(Foto: Nuclear Blast)
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Tuomas Holopainen – The Life And Times of Scrooge

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Zeitloser Spiegel eines Lebens, inszeniert von Symphonic Metal-Legende Tuomas Holopainen

Eigentlich sollte diese Review mit einer kurzen Einleitung darüber beginnen, was für ein brillanter und unvergleichbarer Künstler Tuomas Holopainen, Keyboarder und Songwriter von Nightwish ist, doch die einzige Person, die in der Lage wäre, dies in Worte zu fassen, ohne dabei kotzwürgend schmalzig oder lächerlich zu wirken, ist Tuomas selbst. Auch zu sagen, dass alles, was der37- jährige Finne anfasst, zu Gold wird, wäre inadäquat, denn mit Reichtümern aus dieser Welt ist seine Musik nicht zu beschreiben. Alles wird zu “einem Traum” wäre vielleicht angebrachter, jedoch im wortwörtlichen Sinne und nicht wie Dieter Bohlen die die glitzernd rosa Schühchen seiner DSDS-Schönlinge beschreiben würde.

Seit dem ersten Nightwish-Album im Jahre 1997 lässt Tuomas Holopainen das Leben ein wenig lebenswerter werden, und so demonstriert sich auch sein neustes und erstes Solowerk „The Life And Times of Scrooge“, das – wie der Name schon sagt – die Geschichten von Dagobert Duck Comics musikalisch nacherzählt. Was zuerst obskur und nerdig erscheint, entpuppt sich jedoch als passioniertes, filmmusikartiges Konstrukt, das mehr als ein schräges Tribute ist und mit beiden Händen die Zeichenwerke des Künstlers Don Rosa zu ergreifen weiß.

Tuomas und die Skizze des von Don Rosa entworfenen Covers (Foto: Nuclear Blast)

Tuomas und die Skizze des von Don Rosa entworfenen Covers (Foto: Nuclear Blast)

Angemerkt sei hier, dass Don Rosa ein herausragender Zeichner in seinem Genre ist und mit einem Detailreichtum besticht, das normalerweise keine Disney-Novelle aufweist, dennoch ist es nicht zwingend erforderlich, dass man als Hörer seine Werke und insbesondere die Geschichten aus „Onkel Dagobert – sein Leben, seine Milliarden“ kennt, da die Musik auch außerhalb des Zusammenhangs funktioniert.
Kurz gesagt, ist das Album vermutlich das schottischste, was ein Finne je produziert hat. Mit Hilfe von Nightwish-Dudelsack-Gentleman Troy Donockley kreiert bereits der folklastige Opener „Glasgow 1877“ die Szenerie britischer Landschaften im aufsteigenden Nebel und taufrischem Gras, zarte Violinen und die Stimme von Johanna Kurkela unterstützen den bunten Reigen aus Melancholie und schließlich den Aufbruch in eine neue Welt bei „Into The West“.

Mit verzaubernder Präzision fährt Tuomas Holopainen die einzelnen Pinselstriche des Dagobert Ducks musikalisch nach und führt den Hörer akustisch durch die Abenteuer, die die weltberühmte Ente in ihrem langen Leben bestreitet. Mal traurig, mal enthusiastisch, immer jedoch mit einlullender Atmosphäre von Folk, Klassik und Pop.

Haben sich gesucht und gefunden: Zeichner Don Rosa und Tuomas Holopainen (Foto: Nuclear Blast)

Haben sich gesucht und gefunden: Zeichner Don Rosa und Tuomas Holopainen (Foto: Nuclear Blast)

Der genialste Song des Albums ist eindeutig „Cold Heart Of The Klondike“, der nebenbei bemerkt auch gut als Nightwish Song funktioniert hätte, besonders jedoch durch die Fusion von Tuomas mit Sonata Arctica Sänger Tony Kakko glänzt. Als wären die beiden wie kleine Legosteinchen durch die weite Welt geschwebt und hätten endlich das perfekte Gegenstück zueinander gefunden, wirkt die melancholische und doch faszinierend kraftvolle Stimme in die Melodie verwebt und von Orchester und Chören unterstützt, schaukelt der Song sich immer mehr zum Klimax. -trotz seiner sieben Minuten ist er übrigens noch zu kurz.
Doch auch die rein instrumentalen Songs wie „Goodbye, Papa“ bleiben ausdrucksstark und zaubern Bilder von tanzenden Blättern im Wind vor dem inneren Auge.
Die bereits veröffentlichte Single „A Lifetime of Adventures“ ist letztendlich genau das Lied, das man hören möchte, wenn man nach einem erfüllten Leben langsam ins Jenseits abdriftet.

Als einziger Haken lässt sich anführen, dass die weiblichen Vocals gelegentlich ein Stück zu soft und lieblich wirken, aber die Floor Jansens dieser Welt können ja nicht überall sein. Zumal sich das Album somit eindeutiger von dem Nightwish-Flair abhebt. Dennoch wären ein paar Tracks mehr mit den Leadvocals von Tony Kakko genial gewesen.
Trotzdem, und das sage ich mit einem eleganten, beinah bittenden Knicks:

Hört es euch an. Vielleicht wird es nicht euer Stil sein, weil es mit klassischem Metal wenig zu tun hat, doch beeindrucken wird es euch dennoch. Und es erst in ein paar Jahren für sich zu entdecken wäre verschwendete Lebenszeit.

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(Anne Catherine Swallow)

©Sound Infection 2015