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Grenzwertig – German Comic Con Dortmund 2017

Wer in den letzten Tagen mal Nachrichten geschaut hat, der weiß, dass derzeit in Düsseldorf der Prozess zur Loveparade verhandelt wird. Am Samstag auf der German Comic Con in Dortmund schoss nicht nur mir der Gedanke an die schrecklichen Ereignisse in Duisburg durch den Kopf. Und das kam nicht von ungefähr. Die Halle war zum Bersten überfüllt, die Organisation miserabel und die Mitarbeiter überfordert und wohl kaum in der Lage ein Krisenmanagement zu bewerkstelligen. Glücklicherweise ist nichts Schlimmes passiert und man hatte als Besucher nur einen verschwendeten Tag und schlechte Laune zu beklagen. Entsprechend negativ fielen dann die Kommentare in den sozialen Medien aus.

Auch wenn es den Samstagsbesuchern wenig hilft, so kann man feststellen, dass der Sonntag die katastrophalen Zustände nicht wiederholte. Zum einen war eine zusätzliche Halle für die Photoshoots kurzfristig angemietet worden und zum anderen ist der Sonntag auch der traditionell etwas schwächer besuchte Tag.

Wer also nur am Sonntag die German Comic Con besuchte, konnte durchaus einen netten Tag verbringen. Es gab wie immer einen großen Marktplatz mit allem was das Geek-Herz so begehrt.

Wobei Comics tatsächlich nicht den Schwerpunkt der Veranstaltung bilden. Es hatten sich relativ wenig Verlage auf die Con verirrt.

Natürlich war die Veranstaltung auch ein großes Schaulaufen für alle Cosplayer und es gab viele fantasievolle und ausgefallene Kostüme und Masken zu bewundern. Viele Manga Mädchen, Fantasy-Gestalten endzeitliche Game Charaktere und natürlich Superhelden und Superschurken en masse.

Besucht man häufiger Conventions, dann stellt sich hier und da natürlich auch das ein oder andere Déjà-vu ein, hat man die Aussteller doch neulich erst auf dem Weekend of Hell gesehen oder auf der Comic Con im letzten Jahr.

Erinnert ihr euch noch an den Buchstaben-Dealer aus der Sesamstraße? „Hey du da? Pssst! Willst du ein W kaufen?“ Genau das, also ein W gab es auch auf der Comic Con zu kaufen. Für 100 Euro krickelte Wentworth Miller sein W auf ein Autogramm Foto. Ein Photoshoot mit ihm kostete an der Tageskasse 125 Euro. Was habe ich verpasst, dass für einen Serienschauspieler (Prison Break The Flash, DC’s Legends of Tomorrow) so ein Preis aufgerufen wird. Ernsthaft?! Ein Foto mit den anderen Stars kostet zwischen 25 und 50 Euro.

Sehr gut organisiert (auch in Sachen Beleuchtung und Technik) waren die Panels mit den Stars.

Conventions sind nach einem zwei Klassen System organisiert. Es gibt ganz normale erschwingliche Tickets 2. Klasse und für alle, die es sich leisten können und mehr Geld ausgeben wollen, teure VIP Tickets mit besonderen Privilegien. Bei den Panels sind dann die ersten sechs Reihen für Besitzer eines 1. Klasse Tickets reserviert. Nicht jeder besucht aber die Panels. So gibt es immer massenweise leere Reihen vor der Bühne und Hilfskräfte, die alle verscheuchen, die kein 1. Klasse Ticket haben, sich aber in die VIP Zone wagen. Manchmal bot sich dann ein komisches Bild. Vorne gähnende Leere und weiter hinten drängelte sich der Pöbel.

Doch dann kam Samantha Smith (Supernatural) Nach ein paar Minuten Star Talk lässt sie den Blick durch die Halle schweifen und fragt: „Warum seid ihr alle so weit weg? Ich kann Euch ja gar nicht sehen. Kommt doch näher.“ und mit einer einladenden Geste winkte sie das Publikum herbei. Die sechs leeren Reihen vor der Bühne wurden flugs bevölkert und die Ordnerinnen blickten sich ratlos an. Man muss Samantha Smith einfach lieben. Die kleine Revolution wurde auch während des Game of Thrones Panels noch geduldet.

Leider konnte ich mir nicht alle Panels anschauen, weil ich am Samstag die meiste Zeit im Stau in der Halle feststeckte, aber am Sonntag konnte ich noch einige nachholen. Als Horrorfan habe ich mich natürlich sehr über Robert Englund gefreut. Aber auch die anderen Panels von Buffy bis Game of Thrones waren allesamt sehr unterhaltsam.

Auch wenn mich die netten Panels vom Sonntag und die zum größten Teil gut gelaunte Stars etwas versöhnlicher stimmen, hinterlässt die German Comic Con Dortmund doch einen schalen Nachgeschmack. Es soll ja mal Zeiten gegeben haben, in denen Veranstalter selbst echte Geeks waren und eine solche Convention mit echter Leidenschaft betrieben. Aber gerade mit Blick auf den Samstag sieht das Ganze nur nach liebloser Massenabfertigung aus und der Profit heiligt die Mittel.

Zum Glück kamen alle Besucher mit heiler Haut davon. Und RTL West nannte die Veranstaltung eine Erfolgsgeschichte – made in NRW. Es ist ein schmaler Grat…

Galerie: Cosplay

Galerie: Panels

von Mick Baltes