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EMP Persistence Tour 2018 – Hardcore still lives

Kommen wir wieder einmal zu einem Ritual. Die EMP Persistence Tour, ihres Zeichens eine der am besten besuchten Hardcore Veranstaltungen, zieht wie in jedem Jahr im Januar durch Deutschland. Seit ein paar Jahren ist auch hier immer ein Großaufgebot an Bands mit am Start. Diesmal waren es ganze sieben Bands, dies stellt eine solche Veranstaltung natürlich vor Herausforderungen. Der Zeitplan ist straff, alles muss klappen. Entsprechend zeitig beginnt der Event am frühen Abend dann auch. Um 17:30 war Einlass im Münchner Backstage, Gott sei Dank an einem Sonntag. Ein Termin unter der Woche hätte es für den arbeitenden Teil des Publikums schwer gemacht, um mit der ersten Band zu starten. Noch dazu war der Termin in München schon einige Wochen zuvor ausverkauft gewesen. Für Kurzentschlossene gab es also nur die Möglichkeit auf Restkarten zurückzugreifen, die vor dem Gelände verkauft wurden. Eine Abendkasse gab es nämlich nicht.

Den Opener machten dann Insanity Alert aus Innsbruck pünktlich um 18 Uhr. Die vier Österreicher starteten ihren Alpine Thrash Assault mit dezenter Pyrotechnik, einem Sternlaspeier und legten dann gleich mit zünftigen Thrash Metal im Stil von Muncipal Waste los. Ihrem Motto „Thrash hard, smoke weed, drink beer, watch football and skate once in awhile“ wurden sie absolut gerecht. Insanity Alert machten Spaß, nahmen sich selbst dabei nicht ganz so ernst. Die gute Laune übertrug sich problemlos auf die zahlreichen Gäste. Insanity Alert wurden nach eine guten halben Stunde mit großem Applaus verabschiedet.

Die nächste Runde wurde von Broken Teeth! eingeläutet. Die fünf Jungs aus Manchester spielten rudimentären bodenständigen Hardcore und sorgten dafür, dass sich erste Bewegung im Pit zeigte. Alles in allem eine solide Darbietung, dem Publikum gefiel es. Mir selbst hat Broken Teeth! eher mäßig gefallen, war der Sound dann doch zu ungeschliffen. Weiter ging es mit den Jungs von Born from Pain. Seit 1997 unterwegs lassen sich Born from Pain laut eigenen Angaben vom 80er Jahre Thrash Metal, 90er Crossover oder auch von Bands wie Merauder oder Bolt Thrower inspirieren.

Ihr Ziel sei es nicht die coolste Band auf dem Erdkreis zu sein, aber es gab definitiv einige Fans die nun im Backstage zur Höchstform aufliefen. Soundtechnisch gab es gehörig auf die Ohren. Sänger Rob Franssen ging einige Male mit den Fans auf Tuchfühlung, textsichere Gäste durften ihn dabei auch am Mikro unterstützen. Auch hier war die Zeit recht schnell vorbei, während sich das Backstage immer weiter füllte.

Die nächste Band war dann quasi auf der Liste der „most wanted“: Power Trip aus Texas. Letztes Jahr waren sie im Vorprogramm von Brujeria und Napalm Death schon einmal im Backstage zu sehen gewesen. Massiver Crossover Thrash Metal ist ihr Genre, und den setzen sie auch gekonnt um. Angst und Bange muss einem nur werden, wenn Sänger Riley Gale mit dem Mikrofonständer rumfuchtelt oder das Kabel seines Mikros sich in denselben Ständer verfängt. Hat man doch ständig die Befürchtung, dass jetzt gleich die halbe Bühne abgeräumt wird. Sound und Show von Power Trip musste sich auf jeden Fall nicht verstecken. Damit zeigten die fünf Texaner wieder einmal eindrucksvoll das nicht nur Cowboys und Stiere aus Texas kommen.

Damit war in meinen Augen das Vorgeplänkel des Abends abgeschlossen. Jede der jetzt folgenden drei Bands ist für sich schon ein Headliner. Terror aus L.A. machten hier den Anfang. Wer Terror kennt, weiß das jetzt der Platz im Pit heiß und eng wird. Terror… der Name ist einfach Programm, Scott Vogel heizte der Menge hervorragend ein, lud zum Stagediven ein. Der Ruf wurde erhört, noch während der ersten drei Songs wurde über die Absperrung des Bühnengrabens geklettert, eine kurze Umarmung mit den Idolen und ab ging es im Sprung zurück in die Menge. Je nach Sprungvermögen oder auch Lebendgewicht gelang dies mal besser und mal schlechter. No Risk No Fun, größere Verletzungen blieben glücklicherweise aus auch wenn mancher Flug und Landung schon recht abenteuerlich anmutet. Die Security hatet im Graben auf jeden Fall genug zu tun. Aber wenn es nicht so wäre, dann wäre es eben auch kein Terror Hardcore Konzert.

Nun kam mein persönliches Highlight des Abends: Madball. Die New York Hardcore Legende startete aber leider verletzt in diese Runde. Hatte sich Freddy Cricien doch zuvor beim Auftritt in Dresden die Rippen angebrochen. Merklich angeschlagen konnte er nicht wie gewohnt auf der Bühne herum springen, leider auch keine Abstecher in den Bühnengraben machen um mit Fans auf Tuchfühlung zu gehen. Mangels festen Gitarristen, nachdem Brian Daniels die Band Ende 2017 verlassen hatte, sprang Dominik Stammen von Born from Pain für die Tour ein. Der gesamte Auftritt von Madball war im Endeffekt ein großartiges Beispiel für Zusammenhalt in der Hardcoreszene. Um Freddy zu unterstützen sprangen nacheinander verschiedene Mitglieder der anderen Bands ein. Der Abend wurde so zu einer großen Hardcore-Family Session. Den Abschluss machte wie zu erwarten der ‘Doc Martens Stomp’, Hardcore Still lives!

Nun blieb nur noch Hatebreed als krönenden Abschluss. Jamey Jasta und seine Mannen wurden schon sehnlichst erwartet. Von den ersten Takten an drückte die Euphorie der Fans in Richtung Bühne. Der Moshpit nahm ziemlich schnell exzessive Ausmaße an. In der folgenden Stunde kamen alle auf ihre Kosten, die Stimmung war bestens und Hatebreed konnte sich zu Recht feiern. Alles in allem bot die EMP Persistence Tour 2018 wie immer ein gelungenes Gesamtpaket für das Hardcoreherz. Die Tour hat mit dem Münchner Backstage ebenfalls eine mehr als passende Location. Ich freue mich auf jeden Fall wieder auf die Ausgabe 2019.

(Text+Bilder: Björn Engelke)