thus-owls-turning-rocks-album-cover
Album kaufen bei Amazon

Thus Owls: Turning Rocks

Rating:

Die Lava-Lampe des Lebens

Eulen sind ja derzeit schwer in Mode. Aber diese Eulen breiten ihre Schwingen aus und heben in sphärische Höhen ab. Auf Thus Owls drittem Album „Turning Rocks“ zeigt sich die Band in altbekannter zauberhafter Akustik, die plötzlich in elektronisch schrille Höhen abdriftet. Ein musikalischer Höhenflug von kurz über der Baumgrenze schwedischer Wälder bis in die Milchstraße. Wer seine Musik melodisch, aber nicht langweilig mag, sollte auf den Schwingen dieser Eulen mitfliegen.

Thus Owls ist eine wahre Geschichte davon, wie verwoben Musik und Liebe sind. Mittlerweile verheiratet, trafen sich Erika aus Schweden und Simon aus Kanada erstmals auf einer Europa-Tour, die sie allerdings mit unterschiedlichen Bands bespielten. Zufälligerweise traten sie in derselben Location auf.

„Ich habe mich sofort in Simons Sound verliebt“, sagt Erika heute.

Die Kombination Stockholm-Montreal passt nicht nur im Privatem, sondern auch bei Thus Owls, dem musikalischen Kind des Ehepaars. Mit dem dritten Album „Turning Rocks“ lebt die Band ihre Kreativität aus und präsentiert einen schrägeren Musikmix als man von den Vorgängerplatten gewohnt ist.

Vom zart-rauen Akustikklang, der durch Erikas gleichgewichtslose Stimme und Simons Gitarrenspiel geprägt ist, erheben sich die Kreationen der Thus Owls in atmosphärische – ja, teilweise psychedelische – Höhen. Schuld daran ist die neu entdeckte Liebe der Band zu den elektronischen Orgeln der 60er Jahre.

Irgendwo zwischen 1960 und 1999 machen Thus Owls Musik für heute (Foto: thusowls.com)

Irgendwo zwischen 1960 und 1999 machen Thus Owls Musik für heute (Foto: thusowls.com)

Hört sich dramatischer an als es ist. Es erwartet einen kein schrammeliges Orgelgekreische, das nur unter Einfluss bestimmter Pilze seinen musikalischen Reiz in der Lava-Lampe des Lebens entfaltet. Thus Owls behalten ihren reduzierten, harmonischen Klang, der vielfach an Bands wie Mazzy Star erinnert. Der Sound erweitert sich allerdings um eine Ebene, die der ein oder andere – das geben wir zu – als störend empfinden könnte.

Für uns gewinnt die Musik dadurch allerdings nur an Tiefgang. Dazu tragen auch die bezaubernden Texte bei, die allesamt von Erikas Kindheit in Schweden inspiriert sind. Sie wuchs in einem kleinen Dorf auf Orust auf, einer Insel nördlich von Göteburg. Ihre Großmutter erzählte ihr Geschichten von Leuten und Ereignissen ihrer eigenen Jugend.

„Sie ist im selben Haus aufgewachsen wie ich“, erklärt Erika. „Als sie also über all diese Dinge gesprochen hat, fühlte ich mich damit sehr verbunden.“

Jeder der zehn fließenden Tracks auf „Turning Rocks“ entstammt also auf irgendeine Weise einem Leben in Erikas Heimatort – das garantiert sowohl Tiefe als auch Distanz, eine Mischung, die die Musik von Thus Owls umso anziehender macht. Einzige Ausnahme von diesem biografischen Fundament bildet der Song „Could I But Dream That Dream Once More“, der auf einen Roman von Murasaki Shikibu, einem japanischen Poeten aus dem 11. Jahrhundert, zurückgeht.

Geborgt von anderer Leute Leben, inspiriert von japanischen Poeten und elektronischen Orgeln längst vergangener Epochen – man bekommt ein Gefühl für Thus Owls, diese Band, die so anders und doch so normal klingt. Psychedelisch-experimenteller Chamber-Pop. Schwer zu beschreiben also; am besten reinhören.

Thus Owls – offizielle Homepage
Thus Owls – Facebook

(Kathrin Tschorn)

©Sound Infection 2015