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ENSLAVED & ZATOKREV- Sturmsöhne über Frankfurt

Enslaved – Tour 2017
Samstag, 02.12.2017 Frankfurt, Das Bett
Support: Zatokrev

Glücklicherweise war am Konzertabend der Wettergott gnädig gestimmt und so konnte ich die Location im Herzen Frankfurts gut erreichen. Es dauerte etwas, bis sich “Das Bett” füllte, aber spätestens beim Auftritt von Enslaved, war die Halle gut besucht.

Opener an diesem Abend war die Band Zatokrev aus Basel. Ich muss zugeben, das ich im Vorfeld noch nichts von der Band gehört hatte, obwohl diese schon vier Alben veröffentlicht hat. Mit ihrem schleppenden und teilweise experimentellen Sound, einer Mischung aus Doom Metal und Post Hardcore wurde die wartende Menge langsam auf Betriebstemperatur gebracht und die ersten Köpfen nickten fleißig im Takt. Frederyk Hug am Schlagzeug drosch regelrecht auf sein Drumkit ein, als wollte er alles kurz und klein schlagen. Schon nach dem ersten Lied flog das verschwitzte T-Shirt in die Ecke und es ging mit freiem Oberkörper weiter. Frederyk Rotters Gesang erinnerte ein um das andere mal an Kirk Windstein von Crowbar. Nicht schlecht als Einstimmung für diesen Abend, aber zugegebenermaßen fieberte ich dem Auftritt von Enslaved entgegen und war gespannt, wie sie die Lieder des neuen Albums „E“ live performen und ob man mit Neuzugang Hakon Vinje einen adäquaten Ersatz für Herbrand Larsen am Keyboard und Klargesang verpflichtet hat.

Während des Intos vom Band betraten Enslaved unter Applaus die Bühne und es waren auch schon die ersten vertrauten Takte von „Storm Son“ zu hören. Leider war der Klargesang von Hakon fast während des gesamten Auftritts nicht zu hören. Schade schade, denn gerade der Wechsel zwischen Growl und Klargesang, macht für mich den Reiz der neueren Werke aus. Weiter ging es im Set mit „Roots of the Mountain“ (RIITIR) und „Return to Yggdrasill“ (ISA), bevor das zweite Lied „The Rivers Mouth“ vom neuen Album angestimmt wurde. Insgesamt wurde den angereisten Fans eine ausgewogene Mischung aus altem und neuem Songmaterial geboten. Als besonderes Schmankerl wurde nach „Convoys to Nothingness“ (Monumension) das Lied „Vetrarnott“ vom 94er Debütalbum „Vinkingligr Veldi“ mit elf Minuten Spielzeit komplett in voller Länge präsentiert. Laut Frontgrunzer Grutle Kjellson stammt der Song aus der Feder von Gründungsmitglied Ivar und wurde zum ersten mal auf einer Deutschland-Tour live dargeboten. Da freuten sich natürlich die anwesenden Black Metaller, die die alten Songs aus den Anfangstagen bevorzugen.

Mit den Songs „One thousand years of rain“ (In Times) und einem meiner Lieblingsstücke vom neuen Album, „Sacred Horse“, ging es weiter im Programm. Danach verließ die Band die Bühne und Cato kehrte als erster zurück, um ein kurzes Drum Solo zu spielen. Anschließend kam auch der Rest der Band zurück und Grutle begann die Bandmitglieder vorzustellen. Cato am Schlagzeug wurde uns an diesem Abend als Steffi Graf präsentiert, da ihnen am Vortag unter mysteriösen Umständen ihr richtiger Drummer verloren ging. Cato wirkte im ersten Moment etwas überrascht , quittierte das ganze aber mit einem breiten Grinsen und spielte ein paar Takte mit den blanken Fäusten auf den Schlagzeug-Becken. Als Zugaben wurden die Songs „ All fadr Odinn“ und „ISA“ gespielt, bevor die Band sich verabschiedete und unter tosendem Applaus, nach eineinhalb Stunden, die Bühne verließ.

Wirklich schade, dass der Sound der großartigen Performance der Band nicht gerecht wurde, die mit Spaß und Spielfreude am Werk war! Ein Urteil über die Gesangsleistung des neuen Keyboarders Hakon muss ich wohl auf das nächste mal verschieben, wenn hoffentlich die Rahmenbedingungen bessere sind. Jungs, bis auf bald….

(Text+Fotos: Matthias Hellmann)