"Suspended At Aphelion" erscheint im Oktober über Nuclear Blast
  • Release Date: Oktober 24, 2014
  • Catalog No: B00N4JDI3K
  • Label: Nuclear Blast
  • Type: Metal und Rock
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While Heaven Wept: Suspended At Aphelion

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“Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!”, schrieb Dante bereits im 14. Jahrhundert über das neue Album der US-Amerikaner WHILE HEAVEN WEPT. Und recht hatte er, jawohl! Denn mit ihrer individuellen Epic-Progressive-Metal-Mischung, übertreten sie nicht nur jegliche Genregrenzen, sondern sorgen auch für jede Menge Hoffnungslosigkeit, Beklemmung und Isolationsgefühle.

Der Titel ”Suspended At Aphelion” ist Programm, denn wem es gelingt, den fast 40-minütigen Song, der in 11 Tracks unterteilt ist, durchzuhören, fühlt sich tatsächlich, als würde er an einem Strick baumeln, der so weit von der Sonne entfernt ist, wie nur möglich erscheint. Umgeben von ewiger Finsternis und dem Wissen, dass man nie wieder Tageslicht erblicken wird, egal in welche Richtung man auch zu strampeln versucht.

Bis zum 24. Oktober habt ihr noch Zeit euch einen Therapeuten zu besorgen. Dann kommn While Heaven Wept (Foto: Craig Hunter Ross)

Bis zum 24. Oktober habt ihr noch Zeit euch einen Therapeuten zu besorgen. Dann kommn While Heaven Wept (Foto: Craig Hunter Ross)

Faszinierend ist hierbei die Katharsis-Reise, auf die WHILE HEAVEN WEPT den Hörer mitnehmen. So strotzt ‘Icarus And I’ noch vor Hoffnung und Tatendrang, flattert ambitioniert der Sonne entgegen, doch bekanntlich wird es dort oben ganz schön heiß und so beginnt der Sturzflug. Der ‘Heartburst’ folgt. Die Band nutzt die Sonne als nicht immer deutlich erkennbare Metapher für eine Versuchung, ein menschliches Verlangen, das jedoch alles Mögliche sein kann. In den Lyrics scheint es die große Liebe zu sein, doch die Interpretation lässt vieles zu, Fakt ist jedoch, dass das Lyrische Ich immer wieder mit aller Kraft versucht, sich dem Objekt der Begierde anzunähern, es fleht, kämpft und jammert, doch mit jeder verstreichenden Minute des Albums resigniert es mehr und gibt sich schließlich seinen Schicksal hin: ”SLOWLY I HAVE SURRENDERED TO APHELION“.

Der Kloß im Hals wird immer größer und man hofft auf einen letzten Hoffnungsschimmer, eine vergessene Textzeile, die noch ein Happy End erahnen lässt, doch WHILE HEAVEN WEPT meinen es verdammt Ernst und brennen jegliche Hoffnung auf Rettung nieder.
Die Band betont, dass es sehr wichtig sei, das Album am Stück zu hören, da es sich um ein detailliert ausgearbeitetes Konzeptalbum handelt, das außerdem auf moderne Hilfsmittel bei der Aufnahme verzichtete und deshalb leiser klingt, als die meisten CDs heutzutage. Über mehrere Jahre hinweg wurden die Songs geschrieben und obwohl WHILE HEAVEN WEPT bereits seit 1989 existieren, scheinen sie erst jetzt ihre große Stärke auf den Punkt bringen zu können, ohne sich in übertriebenen Ausschweifungen zu verzetteln. Stellenweise fehlt noch eine Spur von Abwechslung, trotzdem ist der rote Faden auf Grund der chronisch bedrückenden Atmosphäre stets sichtbar.

Seit My Dying Bride war Musik nicht mehr so deprimierend und dabei handelt es sich hierbei nicht einmal um Doom Metal. Dennoch gelingt es den Amerikanern mit epischer Gewalt und starken Vocals, die stellenweise jedoch noch etwas verzweifelter klingen könnten, einem auf gelungene Weise den Tag zu versauen. Also hier ein letzter Tipp: Buddelt das Grab schonmal bevor ihr die Scheibe über Nuclear Blast kauft, denn wenn erst mal Frost im Boden liegt, wird das unnötig anstrengend.

(Anne Catherine Swallow)