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  • Release Date: März 20, 2015
  • Catalog No: B00TRLHX26
  • Label: Sfa Distribution / Galileo Music
  • Type: Hip-Hop, Reggae, und Weltmusik
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Waduh!: Sueño

Rating:

Traumklänge der Metropolen

  • Duna

Sich körperlich in andere Regionen zu versetzen, sehen Kariben schwarzer Herkunft ganz selbstverständlich als ureigene Fähigkeit. Sie sind nicht nur in Gedanken zu Freunden nach Europa gereist, ohne vielleicht jemals ein Flugzeug betreten zu haben. Dieses Flair erzeugen Waduh! bei ihren Konzertauftritten unwillkürlich: Die Soundscapes diverser Weltstädte erleben wir förmlich mit – als wären wir selbst dabei gewesen, als die Musiker die Luft von Buenos Aires, Cape Town, Jakarta, New York, Recife, Rio de Janeiro, Caracas, Managua und Nagoya eingesogen haben. In diesen Städten haben die meisten von ihnen erste musikalische Erfahrungen gesammelt. Nicht von ungefähr also steht der aktuelle CD-Erstling unter dem Motto Sueño, Traumerinnerungen, die konserviert sind und in den dreizehn Tracks selbst zum Leben erwachen, sobald die acht Musiker angefangen haben zu spielen.

Von Beginn an spielten die Live-Auftritte der Band eine überragende Rolle. Als Idee entstand Waduh! schon 2006 in den Köpfen der weltkundigen Brüder Frieder und Jasper Wasmuth, die selbst auch in Italien, Indonesien und Lateinamerika aufwuchsen. Sie dichteten zuerst die teilweise gesellschaftskritischen und von jeder Provinzialität fernen Liedtexte, gerne im Wechsel von Spanisch, Englisch und Deutsch.

Waduh! überzeugen mit Sueño (Foto: Waduh!)

Waduh! überzeugen mit Sueño (Foto: Waduh!)

So geben im Track Duna zwar spanische Strophen den Rahmen vor, zwischenzeitlich wird aber auf Deutsch gerappt. Der Zuhörer spürt, dass gerade die Sprache des lateinamerikanischen Kontinents die natürliche Ausdrucksbasis für die Stimmen von Jasper Wasmuth, Anna Sodermanns und Georg Barringhaus bildet – besonders in Cachapera, meinem Schlüsselerlebnis auf der Platte.

Die klangliche Kombination von Till Künklers jazzorientierter Posaune vor dem Rhythmusapparat von Thomas Esch (Drums), Kenn Hartwig (Bass) und Uli Faller an der Gitarre schafft eine einzigartige Atmosphäre, die tausende von Kilometern mühelos zurücklegt und sich im Ohr festsetzt. Hier spürt man die Bedeutung der vielen Live-Gigs seit Gründung der Band Anfang 2010 in Köln, die nur aus der intensiven Rückkopplung mit dem Publikum entstanden sein kann.

Einen wesentlichen Beitrag zum Groove der Formation leistet Lukas Pfeils Saxophonstimme. Der Wechsel zwischen den Sparten HipHop, Funk&Soul, Jazz und Ska gelingt übergangslos, selbst in ein- und demselben Stück. Hier und da blitzen in Schlagzeug und Bass auch Momente von Black Music auf. In seinem energetischen Zugriff und seiner Entscheidenheit überzeugt vor allem der Track Dos Mundos, der beinahe philosophisch ein brennend aktuelles Weltthema behandelt. Tiefsinniger Text und musikalische Klangfarben harmonisieren hier in idealer Weise.

Waduh! – offizielle Website
Waduh! – Facebook

(Hanns-Peter Mederer)

©Sound Infection 2015