschen Song auf dem Album.

Im Deutschen gibt es halt sehr viele Wörter.

Genau. Ich habe auch schon versucht, Schweizerdeutsch zu schreiben, aber bei all den Nuancen ist es extrem schwierig, das richtige Wort zu finden, ohne dass es peinlich ist oder noch eine andere Bedeutung hat.

Gibt es noch eine andere Sprache, die du gerne mal singen möchtest?

Ich habe einen Song von den Nits gecovert, der auf Italienisch ist. Weil ich ein paar Jahre in den Niederlanden gelebt habe, spreche ich Holländisch. Einen holländischen Song könnte ich mir gut vorstellen.

Extravagant und bunt: Heidi Happy (Foto: Janneke Van Der Hagen)

Extravagant und bunt: Heidi Happy (Foto: Janneke Van Der Hagen)

Bei einem Album wie „Golden Heart“ ist das natürlich sehr schwierig, aber kannst du sagen, was inhaltlich die Quintessenz der Platte ist?

Es sind wirklich sehr viele Gebiete abgedeckt. Ich singe über verschiedene Beziehungen, wo ich unterschiedliche Probleme hatte… Oder im Moment, da habe ich eigentlich gar keine (lacht). Ich glaube, schlussendlich ist „Golden Heart“ ein Loslassen und Ankommen, sich nicht an irgendwelchen alten Vorstellungen festhalten.

In Deutschland sind die Schweizer mit allerlei Klischees behaftet und umgekehrt ist es sicherlich nicht anders. Hast du einen Unterschied zwischen deutschen und schweizerischen Fans ausgemacht?

Ja, aber ich finde, schon innerhalb von Deutschland gibt es riesige Unterschiede. Die Hamburger sind anders als die Leute auf dem Land. Wir wurden überall sehr herzlich empfangen. Was in Deutschland aber speziell ist, sind die älteren Leute, die sich die Musik voll reingezogen haben. Das passiert in der Schweiz extrem selten. Junge, enthusiastische Menschen gibt es da natürlich auch. Aber in der Schweiz wird man wohl vernünftiger, je älter man wird. Das ist natürlich wieder ein Klischee. So grundsätzlich kann ich aber keinen Unterschied zwischen deutschen und Schweizer Fans ausmachen, denn beide Länder sind in sich ja schon sehr facettenreich.

Was steht für dich in nächster Zeit Aufregendes an?

Wir geben einige Konzerte in Holland und Paris, dann geht es für Auftritte zurück in die Schweiz. Danach lasse ich es auf mich zukommen. Es wird sicherlich noch ein paar Sommerfestivals geben, eine weitere Konzertreise durch Europa im September und eine Österreich-Tour im November.

Ist das neue Album schon in Planung?

(lacht) Nein, das kommt meistens erst nach einem halben Jahr Touren.

Vielen Dank für das Interview.

Ich danke dir.

Heidi Happy – offizielle Homepage
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(Kathrin Tschorn)